Fußball-WM 2010 Das Milliardenprojekt am Kap


Am Freitag ist es soweit: Die Fußball-WM findet zum ersten Mal in Afrika statt. Für die Organisatoren ist es ein milliardenschweres Ereignis mit vielen Hürden. Sportlich gesehen ist noch alles offen, der finanzielle Gewinner der Fußball-Weltmeisterschaft steht allerdings jetzt schon fest.

Noch bevor Afrikas erste Fußball-WM am Freitag angepfiffen wird, werfen Analysten bereits bang die Frage auf: "Ist es das wert gewesen?" Rund 40 Milliarden Rand - umgerechnet vier Milliarden Euro - hat sich der südafrikanische Steuerzahler nach Regierungsangaben die Ausrichtung des Spektakels kosten lassen.

Die Skeptiker vom Kap halten das noch für weit untertrieben. "Die Kosten für die Ausrichtung der WM wurden radikal unterschätzt", titelte am Wochenende die "Sunday Times". Das Blatt hat nach eigenen Angaben in wochenlangen Recherchen herausgefunden, dass allein die Stadienkosten mit 16,5 Milliarden Rand um 800 Millionen Rand über den offiziellen Angaben liegen. Die ursprünglichen Kostenerwartungen seien allein bei diesem Posten um knapp 100 Prozent überschritten worden. Diese Bilanz ist jedoch problematisch - nicht nur, weil die Landeswährung starken Schwankungen unterworfen war und auch viele Ausgaben in die Verbesserung der Infrastruktur gingen.

Südafrikas Wirtschaft soll profitieren

WM-Impulse werden vor allem im Tourismus erwartet - dieses Jahr soll erstmals die 10 Millionen-Marke gesprengt werden, nachdem sie im Vorjahr knapp verpaßt worden war. Zwar ist die Zahl der erwarteten WM-Fans nach unten revidiert worden, doch dürften sie länger stehen und mehr ausgeben als übliche Touristen. Auch der Einzelhandel erwartet Impulse; er hat seit Monaten für das Ereignis aufgerüstet: von Sonnencreme für die zarte Haut der weißen Fans bis hin zu Kopfschmerztabletten gegen den Kater am Morgen danach.

Ökonomen und Regierungsmitglieder erwarten durch den WM-Effekt im Schwellenland Südafrika eine Sonderkonjuktur von 0,2 bis 0,4 Prozent des Bruttoinlandprodukts (BIP) - das wären gerade mal 5 bis 10 Milliarden Rand (5 bis 10 Mio Euro). Immerhin gibt es bereits seit Jahresbeginn eine überraschende Sonderkonjunktur. Das Land war 2009 erstmals seit 17 Jahren durch die weltweite Krise in eine Rezession gerutscht. Doch trotz vieler gesellschaftlicher Widersprüche und anhaltender Vernachlässigung vieler ländlicher Regionen steht Südafrika wirtschaftlich relativ gut da.

Die FIFA macht den Reibach

Der Kap-Staat, der sich als Afrikas leistungsstärkste Volkswirtschaft sieht, hat die Rezession mit einem Budget-Defizit 6,7 Prozent des BIP sogar noch erstaunlich gut überstanden. Und Finanzminister Pravin Gordhan kündigte im Parlament sogar bei der Einnahme der Steuern unerwartete Mehreinnahmen in Höhe von 8 Milliarden Rand an. Dennoch dürfte die WM-Dividende für Südafrika eher im gesellschaftlichen Bereich sowie im Image-Gewinn liegen.

"Die FIFA hat 8,8 Milliarden Rand ausgegeben, aber 26 Milliarden Rand durch TV-Rechte und Sponsoren eingenommen. Südafrika hat 40 Milliarden Rand ausgegeben und dürfte nur 13 Milliarden Rand durch zusätzliche ökonomische Aktivitäten einnehmen", fand die Beratungsfirma Grant Thornton. Das Wirtschaftsmagazin "Financial Mail" nannte Südafrikas WM sogar die bisher teuerste.

Was also steht an WM-Rendite unterm Strich, wenn der neue Weltmeister gekürt ist und Afrikas erste WM längst Geschichte sein wird? "Eine sehr offensichtliche Dividende dieser WM ist die Infrastruktur", meinte Präsident Jacob Zuma am Sonntag. Flughäfen und Kommunikationsnetze, Straßen und Häfen wurden modernisiert oder neu gebaut. Die Metropolen Johannesburg und pretoria sowie der dazwischen liegenden OR tambo-Flughafen werden endlich mit einer Schnellbahn verbunden. Zudem schweißt der entfesselte Nationalstolz Schwarz und Weiß zusammen. "Und das ist preislos", betonte Zuma.

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DPA/dab DPA

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