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Berlin-Empfang: "Love Parade" für Klinsmann und Co.

Welch weltmeisterlicher Empfang: Vor mehr als einer halben Million Fans hat sich die DFB-Elf nach vier Wochen Weltmeisterschaft in Berlin von ihren Anhängern verabschiedet. Spieler, Helfer und Fans tanzten und sangen ausgelassen.

Berlin außer Rand und Band - noch nie seit dem ersten Gewinn der Weltmeisterschaft 1954 ist eine deutsche Fußball- Nationalmannschaft so gefeiert worden. 14 Stunden nach dem mit 3:1 gewonnenen Platzierungsspiel gegen Portugal wurde die riesige Fan- Party mit mehr als 500.000 Anhängern vor dem Brandenburger Tor in Berlin auch zu einer "Love Parade" für Jürgen Klinsmann.

"Tausend, tausend, tausend Dank, Ihr seid fantastisch. Das ist unglaublich", rief der sichtlich bewegte Bundestrainer in die Menge, doch die sehnlichst erhoffte Aussage über seine Zukunft ließ er sich auch beim rauschenden WM-Abschied nicht entlocken. "Ich kann das alles noch gar nicht begreifen. Gebt mir bitte noch ein paar Tage Zeit." Zwischen den Zeilen waren aber auch Töne herauszuhören, die gegen eine Verlängerung des Engagements sprechen. So sagte der 41- Jährige nämlich auch: "Das kann man nicht toppen."

"Das sind Momente, die man nie vergisst"

Mit Trikots mit der Aufschrift "Danke Deutschland" und "Teamgeist 82 Mio" in Anspielung auf die landesweite Unterstützung dankten alle Mitglieder der deutschen Delegation. "Vielen, vielen Dank, ihr seid die Geilsten", rief Kapitän Michael Ballack der überwiegend in Schwarz-Rot-Gold gekleideten Fanmenge vor dem Brandenburger Tor zu. Im besonderen Mittelpunkt der Ovationen standen die Jungstars Lukas Podolski, Bastian Schweinsteiger und Philipp Lahm. Aber auch die anderen Mitglieder der DFB-Delegation wie der 71-jährige Masseur Adolf Katzenmeier, der einst schon die Beine von Fritz Walter geknetet hatte, genossen das Bad in der schwarz-rot-goldenen Menge.

"Das sind Momente, die man nie vergisst", sagte Abwehrspieler Christoph Metzelder und Ersatztorhüter Timo Hildebrand ergänzte: "Das ist Wahnsinn, was hier abgegangen ist in den letzten Wochen." Während Popstar Xavier Naidoo mit seinem Songtext "Was wir allein nicht schaffen, schaffen wir gemeinsam" die Bedeutung des Teamgeistes für den Erfolg unterstrich, war Gerald Asamoah, David Odonkor und Podolski nur noch nach Gaudi zumute. Mit einer eigenwilligen Interpretation des Drafi Deutscher-Hits "Marmor, Stein und Eisen bricht" dankten sie den Fans.

"Die ganze Nation ist stolz auf die Mannschaft"

Der Jubel war zum Orkan angeschwollen, als die Torhüter Jens Lehmann, Oliver Kahn und Hildebrand um 12.36 Uhr als erste die Bühne betreten hatten. Doch als eine Viertelstunde später Klinsmann gemeinsam mit Joachim Löw, Oliver Bierhoff, Andreas Köpke das Podium betrat, gerieten die Anhänger förmlich aus dem Häuschen. "Die ganze Nation ist stolz auf die Mannschaft. Die Fans waren die großen Stars dieser Weltmeisterschaft", sagte Sportminister Wolfgang Schäuble.

Nach einer nächtlichen Siegesfeier im Stuttgarter Quartier, bei der es wiederum kein Signal von Klinsmann zu einem Verbleib im Amt gegeben hatte, war die Mannschaft am Vormittag wieder in der Hauptstadt eingetroffen. Per Bus wurden Michael Ballack und Co. vom Flughafen Tempelhof zur Rückseite des Brandenburger Tores gefahren. Nachdem die Sportfreunde Stiller am Ende der 45-minütigen Jubelparty ihren bereits auf die nächste WM in Südafrika umgetexteten Song "'54, '74, '90, 2010" angestimmt hatten, zeigten sich auch die Fans für das Turnier in vier Jahren zuversichtlich. "Das Wunder von Johannesburg", stand auf einem großen Plakat zu lesen.

Bereits am frühen Morgen hatten sich Hunderte von Anhängern vor den Eingängen der größten WM-Partyzone Deutschlands gedrängelt. Viele von ihnen waren in Deutschland-Trikots gekommen und schwenkten schwarz-rot-goldene Fahnen. "Das Gute ist, dass wir uns in vier Wochen schon wiedersehen", rief Philipp Lahm der Anhängerschaft beim Abschied zu. Dann schon am 16. August steht in Gelsenkirchen gegen Schweden das nächste Länderspiel auf dem Programm - die Frage ist nur, ob mit oder ohne Jürgen Klinsmann auf der Bank.

Jens Mende und Jörg Obergethmann/DPA / DPA

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