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Interview

WM 2018: "Extrem gewalttätig und gut organisiert": So gefährlich sind Russlands Hooligans

Bei der Fußball-Weltmeisterschaft in Russland werden heftige Hooligan-Ausschreitungen befürchtet. Zu Recht? Wie russische Hooligans ticken, wie rechtsextrem sie sind und was man gegen Gewalt tun kann, erklärt Experte Robert Claus im stern-Interview.

stern: Bei der Weltmeisterschaft in Russland werden massive Ausschreitungen befürchtet. Ist die Sorge berechtigt? 

Robert Claus: Man kann es nicht genau voraussehen. Es gibt da zwei Aspekte. Einerseits wissen wir, dass Russland neben Polen weltweit aktuell die führende Hooligan-Szene hat. Russische Hooligans sind gut organisiert, sehr gewalttätig. Die meisten trainieren regelmäßig Kampfsport und sind international vernetzt. Dazu kommen Kontakte in mafiöse Strukturen und zu Rechtsextremen.

Robert Claus

Robert Claus arbeitet als freier Autor und Moderator. Seit 2013 ist er Mitarbeiter "Kompetenzgruppe Fankulturen und Sport bezogene Soziale Arbeit" (KoFaS). 2017 hat er das Buch "Hooligans: Eine Welt zwischen Fußball, Gewalt und Politik" veröffentlicht.

Es gab im Januar außerdem ein Treffen zwischen russischen und argentinischen Hooligans. Auch Leipziger und St. Petersburger Hooligans haben sich im März getroffen. Was sie dort genau gemacht haben, weiß man nicht. Aber eine Vernetzung im Vorfeld der WM ist wahrscheinlich. Man muss also vorsichtig sein. Das ist die eine Seite.

Die andere Seite ist aber, dass die russischen Polizeibehörden das ja auch wissen. Die Russen haben in den letzten Monaten zum Beispiel einige Neonazis in den Knast gesteckt. Sehr symbolisch wurde im September 2016 Alexander Schprygin in einem Hotel verhaftet. Er ist ein alter rechtsextremer Hooligan von Dynamo Moskau und war lange Chef der russischen Fan-Föderation. Er hatte die Föderation im Grunde zu einem Dachverband der russischen Hooligans ausgebaut. Seine Verhaftung wurde als starkes Signal in die Hooligan-Szene gewertet. Um zu wissen, wer die Stadien betritt, wurde zudem die umstrittene Fan-ID eingeführt.

Entsprechend sind verschiedene Szenarien denkbar. Ich halte große Massenrandale für nicht so wahrscheinlich, aber ich sage das immer unter großem Vorbehalt, denn möglich sind sie natürlich.

Gewaltexzesse im Fußball : Wie im Blutrausch: Was Hooligans antreibt

Welches Zeugnis stellen Sie Russland in der Vorbereitung aus?

Jetzt vor der Weltmeisterschaft wird immer gefragt: Was macht der russische Staat gegen die Hooligans? Und dann wird über Festnahmen, Datenbanken und solche repressiven Maßnahmen geredet. Die wichtige Frage ist doch eigentlich: Wie viel haben der russische Verband und der Staat in den letzten 20 Jahren im Bereich der sozialen und pädagogischen Prävention getan? Die Antwort darauf lautet: extrem wenig.

Warum ist nichts passiert?

Sie interessieren sich nicht dafür. Man hat nach den Ausschreitungen bei der Europameisterschaft 2016 ja beispielsweise von russischen Offiziellen gehört, wie die heftigen Gewalttaten russischer Hooligans heruntergeredet wurden oder wie sich Politiker sogar darüber lustig gemacht haben.

Wo gibt es aktuell die gefährlichsten Hooligans?

Polen und Russland. Das sind ganz klar die größten und gewalttätigsten Szenen. Mit Abstand. Und sie sind sehr rechts. Es gibt ein langes Verhältnis von russischen Hooligans zu rechten Parteien. In Russland ist auch das Hakenkreuz nicht verboten, weshalb man auch nicht selten Hooligans sieht, die bei Kämpfen ganz offen Hakenkreuze oder andere Nazi-Symbole tragen.

Was unterscheidet die russische Hooligan-Szene konkret von den Szenen anderer Länder?

Die russischen Hooligans sind extrem gewalttätig, gut organisiert und im Kampfsport erprobt. National bis rechtsextrem sind dort eigentlich alle Hooligan-Szenen. Aber es gibt auch da Unterschiede. Zum Vergleich: In Deutschland ist die Szene etwas differenzierter. Hierzulande gibt es auch linke Hooligan-Gruppen – beispielsweise in Bremen oder bei St. Pauli. Das ist etwas, was es in Osteuropa nicht gibt.

"Russische Hooligans sind extrem gewalttätig und gut organisiert"

Grundsätzlich kann man aber schon sagen, dass sich in Osteuropa ein neuer Typus Hooligan entwickelt, der viel professionalisierter ist. Man kommuniziert verschlüsselt, trainiert regelmäßig und hat auch eine entsprechende Lebensführung. Die geht in Teilen sogar soweit, dass russische Hooligans Straight-Edge leben (Lebensstil ohne Drogen, Sex und Fleisch; Anm. d. Red.) oder sich vegan ernähren.

Gibt es Länder, deren Hooligans besonders verfeindet sind?

Ganz klar Polen und Russland. Was ich aus der Szene höre, ist, dass die Russen in den letzten zwei Jahren versucht haben, Bündnisse zu schließen – insbesondere gegen Polen und gegen England. Es gibt eine Nähe von polnischen und englischen Hooligans. Aufgrund von Arbeitsmigration sind viele Polen nach Großbritannien ausgewandert. In England haben zeitweise über eine Millionen Polen gewohnt. Darunter waren und sind auch Hooligans. Polen und England haben deshalb zwar noch kein festes Bündnis, aber es gibt eine gewisse Nähe der Hooligan-Szenen. Die Russen haben in den letzten Monaten versucht, zwei Bündnisse zu schmieden – unter anderem mit Argentiniern und Deutschen. Ob das gelungen ist, ist nicht ganz klar. Auch die Ukrainer und Russen haben geschichtlich bedingt ein schwieriges Verhältnis.

Kann man Hooligan-Schlägereien überhaupt verhindern?

Wenn sich Hooligan-Gruppen auf einem Acker, irgendwo am Stadtrand von St. Petersburg, zu einem Gruppenkampf treffen, dann ist es schwierig zu verhindern oder vielleicht auch gar nicht notwendig, weil unbeteiligte Dritte ja nicht hinein gezogen werden. Aber im direkten Umfeld der Stadien kann Polizei Hooligangewalt natürlich unterbinden. 

Unabhängig von der Frage, ob das legitim ist – nehmen wir Deutschland als Beispiel: Welche Mittel wirken effektiv gegen Hooliganismus?

Effektiv hilft nicht nur Repression, sondern in erster Linie langfristige Prävention. Und was in den meisten Ländern, mit Ausnahme von den sozialpädagogischen Fanprojekten in Deutschland, an Prävention gemacht wird, ist leider sehr, sehr wenig. Und zur Repression: Wenn Hooligans verurteilte Straftäter sind und es eine begründete Gefahrenprognose gibt, dass die zur WM nach Russland fahren wollen, um dort Gewalt auszuüben, dann kann man sie natürlich von der Ausreise abhalten.

Wichtige Fragen werden dabei aber gerne vergessen: Auf welcher Basis geschieht das? Und unter welchen Datenschutzvorgaben gibt man personenbezogene Daten deutscher Bürger an einen schwierigen russischen Staat weiter? Die Polizei in Deutschland führt eine Datei "Gewalttäter Sport", in der rund 11.000 Menschen erfasst sind. Doch bei weitem nicht alle zu Recht, denn nicht alle sind aufgrund von Gewalttaten in der Datei gelistet. Zudem wissen Betroffene oft nicht, dass sie darin geführt werden. Mir graut es, wenn ich daran denke, dass solche Datensätze in größerem Umfang an russische Behörden weitergeben werden könnten. Grundsätzlich ist die Idee, Gewalttäter über eine solche Kartei an der Ausreise zu hindern, ja richtig. Nur ist sie aktuell leider weit weg von einer transparenten und legitimierten Umsetzung.

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Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.