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WM-Sammler, Tag 16 Brasilien lässt Südkorea keine Chance – Japan fliegt nach Elfmeterschießen gegen Kroatien raus

Keine Chance für Südkorea: Brasiliens Richarlison (r.) und Marquinhos nach dem Tor zum 3:0.
Keine Chance für Südkorea: Brasiliens Richarlison (r.) und Marquinhos nach dem Tor zum 3:0.
© Manu Fernandez / DPA
Brasilien hat gegen überforderte Südkoreaner problemlos das Viertelfinale erreicht. Zuvor kam Favoritenschreck Japan gegen Kroatien ins Elfmeterschießen, dort versagten aber die Nerven.

Angeführt vom wieder genesenen Neymar haben Brasiliens Ballkünstler ihren Traum vom sechsten WM-Titel mit einer Gala-Vorstellung untermauert. Der Rekord-Weltmeister zog am Montagabend mit einem 4:1 (4:0) gegen hoffnungslos überforderte Südkoreaner ins Viertelfinale des Turniers in Katar ein. Allein in der ersten Halbzeit im Stadion 974 erzielte die Seleção durch Vinicius Júnior (7. Minute), Neymar (13./Foulelfmeter), Richarlison (29.) und Lucas Paquetá (36.) die vier Tore, von denen eines schöner als das andere war. Dem Ex-Darmstädter Seung-Ho Paik (76.) gelang der Ehrentreffer für den Außenseiter. In der Runde der besten acht Teams treffen die Brasilianer am Freitag (16.00 Uhr) nun auf Vize-Weltmeister Kroatien.

Vor den 43.847 Zuschauern waren nicht mal 15 Minuten gespielt, da hatten die Brasilianer schon zweimal vor der Fankurve ihre Freudentänze aufgeführt. Erst setzte der starke Raphinha auf der rechten Außenbahn zum Dribbling an, zog in den Strafraum und legte quer auf Vinicius Júnior. Anstatt direkt abzuschließen, nahm der 22-Jährige den Ball in Ruhe an, visierte die rechte Ecke an - und schlenzte den Ball ins Tor. Anschließend hüpfte erst die gesamte Mannschaft Arm in Arm vor der Kurve, dann führten Neymar, Vincius Júnior, Lucas Paquetá und Raphinha noch eine Samba-Einlage auf. Vier Minuten später hüpften sie schon wieder.

Neymar bleibt beim Strafstoß cool

Diesmal wurde Richarlison im Strafraum gefoult, Schiedsrichter Clément Turpin entschied auf Elfmeter. Und jetzt forderten die Fans den von seiner Fußverletzung genesenen Neymar als Schützen. Der 30-Jährige verzögerte seinen Anlauf und schob den Ball gemächlich ins rechte untere Eck. Weil Südkoreas Torhüter stehen blieb, trudelte der Ball ins Tor. Durch diesen Treffer ist der Superstar nun neben Pelé und Ronaldo der einzige Brasilianer, der bei drei verschiedenen Weltmeisterschaften getroffen hat. Und die Seleção hörte nicht auf.

Zu keinem Zeitpunkt des Spiels deutete sich an, dass die Südkoreaner dem Rekord-Weltmeister ernsthaft gefährlich werden könnten. Ihren Ausnahmespieler Heung-Min Son bekamen die Asiaten kaum ins Spiel. Zudem waren sie überfordert mit Tempo und technischer Klasse des Favoriten. Zwar prüfte der ehemalige Leipziger Hee-Chan Hwang (17./32.) Torhüter Alisson im ersten Durchgang gleich zweimal. Aber zu beiden Zeitpunkten führte Brasilien bereits komfortabel. Die Seleção ließ nur zu, was sie angesichts des einseitigen Spiels auch zulassen konnte. In Gefahr geriet ihr Sieg nie. Stattdessen wurde die Höhe ausgebaut.

Zweite Halbzeit wehrt sich Südkorea

Nach einer herrlichen Kombination über drei Stationen und mit jeweils nur einem Kontakt war Richarlison frei vor dem Tor der Südkoreaner und schob lässig ein. Ein paar Minuten später wurde es noch schöner. Diesmal leitete Neymar einen Konter der Seleção ein und legte den Ball auf Vinicius Júnior, dessen Flanke im Zentrum von Paquetá per Direktabnahme ins Netz befördert wurde. Wieder tanzten die Brasilianer im Anschluss vor der Fankurve. Die Asiaten konnten einem fast schon leidtun. 

Sie kamen auch im zweiten Durchgang nicht mehr ran, obwohl die Seleção es nun entspannter angehen ließ. Dadurch erspielte sich der Außenseiter sogar Chancen, scheiterte aber jeweils am starken Alisson: einmal parierte der Keeper des FC Liverpool gegen Son (47.), ein weiteres Mal wehrte er einen Schuss von Hwang (68.) überragend ab. Einmal waren die Südkoreaner aber doch noch erfolgreich. Ein schöner Schuss von Paik schlug leicht abgefälscht im Tor ein.

Japan – Kroatien 1:3

Zuvor hat Kroatien in einem Elfmeter-Krimi ein frühes Scheitern bei der WM abgewendet und darf mit Starspieler Luka Modric auf eine Wiederholung von 2018 hoffen. Der Vize-Weltmeister gewann sein Achtelfinale in Al-Wakra mit 3:1 im Elfmeterschießen gegen Japan und verhinderte so den ersten Viertelfinal-Einzug der Blue Samurai. Mario Pasalic verwandelte den entscheidenden Elfmeter für die Kroaten, bei denen auch Torhüter Dominik Livakovic mit drei parierten Schüssen vom Punkt zum Helden zum avancierte.

Nach Ende der regulären Spielzeit hatte es 1:1 (0:1) durch Tore des Japaners Daizen Maeda (43. Minute) und des Kroaten Ivan Perisic (55.) gestanden. In der Runde der letzten Acht geht es für die nach dem ersten Seitenwechsel engagierteren Kroaten am Freitag (16.00 Uhr) nun entweder gegen Außenseiter Südkorea oder Rekordweltmeister Brasilien.

Während Kroatien nach 1998 und 2018 auf die dritte Halbfinal-Teilnahme hoffen darf, ist das turbulente Turnier der Japaner um Frankfurts Daichi Kamada vorbei. Der Favoritenschreck, der in der Vorrunde Deutschland und Spanien besiegt sowie die DFB-Elf auch aus dem Turnier geworfen hatte, konnte vor 42.523 Zuschauern seine Halbzeitführung nicht über die Runden bringen. Für einen nächsten Coup reichte es diesmal nicht.

Japans Trainer mit Tränen in den Augen

Für die in der Heimat ausgelassen gefeierten Japaner war es ein hochemotionales Spiel. Trainer Hajime Moriyasu war angesichts der großen Chance auf die erstmalige Teilnahme an einem WM-Viertelfinale schon bei der Hymne den Tränen nahe. Zuvor hatte er entscheiden müssen, ob er Joker Ritsu Doan erneut von der Bank bringt wie bei den furiosen 2:1-Siegen über Spanien und Deutschland. Oder als Startelfspieler wie beim 0:1 gegen Außenseiter Costa Rica. Doan begann als einer von vier Bundesliga-Profis neben Kapitän Maya Yoshida (Schalke), Wataru Endo (Stuttgart) und Kamada.

Die Anfangsphase gehörte eher den Asiaten, die extrem aggressiv attackierten und selbst Kroatien-Keeper Dominik Livakovic massiv unter Druck setzten. Ein Kopfball von Shogo Taniguchi (3.) sowie ein Versuch des hereinrutschenden Maeda (12.) gingen nur knapp am Tor des WM-Zweiten von 2018 vorbei. Doch Modric und Co. setzten selbst Akzente. In der Anfangsphase verpasste es Perisic, einen schweren Fehler von Japans Takehiro Tomiyasu zu nutzen. Perisic lief von links alleine aufs Tor zu, scheiterte aber an Shuichi Gonda.

Mit zunehmender Spieldauer wurden die Kroaten stärker. Angeführt von Modric, der auch mit einem seiner gefürchteten Außenristpässe agierte, ergaben sich Torchancen, doch die Angriffsreihe um den neu in die Startelf gekommenen Bruno Petkovic agierte zu unpräzise und vor dem Tor nicht konsequent genug. 

Am Schluss gehen beide Teams kein Risiko ein

Das galt lange auch für Japan, als Kamada nach schönem Steilpass von Endo zunächst noch einen Haken schlug, dann aber zu hektisch abschloss und verzog. Das Führungstor für die Blue Samurai fiel dann kurz vor der Pause: Freiburgs Doan schlug von rechts eine Flanke, die Yoshida am zweiten Pfosten in die Mitte prallen ließ. Dort stand Maeda und nutzte die kurze Verwirrung in Kroatiens Abwehr um Maskenmann Josko Gvardiol, um eiskalt zu vollenden.

Kroatien musste wie beim 4:1 gegen Kanada einen Rückstand drehen. Doch nach der Pause kam zunächst wieder Japan: Ein Schuss von Kamada nach gerade mal 30 Sekunden zog knapp über das Tor. Die lange Zeit harmlosen Kroaten schlugen plötzlich aus dem Nichts zu. Eine Flanke des aufgerückten Dejan Lovren köpfte Perisic wuchtig ins lange Eck, Gonda war chancenlos. Direkt im Gegenzug parierte Livakovic einen sehenswerten Schuss des Stuttgarters Endo. Die Partie wurde nun immer turbulenter, Gonda wehrte einen Volley von Modric glänzend ab (63.).

Zum Ende der regulären Spielzeit riskierten beide Teams nicht mehr viel, auch in der Verlängerung war die Torabsicherung zunächst das oberste Ziel. In der 98. Minute wurde Modric, der viel investiert hatte, ausgewechselt. Wenig später verließ auch Perisic den Platz. Japan griff nochmal an, doch einen unplatzierten Schuss von Kaoru Mitoma konnte Livakovic gerade so abwehren.

tis / Nils Bastek, Tom Bachmann, Patrick Reichardt, Carsten Lappe und Miriam Schmidt DPA

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