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Nichtangriffspakt Gellende Pfiffe der Fans: Frankreichs 0:0 gegen Dänemark erinnert an "Schande von Gijon"

N'Golo Kante, Kylian Mbappe und Lucas Hernandez aus Frankreich
N'Golo Kante, Kylian Mbappe und Lucas Hernandez nach dem torlosen Remis zwischen Frankreich und Dänemark
© Federico Gambarini / DPA
Ballgeschiebe, Geplänkel, Pfiffe: Vor dem Achtelfinale gurken sich Frankreich und Dänemark ein 0:0 zusammen. Beide Trainer sind damit zufrieden. Erinnerungen an das WM-Spiel zwischen Deutschland und Österreich 1982 werden wach.

Die gellenden Pfiffe der schwer enttäuschten Fans im Moskauer Luschniki-Stadion waren kaum verstummt, da äußerten die beiden Trainer schon ihre höchste Zufriedenheit. "Wir haben nur einen Punkt gebraucht und wir haben gegen eines der besten Teams der Welt gespielt. Wir wären blöd gewesen, wenn wir ihnen Räume gelassen hätten", sagte Dänemarks Age Hareide nach einem 0:0, das lange Zeit einem fußballerischen Armutszeugnis glich. Frankreichs Trainer Didier Deschamps pflichtete bei: "Wir mussten nichts riskieren, weil uns dieses Ergebnis reicht."

Tatsächlich hatte mit der ersten torlosen Partie dieser WM jeder, was er wollte. Frankreich beendet die nicht gerade einfache Gruppe C auf Rang eins und trifft nun auf Argentinien, Dänemark qualifiziert sich erstmals seit 2002 wieder für die K.o.-Runde beim Weltturnier und bekommt es mit Kroatien zu tun. "Es ist sehr zufriedenstellend, dass wir so diszipliniert waren", sagte Hareide. Die 78.011 Zuschauer sahen das jedoch ganz anders: Beim Dauer-Ballgeschiebe, das streckenweise an den berüchtigten "Nichtangriffspakt von Gijon" 1982 zwischen Deutschland und Österreich erinnerte, überlagerten Pfiffe und "Rossija Rossija"-Rufe die anfängliche Euphorie beider Fanlager.

Frankreich wollte kein Risiko eingehen

"Sie kamen ja nicht. Wenn sie nur einen Punkt wollten, warum sollten wir dann ein Risiko eingehen?", rechtfertigte sich Deschamps mit Blick auf das Dänemark-Spiel. Neben Mbappé hatte er mit Torhüter Hugo Lloris, Mittelfeld-Star Paul Pogba und den Abwehrspielern Samuel Umtiti sowie Benjamin Pavard gleich mehrere Stammspieler geschont.  In Gedanken war Deschamps schon beim Achtelfinale. "Ich wollte meine Spieler schützen. Für die Runde der besten 16 brauchen wir frische Spieler."

Die braucht nun auch Dänemark, das erste große Ziel ist mit dem zweiten Gruppenplatz noch vor Peru und Australien aber erreicht. "Es ist sehr emotional, dass wir das geschafft haben. Für mich ist es großartig", betonte Hareide. Und die Skandinavier möge bei aller spielerischer Armut erstmal jemand schlagen, sind sie doch seit 18 Partien und über eineinhalb Jahre ungeschlagen. "Wichtig war vor allem eines: Disziplin. Und wir hatten damit Erfolg", sagte Hareide. Disziplin wahrten auch die Zuschauer, etwa 40 Minuten lang. Dann fingen sie an zu pfeifen und die Pfiffe wurden bis zum Ende immer lauter.

vit DPA

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