Uefa-Cup Die Nordlichter glänzen


Die deutschen Vereine können doch noch anständigen Fußball spielen: Sowohl der Hamburger SV als auch Werder Bremen zeigten im Uefa-Cup-Viertelfinale gegen ihre schweren Gegner starke Leistungen und gewannen verdient. In Bremen gab es den üblichen Helden, in Hamburg überzeugte wie so oft das Kollektiv.

Kunstschütze Diego hat für Werder Bremen das Tor zum Halbfinale des UEFA-Pokals ganz weit aufgestoßen. Der Tabellen- Zehnte der Fußball-Bundesliga gewann am Donnerstag gegen Udinese Calcio verdient mit 3:1 (1:0) und nimmt das erhoffte Tore-Polster mit in das Viertelfinal-Rückspiel in einer Woche im Friaul. Vor 32 548 Zuschauern im Weserstadion erzielten der spielfreudige Brasilianer Diego (34./67. Minute) und Hugo Almeida (69.) die Treffer für die Norddeutschen, die sich allerdings durch eine Nachlässigkeit in der Abwehr drei Minuten vor dem Ende durch Fabio Quagliarella noch das Anschlusstor einfingen. Zuvor hatte Torhüter Tim Wiese alle brenzligen Situationen vor seinem Kasten gemeistert.

Die Bremer wollten gegen den Tabellen-14. der Serie A dort anknüpfen, wo sie am Sonntag beim 4:1 gegen Hannover aufgehört hatten. Doch zunächst erwies sich das Abwehrbollwerk der Italiener als unüberwindlich, auch weil Werder im Spielaufbau zu viele Fehler unterliefen und in Strafraumnähe zu umständlich kombiniert wurde. Dann brachte ein entschlossener Antritt von Diego die Gastgeber im dritten Europapokal-Duell der Saison gegen einen italienischen Club auf die Siegerstraße. Während Werder danach auch spielerisch zulegte, konnte der zuletzt wie am Fließband treffende Claudio Pizarro in der Sturmspitze nur wenige Akzente setzen.

Diego brilliert

Als sich im weiten Rund wegen des ideenlosen Bremer Spiels bereits leiser Unmut regte, sorgte Naldo nach 30 Minuten für den ersten Muntermacher der dahinplätschernden Partie. Der Abwehrspieler jagte den Ball aus gut 30 Metern ans Lattenkreuz. Weil der nachsetzende Pizarro Gäste-Keeper Samir Handanovic unfair anrempelte, versagte Schiedsrichter Laurent Duhamel aus Frankreich dem vermeintlichen 1:0 die Anerkennung. Doch vier Minuten später war alles korrekt abgelaufen. Von Mesut Özil angespielt drang Diego entschlossen in den Strafraum ein und ließ Handanovic mit einem Flachschuss in die lange Ecke keine Abwehrchance.

In der 67. Minute tanzte Diego im Strafraum einen Gegenspieler aus und schlenzte den Ball mit viel Übersicht in den Torwinkel, dann lief Almeida nach Pass von Sebastian Boenisch Udines Abwehr auf und davon und schloss sein Solo mit einem platzierten Flachschuss in die Ecke zum 3:0 ab.

Der HSV ist schwer zu stoppen

Der Hamburger SV darf dank einer Klasse-Vorstellung gegen das Millionen-Ensemble von Manchester City von seinem ersten Europapokal-Halbfinale seit 26 Jahren träumen. Die stürmischen Schützlinge von Trainer Martin Jol feierten am Donnerstagabend einen hochverdienten 3:1 (1:1)-Sieg im Hinspiel des UEFA-Cup-Viertelfinals. Von dem frühen Rückstand durch Stephen Ireland nach nur 35 Sekunden unbeeindruckt, wendeten Joris Mathijsen (9.), der stark aufspielende Nationalspieler Piotr Trochowski (63./Handelfmeter) und der kurz zuvor eingewechselte Istanbul-Held Paolo Guerrero (78.) vor 50 500 begeisterten Zuschauern in Hamburg das Blatt.

Allerdings hätte die Partie aus HSV-Sicht kaum ungünstiger beginnen können. Die letzten Zuschauer hatten nicht einmal ihre Plätze eingenommen, da rappelte es im Kasten von Keeper Frank Rost. Ireland spielte einen langen diagonalen Ball auf 36-Millionen-Euro- Einkauf Robinho, der in diesem Jahr noch torlose Brasilianer düpierte Mathijsen und Collin Benjamin und legte auf den nach vorne geeilten Ireland auf. Mit rechts schob der irische Nationalspieler den Ball ins Netz.

Trochowski überzeugt

Auch ohne Istanbul-Held Paolo Guerrero, der im Vergleich zum 1:0 in Hoffenheim ebenso in der Startformation fehlte wie der nicht spielberechtigte Mikael Tavares, gelang den Nordlichtern schon früh der - fast schon erzwungene - Ausgleich. Zuerst waren noch der ins Team zurückgekehrte Mladen Petric (5.) und Michael Gravgaard (8.) an Manchester-Torwart Shay Given gescheitert. Dann war auch der irische Auswahlkeeper bei Mathijsens Kopfball nach einer Trochoswki-Ecke chancenlos.

Vom Schwung der ersten Halbzeit war nach dem Seitenwechsel erstmal nicht mehr so viel zu sehen - nach einem zehnminütigen Durchatmen drehten die Hamburger aber wieder auf: Zuerst rettete Shaun Wright-Philipps kurz vor der Linie, dann krönte Trochowski seine starke Leistung mit dem eiskalt verwandelten Elfmeter nach klarem Handspiel von Micah Richards.

Und der HSV drängte auf den dritten Treffer, den Guerrero dann unter großem Jubel der Fans erzielte. Zuletzt hatte der HSV 1983 in einem Europapokal-Halbfinale gestanden: Damals gewann der in diesem Jahr noch in DFB-Pokal vertretene und um die deutsche Meisterschaft kämpfende Bundesliga-Dino am Ende sogar den Landesmeister-Pokal.


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