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Wettskandal: Hoyzer in Haft

Die Berliner Staatsanwaltschaft hat den korrupten Schiedsrichter Robert Hoyzer wegen Fluchtgefahr verhaften lassen. Neue Erkenntnisse begründen den Verdacht, dass Hoyzer bereits vor 2004 Spiele manipuliert hat.

Der Fußball-Betrugsskandal spitzt sich dramatisch zu: Der korrupte DFB-Schiedsrichter Robert Hoyzer wurde in Berlin verhaftet. Wie die Staatsanwaltschaft mitteilte, erließ das Amtsgericht Tiergarten Untersuchungshaft wegen Mittäterschaft beim gewerbs- und bandenmäßigen Betrug in acht Fällen.

Nach Einschätzung des Gerichts besteht bei Hoyzer konkrete Fluchtgefahr. Hintergrund ist ein neuer Verdacht der Ermittler, dass der 25-Jährige zusätzlich zu den schon eingeräumten Wettmanipulationen "bereits vor dem Jahr 2004 mit weiteren bisher unbekannten Mittätern Straftaten gleicher Art begangen hat".

Die neuen Vorwürfe begründen eine konkrete Fluchtgefahr

Hoyzer hatte öffentlich und auch bei der Staatsanwaltschaft eingestanden, für insgesamt 67.000 Euro im Jahr 2004 mehrere Spiele der zweiten Bundesliga, der Regionalliga und ein Pokalspiel verschoben zu haben. Seine mutmaßlichen Hintermänner und Geldgeber, die drei kroatischen Brüder Ante, Filip und Milan S. aus dem Berliner Cafe King, sitzen bereits seit zwei Wochen in Untersuchungshaft.

Der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Michael Grunwald, erklärte, angesichts der neuen Vorwürfe müsse Hoyzer mit einer empfindlichen Freiheitsstrafe rechnen. "Dies begründet nach der Einschätzung der Ermittlungsrichterin und der Staatsanwaltschaft auch eine konkrete Fluchtgefahr." Weitere Einzelheiten wollte er zunächst "mit Rücksicht auf die mit Hochdruck in alle Richtungen laufenden Ermittlungen" nicht mitteilen.

Laut Medienberichten hat Hoyzer erst nachträglich zugegeben, bereits am 23. November 2003 ein Angebot bekommen zu haben, das Spiel Chemnitzer FC gegen Sachsen Leipzig zu manipulieren. Dieses Spiel habe nicht im Zusammenhang mit der Wettmafia gestanden. Er will das Angebot auch ausgeschlagen und keinen Einfluss auf das Spiel ausgeübt haben.

Schiedsrichter Koop gesperrt

Am Samstag teilte der DFB-Schiedsrichter-Ausschuss mit, auch der Bundesliga-Schiedsrichter Torsten Koop dürfe ab sofort keine Spiele mehr pfeifen. Grund sei, dass Koop den DFB nicht darüber informiert hatte, dass Hoyzer ihn Mitte Januar für Manipulationen anwerben wollte. Darüber sei der Ausschuss "äußerst verärgert".

Die Staatsanwaltschaft Berlin ermittelt insgesamt gegen 25 Beschuldigte, darunter 14 Spieler und vier Schiedsrichter. Neben Hoyzer sind dies Jürgen Jansen, Felix Zwayer und Dominik Marks. Außerdem sind mehrere Personen aus dem Umfeld der Brüder S. im Visier der Justiz. Die verdächtigen Spieler gehörten unter anderem den Vereinen Chemnitzer FC, Energie Cottbus, Dynamo Dresden, Kickers Offenbach und SC Paderborn an.

Marks erhielt laut Hoyzer 36.000 Euro

Laut "Spiegel" präzisierte Hoyzer unterdessen die Vorwürfe gegen den 29-jährigen Unparteiischen Dominik Marks. Während einer Vernehmung bei den Ermittlern habe Hoyzer ausgesagt, dass Marks für zwei manipulierte Spiele insgesamt 36.000 Euro von den Kroaten erhalten habe. Hoyzer will Marks persönlich in dessen Küche in Berlin 6.000 Euro vor dem verschobenen Regionalligaspiel Hertha BSC Amateure gegen Arminia Bielefeld Amateure übergeben haben.

Hoyzer, der vom DFB gesperrt wurde, hatte mehrfach bekräftigt, dass neben ihm weitere Unparteiische in den Wettskandal verwickelt seien. Er selbst will erst vor rund einem dreiviertel Jahr in die Manipulation eingestiegen sein. Als Motiv räumte er Geldgier ein.

HSV wird mit Geld entschädigt

Der erste Einspruch beim DFB-Sportgericht gegen ein manipuliertes Fußballspiel war am Freitag mit einem Vergleich beigelegt worden: Der Hamburger SV erhält für das von Hoyzer verschobene Pokalspiel gegen den SC Paderborn einen finanziellen Ausgleich in einer Gesamthöhe von zwei Millionen Euro. Beim DFB liegen nun derzeit noch Einsprüche gegen zwölf Spielwertungen vor. In der Bundesliga handelt es sich dabei um die Partie zwischen dem 1. FC Kaiserslautern und dem SC Freiburg.

Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) hatte zuvor bestätigt, dass Hoyzer zugegeben habe, vier Spiele erfolgreich manipuliert zu haben: Das Pokalspiel Paderborn-HSV, die Zweitliga-Partie Ahlen-Burghausen, sowie die Regionalligaspiele Wuppertal-Bremen (Amateure) und Braunschweig-St. Pauli. Bei drei anderen Spielen soll der Schiedsrichter einen Betrug versucht oder geplant haben: Hoyzers Manipulationsversuche scheiterten laut DFB bei den Partien Paderborn-Chemnitz und Unterhaching-Saarbrücken. Die Zweitliga-Partie Duisburg-Fürth habe ohne Manipulation wie von ihm gewünscht mit einem Sieg Duisburgs geendet.

Torsten Holtz/AP

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