Fußball-Wettskandal Profi Reichenberger wehrt sich gegen Verdächtigungen


Im Fußball-Wettskandal soll auch ein DFB-Schiedsrichter Schmiergeld kassiert haben. Thomas Reichenberger, einer von drei Spielern des VfL Osnabrück, die angeblich bei dem Betrug mitgemischt haben sollen, beteuerte unterdessen seine Unschuld.

Im größten Wettskandal in der Geschichte des europäischen Fußballs werden immer mehr Details bekannt. So stehen übereinstimmenden Medienberichten zufolge drei Spieler unter Verdacht, die vergangene Saison für den aus der Zweiten Liga abgestiegenen VfL Osnabrück aktiv waren. Auch gegen den SSV Ulm soll es offenbar mehrere Verdachtsmomente geben, ebenso gegen einen DFB-Schiedsrichter.

So berichtet der "Spiegel", dass der Viertligist Ulm offenbar tiefer in den Wettskandal verwickelt ist als bislang bekannt. Nach Informationen des Magazins stehen vier Regionalligaspiele des baden-württembergischen Traditionsvereins aus der Endphase der vergangenen Saison unter Manipulationsverdacht. SSV-Vizepräsident Mario Meuler sagte: "Wir gehen davon aus, dass niemand mit dieser Sache etwas zu tun hat."

Die Spieler des Süd-Regionalligisten, der heute ein Auswärtsspiel in Karlsruhe bestreitet, haben eine Erklärung unterschrieben, dass sie an keinerlei Wettmanipulationen beteiligt sind oder waren. Vorstand und Aufsichtsrat kündigten an, alles in ihrer Macht stehende zu tun, "um so schnell wie möglich, aber auch so gründlich wie nötig, mitzuhelfen diese unglaublichen Vorwürfe aufzuklären".

Auch ein Schiedsrichter des DFB soll laut "Spiegel" bei einem Spiel der Regionalliga Süd im Mai Schmiergeld von den mutmaßlichen Wettbetrügern kassiert haben. Auf die Spekulationen über die Rolle von Schiedsrichtern im neuen Wettskandal reagierte DFB-Präsident Theo Zwanziger am Samstag bei einer Rede zum Deutschen Turntag 2009 in Koblenz. "Wir werden diese Leute bestrafen, sie gehören nicht mehr zu uns. Wo Geld ist, da ist auch Korruption. Wichtig ist der Umgang damit. Die Botschaft ist nicht, dass es passiert, sondern wie man damit umgeht", sagte Zwanziger.

Trainer Wollitz: "Das Allerschlimmste"

Weitere Spiele unter Betrugsverdacht sind bislang ein Freundschaftsspiel des SSV Ulm gegen Fenerbahce Istanbul und nach Informationen der "Süddeutschen Zeitung" ein Spiel der Borussia Mönchengladbach II gegen den SC Verl.

Vor allem Spieler des VfL Osnabrück stehen unter Manipulationsverdacht. So sollen die Partien in Augsburg und Nürnberg zu den vier von der Staatsanwaltschaft benannten Zweitligaspielen gehören, die verschoben wurden. Die Niedersachsen stiegen nach der vergangenen Saison in Liga 3 ab.

Osnabrücks ehemaliger Trainer Claus-Dieter Wollitz zeigte sich bestürzt: "Ich habe versucht, das auszublenden, konnte es aber nicht. Ich habe die ganze Nacht nicht geschlafen", sagte der heutige Trainer von Energie Cottbus vor dem Zweitliga-Spiel seiner Mannschaft am Freitagabend bei Fortuna Düsseldorf. "Es ist das Allerschlimmste, was es gibt, Mannschaft, Trainer, Fans und Sponsoren zu betrügen." Der Abstieg hätte "einen ganz bitteren Beigeschmack", sagte Wollitz, der sich nach der Niederlage in Augsburg "bei den Fans noch für die schlechte Leistung meiner Mannschaft entschuldigt" hatte. Ähnlich sah es VfL-Präsident Dirk Rasch. "Wenn das stimmt, wäre das eine Katastrophe - das könnte dann ein Grund für den Abstieg gewesen sein."

Drei Osnabrücker Spieler unter Verdacht

Bei den unter Verdacht geratenen Spielern soll es sich um die beiden Ex-Bundesliga-Profis Thomas Cichon und Thomas Reichenberger handeln, außerdem um Marcel Schuon. Reichenberger ist als einziger von den dreien noch in Osnabrück aktiv. Für die Regionalliga-Partie gegen Dortmund II wurde er nominiert, vor dem Anpfiff gab er im Stadion eine Ehrenerklärung ab. "Der Thommy möchte Euch etwas sagen", sagt Manager Lothas Gans ins Mikro, dann trat der Kapitän vor: "Es ist viel auf mich eingeprasselt in den letzten Tagen. Aber ich kann Euch versichern: Ich hatte nie Kontakt mit der Wettmafia und habe mit dem Wettskandal nichts zu tun. Ich habe nie ein Spiel manipuliert oder Geld dafür genommen, schlecht zu spielen oder zu verlieren", sagte der 35 Jahre alte Stürmer und erhielt dafür Applaus von den Fans.

Cichon, der mittlerweile in Südafrika spielt, sagte der "Welt": "Ich weiß nicht, dass gegen mich ermittelt wird. Wer mich kennt, der weiß, was los ist, damit habe ich nichts zu tun. Das ist reine Spekulation."

Landesliga-Kicker aus Würzburg verhaftet

Bei Schuon, der mittlerweile beim Drittligisten SV Sandhausen unter Vertrag ist, stand am Donnerstag die Polizei vor der Tür. "Das stimmt", bestätigte Sandhausen-Präsident Jürgen Machmeier laut "Sport Bild". Schuon wurde deswegen nicht für die Partie am Samstag gegen Bremen II nominiert. "Wir wollen nur Spieler einsetzen, die voll bei der Sache sind", sagte Machmeier. Der Verein habe mit Schuon und dessen Lebensgefährtin intensiv gesprochen. "Er hat uns versichert, dass er nichts gemacht hat", sagte Machmeier. Ein Haftbefehl gegen Schuon, wie es einige Medien berichtet hatten, wurde aber nicht erlassen, sagte Sandhausens Manager Tobias Gebert.

Verhaftet wurde ein Spieler des bayerischen Landesligisten Würzburger Kickers, wie der Verein mitteilte. Dieser Spieler sei bereits in einen früheren Wettskandal verwickelt gewesen, erklärte Pressesprecher Peter Neuberger. Bei dem Spieler handelt es sich übereinstimmenden Medienberichten zufolge um Kristian Sprecakovic, der zu Saisonbeginn nach Würzburg gewechselt war und zuvor für mehrere Teams aus der zweiten und dritten Liga gespielt hatte.

Wettskandal von Deutschland aus gesteuert

Die Hauptbeschuldigten aus der "Führungsebene" stammen dem "Spiegel" zufolge aus Berlin, Nürnberg, dem Ruhrgebiet und einer Stadt bei Osnabrück. Sie sollen von Deutschland aus etwa 200 Fußballspiele in Europa für ihr Wettgeschäft manipuliert haben. In Belgien soll die Bande sogar einen Zweitligisten mit korrumpierbaren Spielern unterwandert haben.

In Deutschland gibt es mit 32 Spielen von der Zweiten Bundesliga abwärts die meisten Verdachtsfälle. Insgesamt 17 Haftbefehle wurden vollstreckt, davon zwei in der Schweiz und 15 in Deutschland. Der Schaden wird derzeit auf etwa zehn Millionen Euro beziffert. Das ist nach Einschätzung der Ermittler aber "nur die Spitze des Eisbergs". DFB und Ligaverband kündigten eine rigorose Verfolgung der Manipulationen an und sagten Polizei und Staatsanwaltschaft ihre Hilfe bei der Aufklärung zu.

AP/DPA/SID AP DPA

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