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WM-Land Südafrika: Unruhe auf rechts außen

Das hat Südafrika gerade noch gefehlt: Aufrufe von militanten Rassisten, die Fußball-WM zu stören. Nach der Ermordung von Rechtsextremist Eugène Terre'Blanche ist die Sicherheitsdebatte am Kap wieder voll entbrannt.

Von Maik Rosner

In Südafrika kursiert seit einiger Zeit ein Ein-Satz-Witz. "In dieser Woche hat Julius Malema für keinen Skandal gesorgt." Damit ist eigentlich schon alles gesagt über den Jugendführer der Regierungspartei ANC, deren Vorsitzender Präsident Jacob Zuma ist.

Man kann sich das in etwa so vorstellen, als würde der Junge-Union-Vorsitzende Philipp Mißfelder die Schlagzeilen in Deutschland mit radikalen Äußerungen bestimmen und Bundeskanzlerin Angela Merkel permanent in Verlegenheit bringen. In der vergangenen Woche war dieser Malema besonders rege, und da schon in acht Wochen die Fußball-WM beginnen wird, hoffen die Gastgeber, dass der 29-Jährige langsam müde wird.

Denn seit der Ermordung des Farmers und Rechtsextremisten Eugène Terre'Blanche am Ostersamstag ist die Stimmung im Land aufgeheizt. Malema hat dazu kräftig beigetragen, mit populistischen Äußerungen versuchte er, Kapital zu schlagen aus dem - auch 16 Jahre nach Ende der Apartheid - tief verwurzelten Misstrauen in Teilen der Bevölkerung.

Sensationslüstern hatte das englische Boulevardblatt "Daily Star" bereits das Bild eines Bürgerkriegs in Südafrika gezeichnet: "WM-Fans erwartet ein Blutbad. Rassenkrieg in Südafrika erklärt", titelte die Zeitung und schürte damit, fernab der Realität, die ohnehin vorhandenen Sicherheitsbedenken. Die gibt es - angesichts von täglich 50 Morden täglich in einem der am stärksten von Gewaltverbrechen betroffenen Länder - ohnehin schon.

"Es gibt keinen politischen Aufruhr"

In der gut 100 Kilometer westlich von Johannesburg gelegenen Kleinstadt Ventersdorp, in deren Nähe sich der Mord ereignet hatte, steht am Mittwoch der zweite Gerichtstermin mit den beiden 15 und 28 Jahre alten schwarzen Landarbeitern an, die sich der Polizei gestellt hatten. Beim ersten Gerichtstermin in der vergangenen Woche war es zu Zusammenstößen zwischen Anhängern von Terre'Blanches Afrikaner Weerstandsbeweging (AWB) und Schwarzen gekommen.

Ein schnelles Urteil wäre eine Überraschung. Denn mittlerweile gibt es Hinweise, dass der 69 Jahre alte Terre'Blanche seine Arbeiter vor der Tat zu sadomasochistischem Sex gezwungen hat oder zwingen wollte. Zudem ist bei der Spurensicherung am Tatort offenbar erheblich geschlampt worden, wenngleich das von der Polizei bestritten wird. Die Beweislage in dem Fall ist ähnlich verworren wie die Gesinnung in den extremen politischen Flügeln.

Für den Fußballweltverband Fifa war die unangenehme Angelegenheit schnell erledigt. Es werde während der WM keine Rassenunruhen geben, wie von der AWB zunächst angedroht, versicherte Präsident Sepp Blatter zuletzt und verwies auf die südafrikanische Regierung, die für die Sicherheit im Land zuständig sei. Auch Danny Jordaan, Chef des WM-Organisationskomitees, bezeichnete den Mord als schlicht kriminellen Akt und erklärte: "Es gibt keinen politischen Aufruhr. Man darf diesen Fall nicht fehldeuten."

Mord zieht Folgen nach sich

Das ist richtig und falsch zugleich. Denn seit Langem hat kein Thema die südafrikanische Gesellschaft so sehr aufgewühlt wie der Mord an der Symbolfigur der kleinen Gruppe rückwärtsgewandter und verblendeter Weißer, die vor allem auf dem Land und unter Farmern ihre Anhänger findet. Da reicht manchmal schon eine Zeitung auf der Ladentheke mit einer Schlagzeile zu dem Fall und dem Bild von Malema, damit die Kassiererinnen aus unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen in einen heftigen Streit geraten.

Dass die WM von schweren Ausschreitungen überschattet werden wird, ist dennoch sehr unwahrscheinlich. Trotz des nach wie vor verankerten Misstrauens stützt das Gros der Menschen in Südafrika die Vision des ehemaligen Präsidenten Nelson Mandela - von einer friedlichen und gleichberechtigten Regenbogennation.

Mandela hofft auf friedliche WM

Als Präsident Zuma nach dem Mord die Nation zur Besonnenheit aufgerufen hatte, hatte er dabei vor allem die extremen politischen Lager im Auge. Malema fühlte sich davon offenbar nicht angesprochen und sang einen Tag später das inzwischen verbotene Lied des Befreiungskampfs, "Töte den Buren" - und das während eines Besuchs bei Simbabwes Despoten Robert Mugabe , dem er seine Wertschätzung für die dortige Zwangsenteignung der weißen Farmer zum Ausdruck brachte. Als Malema wenig später in Südafrika einen BBC-Korrespondenten als "Bastard" bezeichnete und ihn des Raumes verwies, schritt Zuma ein und erteilte seinem politischen Zögling eine öffentliche Rüge.

Der schwer kranke Mandela, 91, die Symbolfigur des friedlichen Widerstands gegen die Apartheid und der Versöhnung, hofft, die WM noch zu erleben. Seine Hoffnung war auch, dass das Turnier die Annäherung der verschiedenen Bevölkerungsgruppen vorantreibt. Die gute Nachricht: In dieser Woche hat Malema noch nicht für einen Skandal gesorgt.

Diesen Artikel haben wir für Sie in der Financial Times Deutschand gefunden.

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