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Fußball-WM 2022 in Katar: Premium-Kicken im Land der Scheichs

Die Fußballwelt reibt sich noch immer ungläubig die Augen. Die Fußballweltmeisterschaft 2022 wird in Katar stattfinden.

Steril, verschlafen und voller Baukräne ist das Golfemirat Katar - ein Land nur halb so groß wie Hessen. Wer als Besucher in die Hauptstadt Doha kommt, findet oft nur mit Mühe ein Taxi. Straßenbahnen gibt es nicht. Unterhaltung sucht man beim Spaziergang an der Uferstraße oder im Islamischen Museum. Um in dieser künstlichen Petrodollar-Oase 2022 eine Fußball- Weltmeisterschaft auf die Beine zu stellen, sind gigantische Investitionen notwendig - Investitionen, die auch europäischen und vor allem deutschen Firmen zugute kommen werden.

Und die Katarer sind dafür bekannt, dass sie, wenn sie sich ausländische Expertise ins Land holen, mehr auf Qualität als auf das Geld schauen. Einfach ist es trotzdem nicht, in diesem reichen Golfstaat, in dem die Entscheidungswege oft intransparent und die Planungssicherheit manchmal suboptimal sind, Geschäfte zu machen.

Auf jeden Fall zwingt der Zuschlag für das Fußball-Großereignis das Herrscherhaus der Familie Al-Thani, nun in weniger als zwölf Jahren eine Weltklasse-Infrastruktur auf die Beine zu stellen. Die meisten Stadien, die wegen der fürchterlichen Sommerhitze mit solarbetriebenen Klimaanlagen ausgestattet werden sollen, müssen erst noch gebaut werden. Unterkünfte müssen her, eine U-Bahn, Brücken, Straßen.

Am Geld soll es nicht scheitern. Kaufkraftbereinigt hatte Katar im vergangenen Jahr nach Angaben des Internationalen Währungsfonds (IWF) das höchste Bruttoinlandsprodukt (BIP) pro Kopf weltweit. Jedes Jahr trumpft das Land mit traumhaften Wachstumsraten auf, nach real 9,5 Prozent 2009 wird für 2010 ein reales Wachstum zwischen 18 und 20,5 Prozent erwartet.

Selbst die globale Finanzkrise war für den Wirtschaftsriesen Katar, der während der vergangenen Jahren kräftig in Anlagen für den Export von Erdgas investiert hat, kaum mehr als ein Schluckauf. Am neuen Internationalen Flughafen Doha wird mit Volldampf gebaut. Gemeinsam mit der Deutschen Bahn haben die Katarer Pläne für den Bau eines großen Schienennetzes entwickelt. Das gesamte Investitions- Volumen für das 2009 besiegelte Bahnprojekt liegt bei 17 Milliarden Euro. Allein die vier Metro-Strecken für Doha sollen eine Gesamtlänge von rund 300 Kilometern haben.

Der Energiesektor trägt mehr als 60 Prozent zum BIP bei. Weitere wichtige Wirtschaftszweige sind Finanzdienstleistungen und Versicherungen. Der Tourismus- und Immobiliensektor spielt keine so große Rolle wie beispielsweise in Dubai.

Eine gute Nachricht ist die WM-Vergabe an Katar nicht nur für die Deutsche Bahn, die nun mit einem pünktlichen Abschluss ihres Großprojektes rechnen kann, sondern auch für den Baukonzern Hochtief. Denn die Essener haben gute Chancen, beim geplanten Bau einer 40 Kilometer langen "Freundschaftsbrücke" zwischen Katar und Bahrain zum Zuge zu kommen. Der Baubeginn für das Projekt wird seit Jahren immer wieder verschoben.

Anne-Beatrice Clasmann, DPA / DPA

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