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Hygienekonzept im Fußball Zufall? Beim FC Bayern häufen sich die Corona-Fälle

Die Mitspieler feiern Benjamin Pavard (3.v.r.) für sein Siegtor im Finale der Klub-WM.
Die Mitspieler feiern Benjamin Pavard (3.v.r.) für sein Siegtor im Finale der Klub-WM. Eine Woche später wird er positiv auf das Coronavirus getestet.
© Karim Jaafar
Der FC Bayern hat mit Benjamin Pavard den vierten Spieler zu beklagen, der sich innerhalb weniger Wochen mit dem Coronavirus infiziert hat. Trainer Hansi Flick hält das für Zufall. Aber kann das sein?

Die Bayern haben das Virus. Seit Ende Januar steckten sich vier Spieler an: Leon Goretzka, Javier Martínez, Thomas Müller und zuletzt Benjamin Pavard. Die Häufung der Fälle innerhalb einer Zeitspanne von Ende Januar bis Mitte Februar lässt natürlich vermuten, dass die Infektionen kein Zufall sind. Ist also das Hygiene-Konzept, das die Deutsche Fußball Liga im vergangenen Jahr vorlegte und das alle Bundesliga-Vereine umsetzen müssen, doch nicht so perfekt?

Trainer Hansi Flick beschwichtigte. Für ihn gilt, dass sich Infektionen nicht mit absoluter Gewissheit verhindern lassen. "Das kann immer mal vorkommen", sagte er. Am vergangenen Sonntag hatte er sich gar für ein "sehr, sehr gewissenhaftes" Verhalten aller beim FC Bayern verbürgt. Man bewege sich weitgehend im engen Kreis. "Ich schütze mich, wie das jeder Spieler auch tut", erklärte Flick. Auch Fußballer hätten ein privates Umfeld und teilweise Kinder. Das Virus sei überall. Das ständige Testen decke immerhin Infektionen auf.

Das Gesundheitsamt hat Schweigepflicht

Auch Goretzka hatte sich nach Bekanntwerden seiner Infektion auf Twitter an die Fans gewandt und geschrieben: "Ich habe mich jederzeit an die Corona-Regeln gehalten. Dennoch bin ich positiv getestet worden."

Wie und wo genau sich die Profis ansteckten oder ob sie sich sogar gegenseitig infizierten, darüber lässt sich im Moment nur spekulieren. Gesundheitsämter dürfen über ihre Erkenntnisse keine Auskunft geben und der FC Bayern schweigt sich in dieser Angelegenheit aus.

Tatsache ist, dass sich Martínez und Goretzka irgendwann in den letzten Tagen im Januar infizierten und in der Folge in Quarantäne mussten. Sie haben die Infektion überstanden, laut Mitteilung des Vereins ohne Symptome zu zeigen, und trainieren mittlerweile wieder. Müller gehe es "ordentlich" und Pavard "gut", beide befinden sich in "häuslicher Isolation".

Auch beim VfL Wolfsburg hatte es Ende des vergangenen Jahres eine Häufung von Corona-Infektionen geben. Insgesamt beklagte das Team seit Juli 2020 neun Fälle. Zudem räumte die Klub-Führung ein Ende Dezember ein, dass vier Profis die Corona-Regeln missachtet hätten. Angeblich sollen sich vier Profis verabredet haben, um gemeinsam ein Fußball-Spiel zu sehen. Angesteckt hatte sich dabei allerdings keiner.

Das ist der Deal: Komplette Mannschaften müssen nicht in Quarantäne

Es ist das große Privileg, dass lediglich Spieler und unmittelbare Kontaktpersonen in Quarantäne müssen, niemals aber eine ganze Mannschaft. Das ist der Deal zwischen der Politik und dem Profi-Fußball, der gilt, solange die Vereine überzeugend darlegen, dass sie sich an die Vorgaben des Hygienekonzepts halten. Es ist allerdings unklar, wie engmaschig die Kontrollen der Gesundheitsämter sind. Der Fußball genießt auf jeden Fall einen großen Spielraum bei der Umsetzung der Vorgaben. Selbst offene Verstöße zogen in der Vergangenheit keine Konsequenzen nach sich.

Die Bayern müssen nun hoffen, dass nicht noch mehr Corona-Fälle auftreten. Die Ausfälle sind sportlich ärgerlich, weil wichtige Spiele anstehen: am Samstag in der Bundesliga gegen Verfolger Eintracht Frankfurt und am Dienstag in der Champions League gegen Lazio Rom. Goretzka und Martínez sind noch nicht wieder fit und Serge Gnabry und Douglas Costa fallen verletzt aus.

Quellen: DPA, Bayerischer Rundfunk, "Sportschau", "RP online", "kicker"


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