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Deutschland im Siegesrausch: Blanke Freude

Nachdem Lehmann den zweiten Elfmeter gehalten hatte, entlud sich die Stimmung im ganzen Land blitzartig. Die ganze Nacht wurde auf den Straßen friedlich gefeiert, nur mit den englischen Fans gab es erneut Ärger.

Millionen deutsche Fans haben in der Nacht zum Samstag den Einzug der Nationalmannschaft ins Halbfinale ausgelassen und meist friedlich gefeiert. Zur WM-Party nach dem 5:3-Fußballkrimi gegen Argentinien gab es Autokorsos, Freudentänze, "Lehmann"-Rufe zu Ehren des Torwarthelden - und reichlich Bier. Für die Polizei verlief die Fußballnacht meist ohne Probleme. Mit besonderer Spannung blickten die Sicherheitskräfte am Samstag nach Gelsenkirchen, wo es am Vorabend zu Auseinandersetzungen zwischen deutschen und englischen Fans gekommen war.

Zum Viertelfinale wurden in der Ruhrgebietsstadt etwa 80.000 Engländer und 20.000 Portugal-Fans erwartet. Da nur rund 30.000 Engländer und etwa 7000 Portugiesen Karten für das WM-Stadion haben, wurde die Zahl der Videowand-Plätze erheblich ausgeweitet. In Frankfurt wurde unterdessen mit Zehntausenden Brasilianern und Frankreich-Fans gerechnet.

Am Freitag hatten die Millionen Fußballfans auf den WM-Partymeilen ein Wechselbad der Gefühle erlebt wie noch nie. Der zum Schluss sensationelle K.o.-Sieg für Deutschland im Viertelfinale nach Elfmeterschießen gegen Argentinien (5:3) lässt das Märchen auch für die zunächst geschockten und in ihrer Euphorie gebremsten Fans weitergehen. Held des Tages bei den Anhängern des deutschen Teams war Torwart Jens Lehmann, der zwei Elfmeter hielt.

Minuten nach dem Triumph von Berlin starteten in vielen deutschen Innenstädten Autokorsos mit ohrenbetäubenden Hupkonzerten. Der Kurfürstendamm wurde von der Polizei zur Partyzone erklärt. Am Morgen zog die Polizei positive Bilanz: "Es war eine schöne, eine friedliche Fußballnacht." Jubel-Staus auch auf der Leopoldstraße in München- Schwabing, in Dortmund, Düsseldorf, Köln, Gelsenkirchen, Nürnberg, Magdeburg, Halle oder Leipzig - die Polizei drückte Augen und Ohren zu und ließ die Fahnen schwenkenden, singenden und lachenden Fans bei ihrer Tour über die Boulevards und Plätze meist gewähren.

"Fanfeste sind dicht"

Schon Stunden vor Anpfiff am Freitag hatte der Ansturm auf die Partymeilen begonnen. Stuttgart, Frankfurt, Hamburg, Dortmund meldeten fast zeitgleich: Die Fanfeste sind dicht. Ein schwarz-rot- goldenes Fahnenmeer deckte auch wieder die größte deutsche Fanmeile auf der Straße des 17. Juni in Berlin zu. Laut Senat waren ungefähr so viele Fans versammelt wie beim 2:0 über die Schweden, als es gut 750.000 waren.

Randale in Gelsenkirchen

Die Polizeibilanz aus Würzburg war am Samstag typisch für die deutschen WM-Partys: "Außer Alkohol-Leichen, Ruhestörungen und von Scherben aufgeschnittenen Flip-Flop-Füßen war nichts Dramatisches." Im sächsischen Hoyerswerda, wo 100 alkoholisierte Krawallmacher gezählt wurden, und in Gelsenkirchen hatte die Polizei jedoch alle Hände voll zu tun.

Am Schauplatz der Partie England-Portugal griffen die Beamten bei Auseinandersetzungen zwischen etwa 1000 deutschen und englischen Fans ein. Nach gegenseitigen Provokationen waren die meist alkoholisierten Schlachtenbummler rund um den Hauptbahnhof aneinander geraten. Rund 53 Krawallmacher beider Seiten - überwiegend Deutsche - wurden aus dem Verkehr gezogen. Gegen Mitternacht hatte sich die Lage wieder normalisiert, bis zum Morgen blieb es ruhig.

DPA/AP / AP / DPA

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