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Katar 2022 Aus Protest: Spieler des Iran schweigen bei Nationalhymne

Drei Fußballer in roten Trikots und Hosen stehen mit ihrem Torwart in hellblau in einer Reihe mit dem Armen über den Schultern
Sangen die Nationalhymne nicht mit: Die Fußball-Profis aus dem Iran
© Julian Finney / Getty Images
Wegen der anhaltenden Proteste im Iran haben viele auf ein Zeichen des Nationalteams bei der WM gehofft. Die Spieler haben dafür die Nationalhymne vor dem Anpfiff gegen England genutzt.

Die Fußballer der iranischen Nationalmannschaft haben vor ihrem WM-Auftaktspiel gegen England ihre Nationalhymne nicht mitgesungen. Beim Abspielen der iranischen Hymne im Stadion in Doha schwiegen die Spieler am Montag als Zeichen der Solidarität mit den Regierungskritikern in ihrer Heimat. Im Iran wurden unterdessen die beiden bekannten Schauspielerinnen Hengameh Ghasiani und Katajun Riahi festgenommen, die die Proteste unterstützt und in der Öffentlichkeit ihre Kopftücher abgenommen hatten.

Der Kapitän der iranischen Nationalmannschaft, Alireza Jahanbakhsh, hatte vor Beginn der WM in Katar gesagt, das Team werde "gemeinsam" entscheiden, ob es als Zeichen der Unterstützung für die Opfer der Unterdrückung der Proteste die Nationalhymne anstimmen werde oder nicht.

Proteste auch auf der Tribüne mit Fans aus dem Iran

Während der Hymne war auf Fernsehbildern kurz eine Zuschauerin mit weißem Kopftuch auf der Tribüne zu sehen, die den schweigenden Spielern applaudierte, während ihr Tränen übers Gesicht liefen. Im Tribünenbereich der iranischen Fans war kurzzeitig auch ein Plakat mit der Aufschrift "Frau, Leben, Freiheit" auf Englisch zu sehen, dem Slogan der Protestbewegung.

Im Iran gehen seit dem Tod der jungen Kurdin Mahsa Amini Mitte September landesweit Menschen gegen die Führung in Teheran auf die Straße. Die 22-Jährige war von der Sittenpolizei festgenommen worden, weil sie ihr Kopftuch nicht ordnungsgemäß getragen haben soll. Sie starb kurze Zeit später im Krankenhaus. Aktivisten werfen der Polizei vor, Amini misshandelt zu haben.

Demonstrationen für Frauenrechte und Freiheit

Die Proteste gegen die Sittenpolizei schlugen rasch in Demonstrationen für mehr Frauenrechte und Freiheiten im Iran sowie Demokratie generell um. Die Sicherheitsbehörden gehen äußerst hart gegen die Proteste vor, zuletzt vor allem in den Kurdengebieten im Nordwesten und Westen des Landes.

Am Montag setzten die Sicherheitskräfte dort schwere Waffen und scharfe Munition gegen Demonstrierende ein, wie die in Norwegen ansässige Menschenrechtsorganisation Hengaw mitteilte. In der Nacht wurden demnach die Städte Piranschahr, Mariwan und Dschawanrud beschossen. Binnen 24 Stunden hätten die Sicherheitskräfte in der Region 13 Menschen getötet, erklärte Hengaw.

Raketenangriffe auf Nordirak

Auch bei Raketen- und Drohnenangriffen der iranischen Revolutionsgarden auf kurdische Exilgruppen im Nordirak wurde am Montag ein Mensch getötet. "Ein Mitglied der Peschmerga wurde bei einem iranischen Angriff auf das Gebiet Kojsindschak getötet", sagte Ali Budaghi von der Demokratischen Partei Iranisch-Kurdistans (PDKI). Als Peschmerga werden die Streitkräfte der autonomen Kurdenregion im Nordirak bezeichnet.

Teheran wirft kurdischen Exilgruppen im Nordirak vor, die Proteste im Iran zu schüren. Kurdische Organisationen unterstützen die Proteste im Iran und prangern die Gewalt gegen Demonstrierende an.

tkr AFP

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