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Schlechte Einschaltquoten Weniger Zuschauer als das Frauen-Finale: Die WM wird vom Großereignis zum Quoten-Flop

Kai Havertz bei der Fußball-WM in Katar
Das Interesse an der WM war schon vor dem deutschen Ausscheiden historisch niedrig
© Getty Images
Wohl kaum ein TV-Ereignis zieht so zuverlässig Zuschauer an wie die Fußball-Weltmeisterschaft. Doch dieses Jahr sind die Zahlen mies. Und sie dürften nur noch schlechter werden.

Schon die Vorzeichen waren nicht gut. Eine WM im Winter bedeutete auch den Ausfall des beliebten Public-Viewing an warmen Sommerabenden, die Debatte um die Menschenrechtsprobleme im Gastgeberland Katar vermieste die Lust noch zunehmend. Jetzt ist die deutsche Mannschaft auch noch in der Vorrunde rausgeflogen. Für die TV-Lizenznehmer ARD, ZDF und Magenta-TV ist das die Hiobs-Botschaft: Die WM ist in Deutschland nicht das Fernseh-Ereignis des Jahres – sondern ein ordentlicher Quotenflop.

Das lässt sich aus Zahlen klar ablesen. Das größte Publikum erreichte das Spiel der DFB-Elf gegen Costa Rica: 17,44 Millionen Menschen schalteten zu, als die Deutschen trotz 4:2-Sieg aus dem Turnier flogen. Schon das ist eher eine ordentliche, als eine begeisterungswürdige Zuschauerzahl. Und es steht zu befürchten, dass es die höchste des Turnieres bleibt.

Mieser Start

Schon der Start war alles andere als berauschend. Das Eröffnungs-Spiel Katar – Equador sahen mit 6,2 Millionen Zuschauern fast vier Millionen weniger als das Eröffnungs-Match der letzten WM 2018. Dabei war auch das mit der Paarung Russland – Saudi Arabien fußballerisch nicht das spannendste gewesen. Zum Vergleich: Als Brasilien 2014 sein erstes Match gegen Kroatien spielte, sahen noch fast 16 Millionen Deutsche zu. Dabei war der Anpfiff um 22 Uhr alles andere als attraktiv.

In den Folgetagen hätten sich die Sender die Zuschauerzahl des Eröffnungsspiel trotzdem zurückgewünscht: Nur vier Spiele zogen überhaupt mehr Zuschauer an, eine Menge Partien blieben unter vier Millionen Haushalten. Selbst das deutsche Debut gegen Japan schaffte die Zehn-Millionen-Marke nicht, das Spiel gegen Spanien enttäuschte trotz eigentlich ordentlicher Zuschauerzahl von 17,05 Millionen. Als Deutschland 2018 ebenfalls in der Vorrunde ausgeschieden war, hatten stets mindestens 25 Millionen Deutsche eingeschaltet – und das, obwohl auch damals zwei der deutschen Spiele an Wochentagen am Nachmittag übertragen wurden. 

Schlechte Einschaltquoten: Weniger Zuschauer als das Frauen-Finale: Die WM wird vom Großereignis zum Quoten-Flop

Drohender Absturz

Für den weiteren WM-Verlauf dürften die Exklusiv-Sender nun mit dem Schlimmsten rechnen. Seit dem deutschen Ausscheiden sind die Quoten noch weiter gesunken. Ghana gegen Uruguay wollten am Freitag nicht einmal 3 Millionen Deutsche schauen, auch das Abendspiel Serbien – Schweiz schaffte nur 4,27 Millionen Zuschauer. Der Beginn der K.o.-Phase verspricht keine entscheidende Besserung: Selbst ein Spitzenspiel wie Argentinien gegen Australien Samstagabend interessierte nur 4,71 Millionen Fans – und damit keine 20 Prozent der TV-Zuschauer.

Wie schlecht es um die Quoten bestellt ist, wird besonders deutlich, wenn man sie mit anderen Sport-Ereignissen vergleicht, die sonst hinter der WM verblassen. So schafften am Samstag sowohl der Biathlon-Weltcup (2,86 Millionen) als auch der Langlauf-Weltcup (1,98 Millionen) zwar niedrigere, aber vergleichbare Quoten. Während einer erfolgreichen WM wäre das undenkbar gewesen.

Frauen könnten erstmals vorne liegen

Spannend bleibt die Frage, ob die Männer-WM diesmal gar vom Frauen-Fußball ausgestochen werden könnte. Die bisher meistgesehene Sportübertragung des Jahres war das EM-Finale im Frauen-Fußball im Juli. Als die deutschen Frauen in England knapp den Titel verpassten, saßen 17,89 Millionen Deutsche vor dem Fernseher. Dass das im Laufe der Männer-WM noch geschlagen wird, scheint aktuell unwahrscheinlich: Selbst das erfolgreichste Spiel ohne deutsche Beteiligung in der WM 2018, das Finale Kroatien – Frankreich, hatten mit 21,32 Millionen deutlich weniger Zuschauer verfolgt als die deutschen Vorrunden-Spiele. Diesmal haben nicht einmal die deutschen Spiele das annähernd erreicht.

Quelle:AGF

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