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Fifa-Präsident Kein Vertrauen, keine Unterstützung: Erste Fußballverbände wenden sich von Infantino ab

Fifa-Präsident Gianni Infantino spricht auf einer Pressekonferenz
Fifa-Präsident Gianni Infantino spricht auf einer Pressekonferenz. Der dänische Verband DBU will den Schweizer nicht mehr unterstützen.
© Tom Weller / DPA
Nach dem Skandal um die "One Love"-Armbinde äußern erste Fußball-Landesverbände offen ihren Unmut über Fifa-Chef Gianni Infantino. Man ist wütend und entzieht ihm die Unterstützung.

Der Streit um die "One-Love"-Armbinde zwischen einigen Fußballverbänden der WM in Katar und der Fifa zieht weitere Kreise. Erste Fußball-Landesverbände zeigten sich erzürnt über dessen Präsident Gianni Infantino.

Am Mittwoch hielt der dänische Fußballverband DBU eine Pressekonferenz ab, auf der man mitteilte, dass man Infantino nicht länger unterstütze. Auch eine Unterstützungserklärung für die Wiederwahl von Infantino wolle man nicht geben, erklärte DBU-Präsident Jesper Møller.

"Wir müssen jetzt reagieren. Wir haben das Gefühl, dass wir müssen. Was geschehen ist, ist zutiefst verwerflich. Wir werden diese Dinge rechtlich klären lassen", so Møller. "Es gibt nur einen Kandidaten und wir müssen abwarten, ob ein neuer Kandidat kommt. Es ist noch etwas Zeit. Aber Dänemark wird den derzeitigen Präsidenten nicht unterstützen".

Dänemark erwägt nicht, aus Fifa auszutreten

"Ich war seit 1998 unter der DBU und fünfmal mit der dänischen Nationalmannschaft bei der WM, und es ist völlig inakzeptabel und zutiefst verwerflich, was da passiert ist."

Meldungen, dass die DBU sogar einen Austritt aus der Fifa erwägen, seien falsch, hieß es unterdessen. "Einige Medien haben das Missverständnis verbreitet, dass die DBU aus der Fifa austreten wird", sagte DBU-Kommunikationschef Jakob Hoejer der Nachrichtenagentur Reuters.

"Das wurde auf der Pressekonferenz nicht gesagt. Wir sind kritisch und unzufrieden und werden den derzeitigen Fifa-Präsidenten nicht wählen. Wir werden das weitere Vorgehen mit unseren nordischen und europäischen Kollegen besprechen."

Nach Angaben der DBU wurde die Entscheidung, den Präsidenten nicht zu unterstützen, aber bereits vor der Weltmeisterschaft getroffen, nachdem der Verband im August darüber diskutiert hatte.

"Ich kann sagen, dass Dänemark nicht unter den 207 Ländern ist, die eine Unterstützungserklärung unterzeichnet haben", sagte Møller weiter.

Norwegens Fußballverband suchte Gegenkandidaten für Infantino

An der Seite Dänemarks stehen auch Norwegen und Schweden. Der norwegische Fußballverband NFF habe "komplett" das Vertrauen in Infantino verloren, sagte deren Präsidentin Lise Klaveness dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk NRK. "Im NFF haben wir kein Vertrauen, dass Infantino der richtige Anführer ist, um uns voranzubringen." Sie weist darauf hin, dass das Misstrauen gegenüber Infantino mehr sei als das Chaos um die Regenbogenfarben auf der Kapitänsbinde.

Leider sei kein Gegenkandidat fristgerecht aufgestellt worden, "sodass Infantino derzeit leider der einzige Kandidat ist". Die nächste Wahl über das Amt des Fifa-Präsidenten findet im März in Ruanda statt. Die Frist für die Registrierung von Kandidaten ist am 16. November abgelaufen.

Klaveness sagte dem NRK allerdings, dass man versucht habe, einen Gegenkandidaten zu finden. "Wir im NFF haben viele Versuche unternommen, mit anderen zu sprechen, die Gegenkandidaten hätten sein können, dies aber nicht wollten." Dies liege daran, dass Infantino enormen Rückhalt habe.

Die NFF-Präsidentin sagte zwar, dass Infantino einen "guten Start" hingelegt habe, "bei dem er eine Reihe guter Reformen initiierte". Mit der Zeit sei es ihrer Ansicht nach aber zu einer "stetigen Abkehr davon" gekommen.

Fifa-Präsident: Kein Vertrauen, keine Unterstützung: Erste Fußballverbände wenden sich von Infantino ab

Schweden stellt Bedingungen

Auch Schwedens Fußballverband SvFF will Infantino nicht mehr unterstützen, wie die Zeitung "Sportbladet" berichtet. Dessen Präsident Karl-Erik Nilsson schließe jedoch nicht aus, dass er bei den Fifa-Präsidentschaftswahlen im März noch einmal für ihn stimmen wird.

"Im Moment ist das noch undenkbar, aber es ist schwer zu sagen, wie die Welt in vier Monaten aussehen wird, also müssen wir die Entwicklung verfolgen."

Noch am Sonntag hatte Nilsson gegenüber der Zeitung "Expressen" erklärt, man erwäge, Gianni Infantino aktiv zu unterstützen. Dann kam aber die Diskussion um die "One-Love"-Binde. Nilsson nennt die Fifa-Entscheidung "unverständlich" und sagt, das Vertrauen in Infantino sei "stark angeschlagen".

Nilsson machte am Mittwoch in einem Kommentar auf der Internetseite des SvFF deutlich, dass man eine Unterstützung Infantinos in Betracht ziehe. Allerdings nur, wenn er vier Punkte garantieren kann:

  • In Katar wird ein Zentrum für Wanderarbeiter eingerichtet
  • Ein Entschädigungsfonds für betroffene Wanderarbeitnehmer in Katar wird eingerichtet
  • Die Beziehungen zwischen Fifa und Uefa verbessern sich deutlich
  • Ein klares Bekenntnis zur Verbesserung der Bedingungen und der Entwicklung des Frauenfußballs

In der jetzigen entstandenen Situation komme eine solche Unterstützung aber derzeit nicht in Frage. "Wir hoffen, dass die FIFA ihre Haltung zu One Love überdenkt und sich ansonsten klar für die Menschenrechte und einen würdigen und respektvollen Dialog im Weltfußball einsetzt."

DFB hält Votum für Infantino offen

Gianni Infantino befindet sich seit 2016 im Amt des Fifa-Präsidenten. Wird er im kommenden Jahr wiedergewählt, ist es seine dritte und letzte Amtszeit. Mehr als zwölf Jahre als Präsident lässt die Fifa-Satzung nicht zu. Die Kontinentalverbände aus Südamerika, Afrika, Asien und Ozeanien haben bereits ihre Unterstützung für Infantino signalisiert. 2019 war Infantino bereits ohne einen Kontrahenten im Amt bestätigt worden.

Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) verzichtet bei der Wahl zum Fifa-Präsidenten im kommenden März auf einen eigenen Kandidaten, verweigert aber auch Amtsinhaber Gianni Infantino die Unterstützung. Wenige Tage danach hieß es, der DFB halte sich ein Votum für Infantino trotz der Differenzen über die Entschädigung von Gastarbeitern im WM-Gastgeberland Katar offen.

"Wir sind im Dialog. Wir erwarten, dass da noch eine Lösung gefunden wird. Daher haben wir für uns entschieden, dass wir sagen: Wir beteiligen uns nicht an der Nominierung", sagte DFB-Vizepräsident Ronny Zimmermann am Freitag im ZDF-"Morgenmagazin". "Wenn man ihn nicht nominiert, heißt das nicht automatisch, dass man ihn nicht wählt am Ende. Das hängt sicherlich davon ab, wie die Gespräche enden."

Während seiner Amtszeit hat Infantino sich eine Reihe von Skandalen und Kontroversen angesammelt. In der Schweiz läuft seit Juli 2020 ein Strafverfahren gegen ihn. Es geht um geheime Treffen mit dem Leiter der Schweizer Bundesanwaltschaft. Konkret geht es um die Anstiftung zu Amtsmissbrauch, Verletzung des Amtsgeheimnisses und Begünstigung. 2022 zog Infantino nach Katar um.

Quellen: DBU, SvFF, "BT", TV2, Nachrichtenagenturen DPA und Reuters, NRK, "Sportbladet", Sportschau, "Merkur"

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