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Die unmögliche Mission: Katar ist völlig überfordert und die Zuschauer flüchten

die katarischen Nationalspieler Karim Boudiaf (m.) und Hassan Al-Haydos , links ist der Ecuadors Pervis Estupinan zu sehen
Hängende Köpfe und bittere Enttäuschung im Stadion Al-Bait Stadion: die katarischen Nationalspieler Karim Boudiaf (m.) und Hassan Al-Haydos , links ist der Ecuadors Pervis Estupinan zu sehen
© Tom Weller / DPA
Der Auftritt der katarischen Nationalelf im Eröffnungsspiel gegen Ecuador kam einem Offenbarungseid gleich und das Stadion leerte sich nach der Halbzeit ziemlich schnell. Gut möglich, dass die WM sportlich in einer Katastrophe für das Land endet.

Man sollte nicht zu früh ein endgültiges Urteil über die sportliche Qualität einer Fußball-Nationalmannschaft fällen, schon gar nicht bei einer vierwöchigen Weltmeisterschaft. Doch der Auftritt des Katarer im Eröffnungsspiel gegen Ecuador lässt nichts Gutes erahnen, auch wenn die Gastgeber schon vorher als Außenseiter galten. Das Team des spanischen Trainers Felix Sanchez war schlicht chancenlos und überfordert gegen eine Mannschaft, die die südamerikanische WM-Qualifikationsgruppe als Dritter hinter Brasilien und Argentinien abgeschlossen hatte, also als solide Kraft gelten kann. Mehr aber auch nicht.

Schon in der 3. Minute kassierte Katar das erste Gegentor. Nur dank einer Fußspitze im Abseits und des VAR wurde das Tor aberkannt. In der 16. Minute gab es schließlich einen Strafstoß, den Ecuadors bester Mann, Enner Valencia, zum 1:0 verwandelte. Das Gegentor war der Stimmungskiller im Stadion. Das war selbst am TV-Gerät zu spüren. 

Valencia war es auch, der per Kopf in der 31. Minute das 2:0 erzielte. Im dem Moment war das Spiel entschieden. In der zweiten Halbzeit geschah nicht mehr viel, Katar hatte während der gesamten 90 Minuten drei halbwegs solide Torchancen, aber das war es auch. Ecuador hatte keine Probleme, die Führung bis zum Schlusspfiff des italienischen Schiedsrichters Daniele Orsato zu verwalten.

Wie ein Offenbarungseid

Katarischen Fans und Funktionären muss das Spiel wie ein Offenbarungseid vorgekommen zu sein. Eine erste Quittung bekam die Mannschaft bereits während der Partie präsentiert. Das Stadion leerte sich in der zweiten Halbzeit sehr zügig. Bilder zeigten, dass viele Zuschauer schon lange vor dem Schlusspfiff gingen. Es war ein ungewohntes Bild für ein WM-Eröffnungsspiel, und ein ziemlich trauriges. Sichtbarer und deutlicher kann man keine Mannschaft abstrafen. 

Möglicherweise rächt sich hier, dass die katarische Mannschaft monatelang systematisch abgeschottet von der Öffentlichkeit war, sogar die letzten Testspiele wurden unter strengster Geheimhaltung absolviert. Seit dem Frühjahr war die Mannschaft zusammen. Im September fand ein Trainingslager in Österreich statt, im Oktober und November gab es die letzten Testspiele in Marbella, unter Ausschluss der Öffentlichkeit, wie die "Süddeutsche Zeitung" berichtet. Gegner sollen Guatemala, Nicaragua, Panama, Honduras und Albanien gewesen sein. Angeblich gewann Katar alle Partien. Möglicherweise hat die rigide Abschottung Erwartungen geschürt, die die Mannschaft überhaupt nicht erfüllen kann.

Katar ist amtierender Asien-Meister

Offiziell ist nur, dass Katar amtierender Asien-Meister ist (3:1-Sieg gegen Japan im Finale 2019). Im selben Jahr nahm das Team an der Copa America teil und scheiterte mit nur einem Punkt in der Vorrunde. Beim Gold Cup (das Nord- und zentralamerikanische Gegenstück zur Copa) gelangte man ins Halbfinale, ein solider Erfolg. Vielleicht war das Team wegen der immensen Erwartungen auch schlicht zu verkrampft. Darüber lässt sich nur spekulieren. 

Die Enttäuschung war auf jeden Fall gewaltig. Trainer Sanchez sah während des Spiels so aus, als würde er am liebsten die Flucht ins heimische Spanien antreten, den Spielern war die Überforderung ins Gesicht geschrieben. Angesichts der Gruppengegner Niederlande und Senegal muss sich man sich Sorgen um die Katarer machen. Es ist gut möglich, dass die WM sportlich für sie zu einem Fiasko wird.

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