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Japans Trainer Zico: "Mein Herz wird gegen Brasilien beben"

Die Weltmeisterschaft ist einfach nicht sein Turnier: Wie ein Fluch reiht sich für Zico über Jahrzehnte hinweg Enttäuschung an Enttäuschung. Und nun droht dem "weißen Pele" ausgerechnet gegen sein Heimatland als Nationaltrainer Japans das WM-Aus.

Dem letzten Gruppenspiel am Donnerstag (21.00 Uhr) in Dortmund fiebert Japans Trainer Zico seit der Auslosung im Dezember entgegen. "Das wird sehr emotional, vor allem, wenn sie die brasilianische Nationalhymne spielen", sagte der 53-Jährige. "Vor dem Anpfiff wird mein Herz beben. Ich habe eine Vergangenheit in der brasilianischen Auswahl. Aber wenn der Ball rollt, ist das vorbei."

Zico ist sogar davon überzeugt, dass ein Teil der brasilianischen Fans ihn anfeuern wird - die Anhängerschaft von Flamengo Rio de Janeiro. Vor der WM 1974 in Deutschland trug Arthur Antunes Coimbra, wie der Mittelfeldspieler eigentlich heißt, bei Flamengo bereits die Nummer 10, doch er wurde nicht nominiert. Vier Jahre später mussten sich er und die mitfavorisierte "Seleção" in Argentinien mit dem dritten Platz begnügen und mit ansehen, wie der große südamerikanische Rivale im Freudentaumel versank. Zico war bei diesem Turnier nur sporadisch zum Einsatz gekommen, weil er sich mit Verletzungen herumplagte. Dabei hätte er der große WM-Star werden sollen.

Die Schande des verschossenen Elfers

1982 in Spanien brillierte die bis heute vielleicht stärkste brasilianische Auswahl - bis zum 2:3 gegen Italien in der Zwischenrunde. Was nutzte es Zico da, dass er einer der großen Stars und mit vier Treffern der drittbeste Torschütze war. "Weggeworfen", so sagt man bis heute in Brasilien, habe Zicos Team damals den Weltpokal. 1986 in Mexiko war der Stern des begnadeten Strategen schon am Sinken. Bei seinem dritten WM-Turnier, gehandicapt durch eine Knieverletzung, kam er nur zu drei Teileinsätzen - und vergab beim Elfmeterschießen im Viertelfinale gegen Frankreich den möglichen Sieg. Nach 71 Länderspielen und 48 Toren verabschiedete er sich aus der Auswahl. Für Flamengo hatte er 731 Partien (520 Tore) bestritten.

1998 in Frankreich stand Zico bei Brasilien als Technischer Direktor am Spielfeldrand. Doch nicht einmal als Funktionär war ihm ein WM-Triumph vergönnt, er erlebte das 0:3-Debakel im Endspiel gegen den Gastgeber mit. "Zico ist ein Idol für alle in Brasilien. Es ist schade, dass er keinen Erfolg bei einer WM erringen konnte, aber das schmälert seine Verdienste als Spieler und Mensch nicht", lobte Brasiliens aktueller Mittelfeldmotor Kakà.

"Das Lächeln in meinem Gesicht war kein Lächeln"

Zico wird die WM-Auslosung in Leipzig nie vergessen. "Als plötzlich klar war, dass wir mit Brasilien in einer Gruppe sind, sahen viele eine Art Lächeln in meinem Gesicht. Das war aber kein Lächeln. Es war der Moment, in dem mir bewusst wurde, wie stark ich sein muss, weil ich bei einer WM gegen mein Heimatland spiele", erinnert er sich. Beim Confederations Cup im vergangenen Jahr gab es die Konstellation schon einmal. Zicos Japaner holten ein 2:2 gegen den späteren Turniersieger. Damals sagte er: "Gegen Brasilien zu spielen, ist ganz sicher etwas Besonderes und einfach wunderbar."

Nach der WM wird Zico, den sie in seiner Wahl-Heimat "Kamisama" (Fußballgott) nennen, seine Tätigkeit in Japan beenden. Er will sich "ein Plätzchen in Europa erkämpfen". Ob er mal der Nachfolger des brasilianischen Chefcoachs Carlos Alberto Parreira werden will? "Es hört sich verrückt an. Aber ich würde diesen Posten wirklich niemals übernehmen." Weil in seiner Heimat "Trainer keine Ruhe haben. Ich habe keine Lust, nach einer Niederlage arbeitslos zu sein."

Ulrike John und Dietmar Fuchs/DPA / DPA

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