Testspiel vor Confederations Cup Zurück aus der Vergangenheit


Die glorreichste Zeit der russischen Nationalmannschaft liegt fast zwei Jahrzehnte zurück. Doch der nächste Gegner der deutschen Elf ist wieder auf dem Weg nach oben.

Vor 17 Jahren kam die "Sbornaja", damals noch als Auswahl-Team der Sowjetunion, bei der EM 1988 in Deutschland bis ins Finale und musste sich dort den Niederlanden geschlagen geben. Obwohl seitdem international Flaute herrschte, treten die Russen am Mittwoch mit frischem Selbstvertrauen in Mönchengladbach zum Testspiel gegen die deutsche Nationalelf an. Denn im Mai holte ZSKA Moskau als erster russischer Verein den Uefa-Pokal. Dieser Erfolg im zweitwichtigsten Europacup-Wettbewerb löste im Lande einen Sturm der Begeisterung aus.

Deutschen Fans ohne ausgesprochenes Interesse am russischen Fußball präsentiert sich die junge Gäste-Mannschaft als Heer der Namenlosen. Das Rückgrat der Nationalelf bildete zuletzt die Hintermannschaft des UEFA-Cup-Siegers ZSKA. Der erst 19 Jahre alte Torhüter Igor Akinfejew sowie die Zwillingsbrüder Alexei und Wassili Beresuzki waren am Wochenende die Garanten für den 2:0-Sieg in der WM-Qualifikation gegen Lettland.

Der Kreml ist optimisch

In der Gruppe 3 liegen die Russen derzeit auf dem dritten Platz, punktgleich mit den Slowaken hinter Tabellenführer Portugal. Selbst im Kreml ist man zuversichtlich, dass nach der WM 2002 und der EM 2004 auch dieses Mal wieder die Qualifikation gelingt. Dabei begannen die Gruppenspiele im vergangenen Herbst mit einem Desaster. Erst gingen die Russen 1:7 in Portugal unter, dann reichte es in der früheren Sowjetrepublik Estland nur zu einem Unentschieden.

Der neue Nationalcoach Juri Sjomin soll den Erfolg bringen. Der frühere Meistertrainer von Lokomotive Moskau liebt es überschaubar. Insgesamt sechs Spieler von ZSKA Moskau stehen im Aufgebot für Mönchengladbach. Zudem soll das Stürmer-Duo von Zenit Sankt Petersburg, Andrej Arschawin und Alexander Kerschakow, für Überraschungen sorgen. Dritte Stütze der Nationalmannschaft sind die Mittelfeldspieler von Lokomotive Moskau, Spielmacher Dmitri Loskow und Marat Ismailow. Möglicherweise rückt in Mönchengladbach wieder der 34-jährige Torwart-Routinier Sergej Owtschinnikow von Lokomotive Moskau zurück ins Team.

Russische Heimatliebe

Aus dem erweiterten Kader spielen nur zwei Fußballer im Westen. Alexej Smertin tritt für Chelsea London an, dessen Besitzer der russische Ölmagnat Roman Abramowitsch ist. Smertins Mittelfeld- Kollege Sergej Semak hat in Paris bei St. Germain angeheuert. Dass die anderen Nationalspieler in ihrer Heimat spielen, spricht nicht unbedingt gegen ihre Qualitäten. Durch die Investitionen zahlreicher Milliardäre ist die russische Liga auf dem besten Weg, eine der finanzstärksten in ganz Europa zu werden.

Nationaltrainer Sjomin hat vor dem Freundschaftsspiel in Mönchengladbach bereits angekündigt, einige "taktische Varianten" auszuprobieren. "Wir haben viele kleine Spieler und die Deutschen sind stark in der Luft", betonte Sjomin. Mögliche Konter der Deutschen bereiteten ihm im Vorfeld Sorgen. Es gilt als sicher, dass der Trainer einigen ZSKA-Stars eine Ruhepause gönnen wird.

Stefan Voß/DPA DPA

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