Zidane vs. Figo Das Duell der "alten Männer"


Beide werden wohl nach der WM aufhören, beide wollen ihre grossartige Karriere mit dem WM-Titel krönen, beide treffen heute aufeinander: Zinedine Zidane und Luis Figo.

Wenn ein Kicker viel erreicht hat, jenseits der 30 ist und mit dem Karriereende liebäugelt, wird aus ihm ein "großer alter Mann des Fußballs". Das Halbfinale zwischen Portugal und Frankreich in München ist auch das Duell zweier solcher großer alter Männer: Zinédine Zidane und Luis Figo. Beide wollen ihre Karriere mit dem Weltmeistertitel krönen, und bei beiden scheint der große Traum auf den letzten Metern ihrer Laufbahn wie eine Verjüngungskur zu wirken.

Beim sensationellen 1:0-Erfolg über den Topfavoriten und fünfmaligen Weltmeister Brasilien stellte Zidane Superstars wie Ronaldo, Ronaldinho und Kaka in den Schatten. Der 34-Jährige wurde selbst in den Augen Peles zum "Zauberer": Ob er einen hohen Ball mit dem Fuß herunterpflückte, als fange er mal eben einen Tennisball mit der Hand, oder mit klugen Pässen die brasilianische Verteidigung in Schwierigkeiten stürzte - der geniale Techniker schien in seinem 106. Länderspiel die Uhr zurückgedreht zu haben. Als er den Ball über Roberto Carlos hinweglupfte, erhielt der Altmeister Szenenapplaus von den Rängen, auch von den brasilianischen Fans. Nur wenige hatten "Zizou", der seine Karriere nach dem Turnier beenden will, noch einmal eine solche Leistungsexplosion zugetraut.

Letzte Saison schwächelte Zizou

In der vergangenen Saison schwächelte er - wie viele seiner Mitspieler - bei Real Madrid, allerdings hatten ihn auch immer wieder Verletzungen zurückgeworfen. Nach den ersten beiden enttäuschenden WM-Vorrundenspielen - dem.0:0 gegen die Schweiz und dem 1:1 gegen Südkorea - drohte Zidanes Karriere sogar mit einem neuerlichen vorzeitigen Aus der einst so ruhmreichen "Equipe Tricolore" zu enden. Als öffentliche Demütigung empfand Zidane seine Auswechslung kurz vor Ende des Südkorea-Spiels.

Beim entscheidenden dritten Gruppenspiel - dem 2:0 über Togo - musste er wegen seiner zweiten gelben Karte pausieren, um dann beim 3:1-Achtelfinaltriumph über Spanien in der Nachspielzeit für die endgültige Entscheidung zu sorgen. Und spätestens nach dem Gala-Auftritt gegen Brasilien lag ganz Frankreich dem 34-Jährigen zu Füßen: "Zidane ist Zidane", stellte der französische Trainer Raymond Domenech trocken fest: "Wir wissen, zu was er in der Lage ist. Er weiß, dass er aufhören wird, und er will noch einmal alles geben."

Letzter großer Auftritt von Figo

Das ist ohne Zweifel auch bei Zidanes früherem Madrider Teamkollegen Luis Figo der Fall. Im Gegensatz zu "Zizou" hat der portugiesische Superstar noch keinen Termin für sein Karriereende benannt, allerdings bereits seinen Abschied aus dem Nationalteam angekündigt. Sein Vertrag bei Inter Mailand läuft noch ein Jahr, aber niemand zweifelt daran, dass die WM der letzte ganz große Auftritt des 33-Jährigen ist, der vor allem mit FC Barcelona und Real Madrid nahezu alles gewonnen hat, was Vereinsmannschaften gewinnen können.

Mit Portugal dagegen hat Figo in 125 Länderspielen zwar viel Lob, aber noch immer keinen Titel eingeheimst. Das will er mit aller Macht ändern - nicht nur spielerisch wie beim 1:0-Auftaktsieg gegen Angola, bei dem er das Pauleta-Tor glänzend vorbereitete und eine Halbzeit lang wie in besten Zeiten dribbelte und wirbelte -, sondern auch mit ganzem Körpereinsatz, wie er beim Skandalspiel im Achtelfinale gegen die Niederlande bewies: Zum großen Glück für den fünfmaligen Fußballer des Jahres in Portugal wurde sein Kopfstoß gegen Mark van Bommel nur mit Gelb geahndet.

Offenbarung dieser WM

Solche Szenen sind aber auch nicht typisch für den aus dem Arbeiterviertel Almada in Lissabon stammenden Grandseigneur des portugiesischen Fußballs, der seine große Karriere vor allem auf technischer Brillanz aufgebaut hat. Der portugiesische Nationalverteidiger Miguel nennt Figo die Offenbarung dieser Weltmeisterschaft: "Es ist wunderbar, dass er mit 33 noch immer so viel rennen und so fantastisch spielen kann. Er hat mich verblüfft." Die ganze Fußball-Welt ist auf dieses Duell der beiden Altstars gespannt. Und selbst FIFA-Präsident Sepp Blatter fällt in den Chor der Bewunderer ein: "Ich rede nicht von Veteranen, sondern von Spielern, die noch immer besser werden - wie das auch bei gutem französischen Wein der Fall ist."

Robert Millward und Barry Hatton, AP AP

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