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Fußball-WM 2010: Das Trainerkarussell von Südafrika

Die Vorrunde ist noch nicht vorbei - und gleich vier Nationalteams müssen sich nach dem vorzeitigen WM-Aus einen neuen Coach suchen.

Rasiert, blamiert oder einfach abserviert: Für viele Nationaltrainer wird der Abschied von der Fußball-WM der Beginn einer Reise ins Ungewisse. Für "Veteranen" wie Otto Rehhagel (71/Griechenland) und den WM-Experten Carlos Alberto Parreira (67), Trainer der Südafrikaner, ist wohl der letzte Vorhang gefallen. Der italienische Weltmeistertrainer Marcello Lippi wird die "Nazionale" nach der WM nicht mehr betreuen, Raymond Domenech wird in Frankreich mit Schimpf und Schande verabschiedet.

Ein anderer hat sich dermaßen diskreditiert, dass er als Nationaltrainer kaum noch tragbar ist. Vladimir Weiss aus der Slowakei beschimpfte Journalisten als "verdammte Schwuchteln", drohte einem Reporter Prügel an und versuchte anschließend, mit einer zaghaften Entschuldigung davonzukommen.

In Nigeria wird offen gegen Lars Lagerbäck rebelliert. "Es war ein Fehler, ihn zum Nationaltrainer zu machen. Ich habe ihm gesagt, dass er mir und den anderen Spielern mehr Respekt hätte erweisen müssen", sagte Stürmer Peter Odemwingie: "Wenn man auf die Resultate schaut, darf er auf keinen Fall Nationaltrainer bleiben.

Rehhagel machte nach dem 0:2 von Griechenland gegen den zweimaligen Weltmeister Argentinien aus seiner Zukunft ein großes Geheimnis. Die griechischen Medien stimmten am Tag nach dem WM-Aus aber bereits den feierlichen Abgesang an. "Danke, Otto!", titelte die Zeitung Sportday - auf Deutsch. Das Blatt Exedra schrieb schon vom "Ende einer Ära".

"Betonmischer" Rehhagel mauerte dagegen in Bezug auf seine Zukunft - noch. "Das ist Privatsache. Das gebe ich zum jetzigen Zeitpunkt nicht bekannt", sagte der gebürtige Essener und blockte jegliche Fragen in diese Richtung ab.

Parreira dagegen machte Nägel mit Köpfen. Er legte sein Amt nieder, der Vertrag läuft zum 15. Juli aus. "Wenn, dann werde ich nur noch Trainer in Brasilien", sagte er auf die Frage, ob er nicht weitermachen wolle: "Ich denke, das ist eine weise Entscheidung. Wir haben sehr hart gearbeitet, wir haben in der ganzen Zeit nur ein Spiel verloren. Ich bin sehr stolz. Vor Südafrika liegt ein langer Weg. Macht weiter so, arbeitet so weiter."

Mit fünf verschiedenen Teams war der Weltmeister von 1994 (mit Brasilien) insgesamt sechsmal bei einer WM dabei. Als Favorit auf die Nachfolge gilt der bisherige Assistent Pitso Mosimane.

In Italien, Frankreich, Australien und Kamerun hat sich das Trainerkarussell schon gedreht. Cesare Prandelli sowie Laurent Blanc werden künftig den Weltmeister 2006 sowie Vize-Weltmeister 2006, Australiens Trainer Pim Verbeek hört nach dem Vorrunden-Aus auf und wird Technischer Direktor des Fußball-Verbandes von Marokko. Sein Nachfolger: Wahrscheinlich Paul Le Guen, der Kamerun verlassen wird.

Auch in Algerien ist die Lage klar: Rabah Saadane steht vor dem Aus. "Ob ich weitermache? Ich glaube, viele Menschen würden es gerne sehen, dass ich es tue. Aber warten wir ab, was der Präsident unseres Verbandes sagt", sagte er nach dem WM-Aus der "Wüstenfüchse". Ob das nationale nordkoreanische Sportkomitee Kim Jong-Hun das 0:7 gegen Portugal durchgehen lässt, ist fast undenkbar.

Übrigens: Was mit Joachim Löw nach der WM passiert, ist noch offen. Bei einem Vorrunden-Aus wäre der Bundestrainer wohl zurückgetreten, nun hängt alles davon ab, wie weit Deutschland noch kommt. Achtelfinalgegner England übrigens handelt gegen den Trend - der Vertrag mit Fabio Capello wurde jüngst bis 2012 verlängert.

SID / SID

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