WM-Spiel gegen Südafrika Poldi feiert 75. Länderspiel


Der Mann ist gerade 25, aber als Deutschland-Poldi jagt er bereits alle Rekorde. Gegen Serbien trägt Lukas Podolski zum 75. Mal das Nationaltrikot. Rekordnationalspieler Lothar Matthäus und Gerd Müller, der "Bomber der Nation", müssen um ihre Bestmarken bangen.

Joachim Löw war entrüstet. "Ich verstehe nicht, dass über Lukas Podolski so häufig diskutiert wird. Da fehlt mir jedes Verständnis", ereiferte sich der Bundestrainer kopfschüttelnd nach dem tollen deutschen WM-Start in Südafrika, an dem sein Musterschüler Podolski erheblichen Anteil gehabt hatte.

Beim 4:0 gegen Australien erzielte der Deutschland-Poldi mit seinem linken Hammer sein 39. Tor im Nationaltrikot, das er beim zweiten WM-Spiel am Freitag in Port Elizabeth gegen Serbien bereits zum 75. Mal überstreifen darf. "Das 75. Länderspiel ist für mich etwas Besonderes", bekannte der gebürtige Pole Podolski - und auch das 100. ist nicht mehr fern: "Davon hat man als Kind geträumt."

Auch wenn er beim 1. FC Köln eine enttäuschende Saison spielte, in der Wohlfühl-Oase Nationalelf blüht Podolski einmal mehr auf. "Seit dem ersten Tag der Vorbereitung war ich so fokussiert, dass ich nur ein Ziel hatte, eine gute WM zu spielen", verriet er. Löw setzte vom ersten Tag an auf den explosiven Angreifer. "Lukas hat unglaubliche Fähigkeiten", begründete Löw: "Warum sollte ich an ihm zweifeln?"

"Ich fühle mich sehr stark trotz der verkorksten Saison in Köln", berichtete Podolski. In der Nationalelf ruft er seine Dynamik und seine Torjäger-Qualitäten seit dem Debüt als 19-Jähriger 2004 regelmäßig und besonders konstant bei den großen Turnieren ab. Und inzwischen jagt Poldi alle Rekorde: Wenn er so weiter macht wie bisher, dürfte Podolski ebenso wie der knapp ein Jahr ältere Bastian Schweinsteiger, der gegen die Serben vor seinem 76. Länderspiel steht, die 150 Partien von Rekordspieler Lothar Matthäus überbieten.

Schneller könnte es beim Toreschießen gehen. Mit 39 Treffern ist Podolski bereits die Nummer 9 der ewigen deutschen Schützenliste, die "Bomber" Gerd Müller seit Jahrzehnten mit 68 Toren anführt. Das 40. Tor gegen Serbien, so Poldi, wäre ein willkommenes Jubiläums-Präsent.

Während aus seinem Sommermärchen-Kumpel "Schweini" längst ein gereifter Herr Schweinsteiger geworden ist, ist Podolski auch mit 25 Jahren der liebenswerte "Poldi" geblieben. Er war nach dem Ausfall von Michael Ballack weder ein Kapitäns-Anwärter noch wurde er von Joachim Löw in den Mannschaftsrat berufen. "Ich dränge nicht in den Vordergrund. Ob ich Kapitän bin oder im Mannschaftsrat, ist mir am Ende nicht so wichtig", sagte Podolski. Er bleibt lieber der Spaßvogel und Strahlemann. Seine kindliche Ader ist keine Schwäche, sondern eine Stärke, die sich auf dem Platz in Leistung entfaltet.

Podolski muss sich wohlfühlen. Im DFB-Umfeld tut er das. Hier spürt er vor allem das totale Vertrauen des Trainers. Keiner hat häufiger in der Ära Löw gespielt (in 42 von 50 Länderspielen). Kein anderer Nationalspieler hat unter Löw häufiger getroffen (24 Mal).

"Man muss als Trainer auch an Spielern festhalten", bemerkte Podolski in Südafrika über die besondere Stärke des Bundestrainers. Er habe vieles bei Löw gelernt, "gerade auch im taktischen Bereich". Und um auch nach der WM 2010 weiterhin alle Rekorde jagen zu können, hofft Podolski auf eine Vertragsverlängerung von Löw: "Wir wollen alle mit ihm weitermachen." Ganz besonders er selbst.

Klaus Bergmann und Jens Mende, DPA DPA

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