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WM-Experten: "Sprücheklopper" und Analysten

Sie machen den Fußballabend erst zu einem TV-Event, was sie zu sagen haben, interessiert die Nation. Die WM-Experten von ARD, ZDF und RTL sind wie der Ball im Spiel - sie gehören einfach dazu.

Ein Abend ohne Günter Netzer, Jürgen Klopp oder Rudi Völler - der Albtraum der Fußballfans wird an diesem Mittwoch Wirklichkeit. Erstmals seit 18 Tagen, an denen mindestens zwei WM-Partien live gezeigt wurden, rollt der Ball nicht über den Bildschirm. Keine Experten, die seit WM-Start mit Analysen, Informationen und Sprüchen ein Millionenpublikum unterhalten, sind zu sehen.

ARD und ZDF nutzen zwar bei der Weltmeisterschaft eine gemeinsame Technik, buhlen aber mit unterschiedlichen Konzepten um die Gunst der Zuschauer. Ex-Nationalspieler Günter Netzer ist im Ersten der einzige Experte und damit der unbestrittene Star der Sendung. Seine Spielanalysen fallen messerscharf und fachlich kompetent aus. Mit seinem Partner Gerhard Delling sitzt Netzer in einem mit zahlreichen technischen Finessen ausgestatteten ARD-Studio in Köln. In diesem "Raumschiff" ist kein Platz für jubelnde Zuschauer.

Immer "Sie", niemals "Du"

Eine "rechnergesteuerte Krankamera" setzt das Duo Delling/Netzer ins Bild. Beide begleiten seit vielen Jahren das DFB-Team. Obwohl Netzer der Trauzeuge von Delling war, siezen sie sich nach wie vor. Sollte Deutschland Weltmeister werden, wollen sie für einen Tag zum Du übergehen. Ihre Kabbeleien und Sticheleien sind Kult und fester Programm-Bestandteil. Vor allem für "Neukunden" ist das amüsant. Bei der WM verfolgen mehr als 20 Millionen TV-Zuschauer in den eigenen vier Wänden die Spiele der Klinsmann-Elf. Bei "normalen" Länderspielen sind es rund zehn Millionen Fans.

In der ZDF-Arena am Potsdamer Platz in Berlin herrscht eine völlig andere Stimmung: Das Dreiergespann aus Johannes B. Kerner, Urs Meier und Jürgen Klopp analysiert und fachsimpelt in einem Fernsehstudio mit laut grölendem Publikum - schließlich soll dem Zuschauer vor dem Fernseher ja die enthusiastische Stimmung in Fußball-Deutschland vermittelt werden. Im Studio läuft Jürgen Klopp seit Wochen zumeist im Nostalgie-Trikot der 54er-Elf auf. Der Experte an der Seite von Johannes B. Kerner ist im "Hauptberuf" Trainer des Bundesligisten Mainz 05 und auch dort ein Sympathieträger. Seine lockere Art, die coolen Sprüche und sein charmantes Auftreten mit Zahnpasta-Lächeln kommen vor allem bei weiblichen Zuschauern gut an.

"Klopp mit Köpfchen"

Eigentlich will der verheiratete Fußballexperte kein Medienstar sein. Doch dafür ist es jetzt zu spät. Sätze wie "Dieses Spiel ist wie ein paar Socken als Weihnachtsgeschenk" machen Klopp zu einem gern gehörten "Sprücheklopper". Nach dem Super-Tor des Argentiniers Maxi Rodriguez gegen Mexiko verblüffte der Ex-Profi auch Kerner und den zweiten ZDF-Experten, Schiedsrichter Urs Meier. "Genau so ein Tor habe ich auch schon gemacht. 1993 gegen den SV Meppen", behauptete Klopp.

Wer glaubt, dies sei komplett gelogen, irrt. Am 14. November 1993 traf der Mainzer Profi in Meppen "auf schwer bespielbarem Boden" in der 66. Minute zum 1:1-Endstand. Allerdings nicht mit dem Fuß, wie vergangenen Samstag Rodriguez. "Klopp mit Köpfchen", titelte damals die Fachzeitschrift "Kicker".

RTL setzt sonntags auf geballtes Fußballwissen: An der Seite von Moderator Günther Jauch gibt Ex-Teamchef Rudi Völler den WM-Experten. Auch Reiner Calmund unterstützt das Team von Zeit zu Zeit. In den Stadien steht Pierre Littbarski am Mikrofon, prominenteste RTL-Reporterin ist Eva Padberg, die sich mit Promis über das WM-Geschehen austauscht.

haf/DPA / DPA

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