Verdächtiger Fußballprofi Cichon Weit weg vom Wettskandal


Thomas Cichon soll in der vergangenen Saison bei seinem Ex-Club VfL Osnabrück Zweitliga-Spiele manipuliert haben. Mittlerweile spielt Cichon in Südafrika. Er ist froh, dass die bösen Gerüchte aus Deutschland weit weg sind.
Von Christian Otto, Port Elizabeth

Sie singen und tanzen in der Umkleidekabine, und Thomas Cichon fasziniert das. Der Fußballprofi, der in Südafrika seit fast vier Monaten sein Geld verdient, erzählt mit leuchtenden Augen, dass seine Teamkollegen der Moroka Swallows sogar kleine Feuer anzünden, um sich auf das nächste Spiel einzustimmen. "Ich verstehe beim Singen und Beten noch nicht alles. Aber da ist dieser Rhythmus, bei dem mache ich einfach mit", sagt der 33-Jährige. Die bunten Geschichten, die er in und um Johannesburg erlebt, lenken ihn wohltuend ab. Dass Cichon in Deutschland immer noch unter Verdacht steht, in den jüngsten Wettskandal des deutschen Profifußballs verwickelt zu sein, interessiert in Südafrika nur am Rande. Hauptsache, der Mann aus Germany spielt gut und hilft ihnen.

Zum Beispiel Kindern. Sie lächeln dankbar und staunen, wenn Cichon ihnen Tricks zeigt. Regelmäßig nehmen sich die Swallows-Profis Zeit, um mit benachteiligten Kindern aus Townships zu kicken. Cichon freut sich mit dem wuseligen Nachwuchs und versucht zugleich, den bohrenden Fragen aus der Heimat aus dem Weg zu gehen.

"Habe kein Geld gekriegt, ein Spiel absichtlich zu verlieren"


So war es Anfang der Woche, als eine Trainingseinheit mit Kindern aus dem Elendsviertel New Brighton in Port Elizabeth anstand und Reporter aus Deutschland vor Ort waren. "Ich bleibe bei meiner Aussage, dass ich nie in meinem Leben Geld dafür gekriegt habe, ein Spiel absichtlich zu verlieren oder absichtlich schlecht zu spielen", sagte der langjährige Erstligaspieler des 1. FC Köln. Viel möchte er nicht erzählen, damit er keine neue Lawine lostritt. Schließlich versuchen sein Anwalt und er, herbe Vorwürfe zu entkräften.

Die Staatsanwaltschaft Bochum verdächtigt unter anderem Cichon, Spiele seines früheren Klubs VfL Osnabrück in der Zweiten Bundesliga verschoben zu haben. Dass ihn die ermittelnden Behörden bis heute angeblich nicht direkt dazu befragt haben, ärgert ihn – trotz der sommerlichen Idylle am Kap rumort es bei ihm.

Unterstützung vom Trainer


Das Heimweh, glaubt Cichon, kann er gut umdribbeln. Er versichert, dass er den deutschen Fußball nicht wegen des Wettskandals verlassen habe. Es hätten Angebote aus dem Ausland für ihn vorgelegen. "Zum Beispiel aus dem Iran. Wegen des Geldes hätte man es eigentlich blind annehmen müssen. Was da geboten wurde, das war nicht menschlich." Die Begründung, wegen der Sicherheitsdefizite nicht in den Iran gewechselt zu sein, hört sich vernünftig an. Der Hinweis auf das viele Geld klingt bei einem, der Wettschulden eingeräumt, eine Beteiligung an Spielmanipulationen aber verneint hat, zumindest verdächtig. "Es wird der Zeitpunkt kommen, an dem herauskommt, dass ich nichts gemacht habe", glaubt der Abwehrroutinier.

Es ist schwer zu beurteilen, ob Südafrikas schwache Premier Soccer League nur ein sportlicher Umweg oder eine Sackgasse für seine Karriere ist. Rainer Zobel, der deutsche Trainer der Swallows, vertraut seinem Neuzugang jedenfalls und hilft ihm. "Thomas hat mir gesagt, dass da nichts war, und ich glaube ihm", sagt der 61-Jährige. Weltenbummler Zobel strahlt in einer Umgebung, die mit den Ritualen der Spieler in der Kabine und dem Tröten aus den Vuvuzelas für Europäer leicht chaotisch wirkt, eine erstaunliche Ruhe aus. Cichon fühlt sich in diesem Umfeld geborgen und wohl. "Die Menschen hier in Südafrika sind sehr herzlich, man hat mich sehr gut aufgenommen", sagt Cichon. Insgeheim träumt er noch davon, eines Tages wieder in Deutschland spielen zu können. Er glaubt aber nicht daran, dass das ohne großes Aufsehen jemals wieder möglich sein wird.

FTD

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