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WM-Aus für Südafrika und Frankreich: Adieu Les Bleus, bye-bye Bafana Bafana

Südafrika hat das Wunder verpasst: Während Frankreich sang- und klanglos aus der WM flog, verabschiedete sich der Gastgeber immerhin mit einem Sieg - und Trainer Parreira von der Bafana Bafana.

Südafrika und Frankreich haben sich von der Weltmeisterschaft verabschiedet. Ein 2:1-Sieg gegen den erneut enttäuschenden Vize-Weltmeister reichte den Bafana Bafana nicht für ein Weiterkommen. Südafrika ist damit der erste WM-Gastgeber, der die Vorrunde nicht übersteht. Die um drei Treffer schlechtere Tordifferenz gegenüber Mexiko, das zeitgleich 0:1 gegen Uruguay verlor, gab am Ende den Ausschlag.

Kurz nach dem Abpfiff folgte der nächste Schlag: Nationaltrainer Carlos Alberto Parreira legte sein Amt nieder. "Nein. Wenn, dann werde ich nur noch Trainer in Brasilien", sagte Parreira auf die Frage, ob er weitermachen wolle: "Ich denke, das ist eine weise Entscheidung. Wir haben sehr hart gearbeitet, wir haben in der ganzen Zeit nur ein Spiel verloren. Ich bin sehr stolz."

Der Brasilianer, der sein Heimatland 1994 zum WM-Titel geführt hatte, hatte erst im Oktober 2009 in Südafrika angeheuert, sein Vertrag läuft am 15. Juli aus. "Vor Südafrika liegt ein langer Weg, es kommen der Afrika-Cup und die WM 2014 in Brasilien. Macht weiter so, arbeitet so weiter", gab Parreira der Bafana Bafana mit auf dem Weg.

Im Free State Stadion in Bloemfontein hatten zuvor Bongani Khumalo (20.) und Katlego Mphela (37.) mit ihren Treffern Frankreichs Chaos-Truppe zum Abschluss eine Niederlage beschert. Südafrika verabschiedete sich so mit erhobenen Haupt von seinen Fans. Florent Malouda (70.) gelang auf Vorarbeit von Bayern-Star Franck Ribéry nur noch der Anschluss. Nach einer Roten Karte für Yohann Gourcuff (26.) war für die "Equipe Tricolore" beim Abschiedsspiel des umstrittenen Trainers Raymond Domenech die Blamage perfekt. Auch bei der WM 2002 war Frankreich nach der Vorrunde sieglos ausgeschieden - damals als amtierender Weltmeister.

Viele individuelle Fehler bei den Franzosen


Das heillose Durcheinander der vergangenen Tage fand bei den Franzosen auf dem Rasen seine Fortsetzung. Zwar bemühte sich das vor Turnierbeginn als Mitfavorit gehandelte Team im "Spiel für die Ehre" ("L'Equipe") den peinlichen Eindruck zu revidieren, brachte sich jedoch durch individuelle Fehler um alle Chancen. Negativer Höhepunkt war der umstrittene Platzverweis für Gourcuff, den Referee Oscar Ruiz aus Kolumbien wegen eines Ellbogeneinsatzes gegen Macbeth Sibaya in die Kabine schickte.

Schon beim Verlesen der Mannschaftsaufstellungen musste sich Domenech gellende Pfiffe der französischen Fans anhören. Als Reaktion auf den Trainingsboykott hatte er in seinem Team kräftig aufgeräumt und unter anderen Kapitän Patrice Evra auf die Bank gesetzt. Dass er den unerfahrenen und bei dieser WM noch nicht eingesetzten Alou Diarra zum neuen Spielführer machte, ist nur Beleg dafür, wie zerrüttet das Verhältnis zwischen dem Coach und seinen Spielern nach dem Rauswurf von Nicolas Anelka ist.

Bafana Bafana kämpfte


Ganz anders die "Bafana Bafana": Das Team der Gastgeber begeisterte seine erwartungsvollen Fans und kämpfte mit Herz und Leidenschaft um das erhoffte Wunder. Nach 20 Minuten wurde der Einsatz mit der zu diesem Zeitpunkt überraschenden Führung belohnt, als Abwehrspieler Khumalo einen Eckball von Siphiwe Tshabalala zum 1:0 verwertete. Frankreichs Keeper Hugo Lloris irrte bei der Hereingabe ohne Orientierung durch seinen Fünf-Meter-Raum.

Wenig später zielte Katlego Mphela von der Strafraumgrenze knapp daneben und setzte damit das nächste Achtungszeichen (25.). Carlos Alberto Parreira hatte ganz auf Angriff gesetzt und brachte mit Bernard Parker von Twente Enschede einen zweiten Stürmer. Die Maßnahme zahlte sich aus, denn acht Minuten vor der Pause verwandelte Mphela die Arena endgültig in ein Tollhaus. Im Zweikampf mit dem zögernden Gael Clichy stocherte der Angreifer von den Sundowns Pretoria den Ball zum 2:0 über die Linie. Wie erstarrt verfolgte Domenech das Geschehen vor seiner Bank stehend.

Der Coach hatte auch im zweiten Durchgang wenig Grund zur Freude, weil vor allem der quirlige Mphela seine Abwehr immer wieder durcheinanderwirbelte. In der 50. Minute traf der Angreifer das Lattenkreuz, dann verhinderte Torhüter Lloris gegen Mphela das drohende 3:0. Auch der zweite Turniereinsatz von Thierry Henry ab der 46. Minute half den "Bleus" zunächst nicht auf die Sprünge. Erst als bei den Hausherren die Kräfte erlahmten, wurde der Favorit stärker und kam durch Malouda zu seinem ersten Turniertor.

Urus erstmals seit 20 Jahren im Achtelfinale


Im zweiten Spiel der Gruppe A gewann Uruguay gegen Mexiko und zieht damit als Gruppenerster zum ersten Mal seit 20 Jahren in ein WM-Achtelfinale ein. Mexiko rettete sich trotz der Pleite in Rustenburg in die K.o.-Runde, muss als Zweiter der Gruppe A dort aber ein Treffen mit Lionel Messis Argentiniern fürchten. Torjäger Luis Suarez bescherte den "Urus" mit seinem sehenswerten Kopfball-Treffer in der 43. Minute den zweiten Sieg am Kap, zum dritten Mal blieben die "Himmelblauen" ohne Gegentor.

Vor der Partie hatten beide Seiten eine lateinamerikanische Version der "Schande von Gijón", als es 1982 bei Deutschland gegen Österreich einen "Nichtangriffspakt" gegeben hatte, ausdrücklich ausgeschlossen. Und sie hielten Wort: Die Mexikaner wollten ebenso unbedingt den Gruppensieg wie die der Gegner, dem dazu schon ein Punkt gereicht hätte. Das Spiel der beiden Teams erweckte zu keinem Zeitpunkt den Eindruck, als würden sie mit angezogener Handbremse spielen.

P.S.: Diskutieren Sie das Thema auf Fankurve 2010 der Facebook-Fußballfanseite von stern.de.

joe/tis/DPA/SID / DPA

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