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Ewige Debatte "It's called Soccer!", stänkern US-Fans gegen englische Anhänger. Aber haben sie auch recht?

US-Fans in Katar
US-Fans in Katar vor dem ersten WM-Spiel gegen Wales
© Tom Weller / DPA
Die Diskussion darum, ob Fußball im Englischen nun "Football" oder "Soccer" heißt, ist wahrscheinlich so alt wie die Sportart selbst. Das hindert die US-Fans in Katar nicht daran, die Engländer aufs Korn zu nehmen. Aber wer hat denn nun eigentlich recht?

In so manchem Streit geht es nicht darum, wer die besseren Argumente hat, sondern darum, wer am lautesten schreit. Zu diesem Schluss sind offenbar auch einige US-Fans in Katar gekommen. Vor dem Spiel ihrer Yanks gegen die Three Lions aus England (0:0) am Freitagabend wärmten die Fans eine uralte Debatte lautstark wieder auf. "It's called Soccer!", rief eine Gruppe US-Anhänger vor dem Al-Bayt Stadium. Auch in der Arena selbst ließen sie nicht ab und grölten während des gesamten Spiels ihren Standpunkt.

Sogar im WM-Song "Tokoh Taka" singt Rapperin Nicki Minaj: "Manche sagen Fußball, manche sagen Soccer." Gut, Minaj kommt aus den USA – und dort ist der Begriff "Football" nun einmal bereits von einer anderen, weit populäreren Sportart besetzt. Doch auch in Kanada, Südafrika und in Teilen Australiens und Irlands heißt es "Soccer". Wie der britische "Express" eingesteht, ist das "böse" Wort sogar in einigen der bekanntesten britischen Sportsendungen zu hören – einfach, weil es leichter über die Zunge geht. 

Aber wer hat denn nun recht? 

Soccer – ein britisches Wort

Die Sache ist komplizierter als gedacht. Weil allgemein angenommen wird, dass die Sportart Fußball in Großbritannien entstanden ist, liegt die Vermutung nahe, dass der Begriff "Soccer" eine Amerikanisierung ist. Doch laut der Encyclopædia Britannica ist das Wort "durch und durch britischen Ursprungs". Der Grund für die abweichenden Bezeichnungen liege vielmehr darin, wie sich der Sport in den unterschiedlichen Weltregion entwickelt hat. Der Fußball, wie wir ihn heute kennen werde allgemein auf das Jahr 1863 datiert, als der frisch gegründete englische Fußballverband (Football Association) das erste Regelwerk aufstellte. Doch auch das zu dieser Zeit gleichermaßen populäre Rugby (benannt nach einem Internat) hieß eigentlich Rugby Football. 

Der "richtige" Fußball hieß zur Unterscheidung deshalb Association Football. Weil das natürlich umständlich ist, ließ die Abkürzung nicht lange auf sich warten. Studenten, so Britannica, sprachen alsbald von "rugger" (rugby football) und "Assoccer" (association football). Letzteres setzte sich auf der Insel allerdings über die Zeit nicht durch – vielleicht auch aus anti-amerikanischen Motiven. 

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In den USA verschmolzen die beiden britischen Sportarten bekanntermaßen zum "American" Football. Die Spieler des "klassischen" Fußballs sollen deswegen auf den Alternativbegriff Soccer zurückgegriffen haben. Weil Fußball in den USA vor allem unter der schnell wachsenden hispanischstämmigen Bevölkerung beliebt ist, benutzen viele US-Amerikaner inzwischen auch das spanische Wort "fútbol". 

Als Europäer ist man in der Sache aber womöglich etwas parteiisch. Mit Fußball hat der American Football schließlich wenig zu tun, oder?  Und überhaupt – wie lässt sich dieses eiförmige Leder überhaupt als Ball interpretieren? Und so werden sich auch Briten und US-Amerikaner am Ende wohl immer nur darauf einigen können, dass man sich uneinig ist. 

Quellen: "Express"; "Al Jazeera"; AS; Britannica

yks

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