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Kommentar

Nationalmannschaft: Özil kneift: Sein Versteckspiel seit dem Treffen mit Erdogan ist einfach nur feige

Mesut Özil hat den Medientag des Deutschen Fußball-Bundes geschwänzt, weil er keine Fragen zum umstrittenen Treffen mit dem türkischen Präsidenten beantworten möchte. Der Nationalspieler gibt momentan ein ganz schlechtes Bild ab, das eines Nationalspielers nicht würdig ist. Ein Kommentar.

Mesut Özil steht enttäuscht auf dem Platz

Mesut Özil gibt keine Interviews – sein Verhalten ist eines Nationalspielers nicht würdig

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22 der 23 für die Fußball-Weltmeisterschaft nominierten deutschen Nationalspieler standen am Dienstag beim obligatorischen und offiziellen Medientag des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) den Journalisten Rede und Antwort. Nur einer schwänzte den Termin: Mesut Özil.

DFB-Pressesprecher Jens Grittner begründete den anwesenden Journalisten Özils Fernbleiben mit der Erklärung, dass der Offensivspieler der Meinung sei, zum Treffen mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan alles gesagt zu haben.

Das ist, mit Verlaub, ziemlicher Unsinn. Denn Fakt ist: Mesut Özil hat seit der umstrittenen Zusammenkunft so gut wie gar nichts gesagt. Der 29-Jährige traf sich bei einem schlecht inszenierten Auftritt mit Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, der sich nicht zu schade dafür war zu versuchen, die Wogen im Sinne des DFB ein wenig zu glätten. Ansonsten versuchte Özil vor allem, sämtliche Mikrofone und Notizblöcke zu umkurven. Es scheint, als wolle er das Thema aussitzen. Ob das wirklich eine gute Idee ist?

Pfiffe gegen Mesut Özil und Ilkay Gündogan

Die deutschen Auswärtsfans im österreichischen Klagenfurt machten am vergangenen Samstag mit Pfiffen gegen Özil und dem ebenfalls in der Kritik stehenden Ilkay Gündogan deutlich, dass für sie das Thema noch längst nicht abgehakt ist. Und auch am Freitag, wenn Deutschland im letzten Test in Leverkusen gegen Saudi-Arabien antritt, müssen die Nationalspieler mit einem Pfeifkonzert rechnen.

Wundern darf sich Özil darüber nicht. Im Gegenteil. Mittlerweile verfestigt sich eher der Eindruck, dass er sich den verbalen Gegenwind sogar redlich verdient hat. Nicht (nur) wegen des Treffens mit Erdogan, über das in der Öffentlichkeit nun wahrlich genug diskutiert wurde. Sondern (auch) wegen seines unreifen Umgangs mit der Kritik an seiner Person, die man ja durchaus hätte erwarten können, wenn man nur einen Moment nachgedacht hätte, ehe man sich grinsend neben Erdogan stellt.

Özils Mitspieler Gündogan machte seine Sache am Dienstag da schon deutlich besser. Er sprach mit ausgewählten Medienvertretern, schilderte seine Sicht der Dinge. "Einige Reaktionen haben mich getroffen, vor allem auch die persönlichen Beleidigungen", sagte Gündogan, räumte aber auch ein: "Ich verstehe, dass man die Aktion nicht gut finden muss." Gündogan versuchte sich zu erklären, was auch eine ganz gute Strategie gewesen sein dürfte, zumal er ja nicht mit einer Horde wild gewordener Rassisten diskutieren musste, sondern sich einfach mit ein paar dem DFB wohlgesonnenen Journalisten unterhielt.

Özil hat keinen Respekt

So viel Größe hatte Özil nicht. Sein trotziges Schweigen ist fast schon ein Skandal, wenn man bedenkt, dass der DFB – und mit ihm seine Spieler – gerne für Toleranz, Offenheit, Vielfalt und Respekt werben. Vor allem letzteren hat Özil offensichtlich nicht. Weder vor den Journalisten, noch vor den enttäuschten bis entsetzten Fans.

Mesut Özil ist 29 Jahre alt. Er hat für den FC Schalke 04, Werder Bremen, Real Madrid und den FC Arsenal Fußball gespielt, er hat Titel gewonnen und darf sich Weltmeister nennen. Aktuell hingegen verhält er sich jedoch nicht wie ein gestandener Erwachsener, sondern wie ein kleiner, trotziger Junge. Mag sein, dass Özil ganz schlecht beraten wird; gut möglich, dass auch Bundestrainer Joachim Löw und Nationalmannschaftsmanager Oliver Bierhoff zu wenig tun, um ihn zur Vernunft zu bringen. Doch am Ende des Tages ist ein Profi, der Millionen damit verdient, vor Publikum Fußball zu spielen, selbst dafür verantwortlich, welches Bild er in der Öffentlichkeit abgeben will.

Özil scheint diese Frage für sich beantwortet zu haben. Er steht nicht öffentlich zu seinem Handeln, sondern schmollt. Dieses Versteckspiel ist eines Nationalspielers unwürdig. Sein Schweigen ist Wasser auf die Mühlen seiner Kritiker und befeuert die Frage, ob er denn wirklich verstanden hat, warum weite Teile der deutschen Öffentlichkeit Probleme mit dem Treffen mit Erdogan hatten. Eine Antwort könnte nur Özil selbst geben. Doch dafür ist er aktuell einfach zu feige.

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