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Verletzter Schweinsteiger: Das Ende der Unantastbarkeit

Bastian Schweinsteiger muss wieder operiert werden. "Das ist eine Katastrophe", sagt Bayern-Präsident Uli Hoeneß. Vor allem für Schweinsteiger selbst.

Von Klaus Bellstedt

Es war ein Foto, das durch die Web-Gemeinde raste. Im vergangenen Juni postete Deutschlands bester Skifahrer, Felix Neureuther, ein Bild von sich und Bastian Schweinsteiger bei Facebook. Die beiden Sportstars grüßten fröhlich winkend aus ihren Krankenhausbetten. In Zürich ließen sich die Kumpel beinahe zeitgleich operieren – und passenderweise aufs selbe Zimmer verfrachten. Nach dem Motto: Geteiltes Leid ist halbes Leid. Schweinsteiger hatte sich wegen freier Gelenkkörper im rechten Knöchel unters Messer legen müssen. Ein Routineeingriff. So hieß es. Und damals, nach einer langen und perfekten Bayern-Saison mit drei Titeln, war das der ideale Zeitpunkt für die OP. Aber das Ergebnis war alles andere als ideal: Der 29-Jährige verpasste weite Teile der Saisonvorbereitung, wirkte bis auf wenige Spiele nie richtig fit und beschwerdefrei – und muss sich fünf Monate nach dem letzten Eingriff nun wieder einer Sprunggelenks-Operation unterziehen. "Das ist eine Katastrophe", sagte Uli Hoeneß nach dem Bayern-Sieg gegen Augsburg am Samstag zum Krankenfall Bastian Schweinsteiger. Wie wahr!

Wer Bayerns Vize-Kapitän in den vergangenen Wochen bei seinen wenigen Interviews genau beobachtet hat, der konnte eine gewisse Bedrücktheit erahnen. Es ehrt Schweinsteiger, dass er die Sache nie so richtig und direkt angesprochen hat. Er hat den Knöchel für manch schwächere Saisonleistung nicht vorgeschoben. Aber nun geht es nicht mehr. "Ich hoffe, dass ich nach der OP wieder komplett schmerzfrei Fußball spielen kann. Ich habe es immer wieder versucht, bin jetzt aber an einem Punkt angelangt, an dem sich ein operativer Eingriff nicht mehr vermeiden lässt", ließ er am Freitag verlauten. Aus der kleinen Mitteilung der Bayern sprach der ganze Frust eines Fußballers, der um die schmerzfreie Fortsetzung seiner Karriere bangt. Dass im nächsten Sommer dieses nicht ganz unwichtige Turnier in Brasilien steigt, macht die Sache für den Mittelfeldspieler noch komplizierter.

Fitter Schweinsteiger unersetzlich

Bis jetzt genoss Schweinsteiger sowohl bei den Bayern, als auch in der Nationalmannschaft eine Art Unantastbarkeits-Status. Aber damit ist es nun vorbei. Zwangsläufig. Mindestens zwei Länderspiele (gegen Italien am Freitag und vier Tage später in London gegen England) wird der Vize-Kapitän verpassen. Andere Akteure aus dem reich- und werthaltigen Repertoire des Bundestrainers werden in den Fokus rücken und versuchen, ihre Chancen zu nutzen. Schweinsteigers Stammplatz wackelt. Im DFB-Team, aber auch im Verein. Erst recht nach den Genesungen von Mario Götze und Thiago. Für einen verhinderten Leistungssportler ist das eine schwierige Situation. Auch im Kopf. Er ist jetzt ein Chef, der nicht führen kann. Schweinsteiger gehe es "soweit gut", berichtete Bayerns Sportdirektor Matthias Sammer am Wochenende von der mentalen Verfassung des Münchners. Aber kann der das wirklich beurteilen?

Noch immer gilt: Ein fitter Bastian Schweinsteiger ist sowohl für die Nationalmannschaft als auch für die Bayern mit seiner Klasse, seiner Erfahrung und seinen Führungsqualitäten unersetzlich. Umso intensiver bemüht sich sein Club, dass dieses Mal auch wirklich alles glatt läuft. Der Eingriff wird akribisch vorbereitet. "Es gibt noch Gespräche. Da gehört ein Spieler, ein Arzt, ein möglicher Operateur und auch jemand von Bayern dazu. Und dann trifft man Entscheidungen, was man jetzt macht: wo, wann, wie", so Sammer. Wie lange der Mittelfeldakteur ausfalle, könne er nicht sagen. "Wir sollten noch ein paar Gespräche führen und ein paar Entscheidungen treffen und danach versuchen, sich seriös zu äußern."

Über die bevorstehende Operation, deren Zeitpunkt noch nicht feststeht und die womöglich nicht noch einmal in Zürich stattfinden wird, hat Sky-Experte Lothar Matthäus ausnahmsweise etwas Geistreiches gesagt: "Jede Verletzung zieht dich erst einmal runter. Dann musst du wieder positive Energie schöpfen. Du musst arbeiten und daran glauben. Dann schaffst du es auch." Schweinsteiger ist das zuzutrauen. Sicher. Aber der Weg dorthin ist hart. Und weit. Hoffentlich nicht zu weit. Der Mann wird noch gebraucht.

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