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WM in Katar Polen wäre beinahe wegen Gelben Karten weitergekommen: Wie die Fair-Play-Regel der Fifa funktioniert

Der Brasilianer Neymar (ohne Bodenkontakt) wird oft gefoult
Der Brasilianer Neymar (ohne Bodenkontakt) wird oft gefoult
© Robert Michael / DPA
Nur ein spätes Tor Saudi-Arabiens verhinderte, dass Polen die Gruppenphase aufgrund der Fair-Play-Wertung übersteht. Aber wie funktioniert die sehr selten angewendete Regel eigentlich?

Gegen Mexiko schoss Saudi Arabien in der Nachspielzeit den 1:2-Anschlusstreffer und sorgte damit für ein schlechteres Torverhältnis bei den Mittelamerikanern im Vergleich zum punktgleichen Polen. Rausgeflogen wäre Mexiko aber auch ohne den Gegentreffer, weil sie mehr Gelbe Karten im Turnierverlauf gesehen hatten als die Truppe um Superstar Robert Lewandowski, der Fair-Play-Regel sei dank. Aber wie funktioniert die Wertung genau?

Über das Weiterkommen in der Gruppenphase der WM 2022 entscheiden zunächst die Punkte der Teams. Bei Punktgleichheit kommt das Verhältnis von geschossenen zu gefangenen Toren ins Spiel. Herrscht auch hier Gleichheit, geht es darum, wer mehr Tore selbst erzielt hat. Wenn all diese Regelung nicht weiter führen, greift der direkte Vergleich der beiden Teams. Dieser hatte bei früheren Turnieren, etwa der EM 2021 oder auch in der Champions League übrigens noch vor dem Torverhältnis gezogen. 

Wenn auch der direkte Vergleich kein Ergebnis bringt, weil die fraglichen Kontrahenten unentschieden gegeneinander gespielt haben, oder bei Dreierkonstellation in einer Art und Weise gegeneinander gewonnen haben, dass man sich punkte- und toretechnisch im Kreis dreht, ja dann wird es abenteuerlich.

WM 2022: Die Fair-Play-Regel der Fifa

Hier kommt die sogenannte Fair-Play-Regelung der Fifa ins Spiel. Dabei geht es wieder um Punkte, nur will hier niemand viele davon haben.

  • für eine Gelbe Karte gibt es einen Punkt
  • für eine Gelb-Rote Karte drei
  • für eine Rote Karte vier
  • und für einen Spieler, der erst eine Gelbe und dann eine glatt Rote Karte in einem Spiel bekommt, satte fünf Zähler aufs Konto

Hier werden nun also die ansonsten punkt- und torgleichen Teams miteinander verglichen, und wer am wenigstens Punkte auf dem Fair-Play-Konto hat, der bekommt den Zuschlag fürs Achtelfinale.

Am Beispiel gestern einmal anschaulich erklärt:

Als es in beiden Partien 2:0 stand (für Argentinien und für Mexiko) hatten Polen und Mexiko vier Punkte auf dem Konto und beide ein Torverhältnis von 2:2. Im direkten Duell hatten sie sich 0:0-Unentschieden getrennt und standen somit auf allen Ebenen pari. Mexiko aber hatte sich mit sieben Gelben Karten zwei mehr geholt als Polen und wäre somit auch ohne den Gegentreffer in letzter Sekunde ausgeschieden.

Sollte übrigens auch hier Punktgleichheit herrschen, ja dann wird das Schicksal der Teams gänzlich in die Hände von Fortuna gegeben. Dann nämlich muss der Losentscheid den Achtelfinalteilnehmer bestimmen. Dies geschah zuletzt 1990, als sich Irland per Los gegen die punkt- und torgleichen Niederländer durchsetzte und Gruppenzweiter wurde. Als einer der besten Gruppendritten kam das Team um Frank Rijkaard dennoch weiter und traf im Achtelfinale auf Deutschland und Herr Rijkaard im Speziellen auf Rudi Völler. Die Spuckattacke des Holländers ging als einer der großen WM-Skandale in die Geschichte ein. Die deutsche Elf wurde später im Finale gegen Argentinien Weltmeister.

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