HOME

Transfer: Ailton flüchtet nach Istanbul

Es war ein offenes Geheimnis, dass Ailton nach einer weniger guten Saison auf Schalke mit Wechselgedanken spielte. Jetzt beendet der Brasilianer sein Gastspiel bei den Knappen.

"Jungs, viel Glück in der Champions-League." Ailton verabschiedete sich mit diesen knappen Worten am Dienstag nach dem Mittagessen von den Teamkollegen des FC Schalke 04 und beendete damit sein Kurzgastspiel im Revier nach nur zwölf Monaten vorzeitig. Der brasilianische Stürmer geht in der neuen Saison für den türkischen Spitzenclub Besiktas Istanbul auf Torejagd. Überraschend schnell ist sich der deutsche Vizemeister mit den Türken über einen Transfer des 32-Jährigen einig geworden. "Wenn es ein gutes Geschäft für alle Seiten ist - warum nicht? Ich muss an meine Zukunft denken", sagte Ailton, ehe er seinen Sachen packte und das Schalker Trainingslager im österreichischen Bad Radkersburg auf "Nie- Mehr-Wiedersehen" verließ.

Während der Rest des Kaders von Graz nach Stuttgart zum Testspiel an diesem Mittwoch bei den Kickers reiste, flog Ailton nach Düsseldorf. Dort oder in Gelsenkirchen erfolgt der medizinische Check durch die Besiktas-Ärzte - die letzte Hürde bei dem Deal. Dass der Verkauf Ailtons an den zwölfmaligen türkischen Meister, bei dem Christoph Daum jahrelang erfolgreich arbeitete, schnell abgewickelt wird, daran gibt es keinen Zweifel. Auch wenn die Unterschrift noch fehlt. "Wir gehen davon aus, dass der Transfer am Mittwoch oder Donnerstag über die Bühne geht. Die Vereine sind untereinander klar, und Toni ist mit seinen Gedanken schon in Istanbul", betonte Schalkes Teammanager Andreas Müller.

Das erste Angebot wurde abgelehnt

Das erste Angebot hatten die Knappen noch abgelehnt, ehe Besiktas nachbesserte. "Da stellte sich die Frage: Welchen Wert hat der Spieler?", sagte Trainer Ralf Rangnick. "Bei dieser Summe können wir nicht Nein sagen. Wenn ein solcher Betrag aufgerufen wird, muss man abwägen, wie alt ein Spieler ist und wie lange sein Vertrag noch läuft. Es ist doch klar, dass wir nächstes Jahr keinen Cent mehr für Toni bekommen hätten."

Nach Angaben der "Bild"-Zeitung zahlt Istanbul für den ehemaligen Bundesliga-Torschützenkönig (2003/2004 für Werder Bremen) eine Ablösesumme von 3,5 Millionen Euro. Ailton soll am Bosporus einen Zweijahresvertrag bekommen und neben dem jährlichen Salär von rund 900 000 Euro noch 830 000 Euro Handgeld einstreichen - Netto. Diese Zahlen für den vor einem Jahr ablösefrei verpflichteten Brasilianer bestätigte Schalke aber nicht.

Der Wechsel kam zwar plötzlich, aber nicht wirklich überraschend. Kein Geheimnis ist, dass Ailton sich trotz seiner 14 Tore in der Vorsaison nach seinem Wechsel ins Ruhrgebiet nie richtig glücklich wurde. Zudem passt der exentrische und wenig trainingsfleißige Angreifer weder als Person noch als Spielertyp ins Konzept von Rangnick, das auf Pressing ausgerichtet ist. In Kevin Kuranyi (VfB Stuttgart) wurde zudem ein hochkarätiger Nachfolger verpflichtet.

Däne kann kommen

Noch dazu entwickelt sich der Transferpoker um den dänischen Stürmer Sören Larsen (Djurgarden Stockholm) zu Gunsten der Schalker. "Wir wollen versuchen, mit vier Stürmern in die Saison zu gehen. Dazu zähle ich Larsen, dessen Wechsel zu uns wir jetzt zügig abwickeln wollen", sagte Müller, der aber bestreitet, den Schweden die bisher verweigerte Freigabe mit einem Teil der Ailton-Millionen schmackhafter zu machen. "Wir werden nichts drauflegen, weil die Ablöse festgeschrieben ist." Dennoch ist die Larsen-Verpflichtung wohl Voraussetzung dafür, dass die "Knappen" dem bei den Fans nicht sonderlich beliebten Ailton, der zudem mit einigen Eskapaden Unruhe stiftete, keine Steine in den Weg legten.

In Gerald Asamoah, Ebbe Sand, Kuranyi und Larsen hat der Bayern- Jäger dann vier Top-Angreifer in seinen Reihen. Weitere Offensiv- Spieler wie Gustavo Varela, Simon Cziommer und Mimoun Azaouagh könnten einspringen, falls einmal Not am Mann sein sollte. "Unsere Transferaktivitäten sind noch nicht beendet", hatte der zur Zeit auf Mallorca urlaubende Manager Rudi Assauer immer wieder betont. Nun steht nur noch ein Defensiv-Spieler auf dem Wunschzettel. Müller: "Natürlich haben wir jetzt größeren Spielraum, was die Verpflichtung eines Abwehrspielers angeht."

DPA / DPA

Wissenscommunity