HOME

Stern Logo Stern-Stimmen

Hans Sarpei: Das ist der Terror, vor dem die Zuwanderer flüchten

Anhänger von Pegida oder der AfD nehmen die Anschläge von Paris zum Anlass, noch lauter gegen Flüchtlinge zu hetzen. stern-Stimme Hans Sarpei meint: Anstatt die Einwanderungspolitik zu überdenken, sollten wir uns im Kampf gegen den Terror lieber die Norweger zum Vorbild nehmen.

Blumen und Polizeiwagen vor dem Bataclan

Blumen vor dem Bataclan - der Konzerthalle, die zu den Schauplätzen des Terrors von Paris gehört

"Darkness cannot drive out darkness: only light can do that. Hate cannot drive out hate: only love can do that": Nur eins von vielen Zitaten des Menschenrechtsaktivist, Bürgerrechtlers und Friedensnobelpreisträgers King Jr., welches heute aktueller denn je ist. Sätze aus den 50er und 60er Jahren - einer Zeit, als Rassismus und Terror Alltag waren.

Heute sind wir längst in einem anderen Jahrtausend. Aber hat sich die Menschheit entscheidend weiterentwickelt, wenn das Mittelalter mit barbarischen Hinrichtungen nur wenige Tausend Kilometer und 3-4 Flugstunden entfernt ist? Haben wir den Kampf gegen Terror, Krieg, Rassismus gewonnen? Die Antwort ist: weniger denn je.

Europa soll ein Leben in Angst führen

Die schrecklichen Terrorakte von Paris waren kein Schlag gegen Frankreich, sondern Anschläge gegen ein vereintes Europa und ein Leben in Sicherheit und Freiheit. Jeder, der 128 Tote und 180 Verletzte, ist einer zuviel. Dass sich die Attentäter ausgerechnet ein Spiel des Fußball-Weltmeisters Deutschland gegen Frankreich aussuchten, offenbart das schreckliche Kalkül wenige Monate vor der Europameisterschaft - Europa soll nicht mit Paris trauern wie es bei Charlie Hebdo der Fall war. Europa soll ein Leben in Angst führen.

Während sich Pegida, AfD und andere nationalsozialistische Gedankenträger bereits die Hände reiben und die Gunst der Stunde nutzen, um gegen Flüchtlinge zu hetzen, spricht ein deutscher General wenige Stunden nach dem Terror in Paris bereits von einem Nato-Bündnisfall. Entwickelt sich Freitag, der 13., gar zum 9/11 für Europa? Dass Terror als Antwort auf Terror die schlechteste aller Antworten ist, zeigt sich bis heute in den Auswirkungen zu den Attentaten auf das World Trade Center.

Müssen wir als Konsequenz also die Flüchtlingspolitik überdenken, Grenzkontrollen und -zäune aufbauen und Menschen vor den Toren Europas sterben lassen, um ein Leben in Sicherheit zu führen? Leben Menschen hinter hohen Schutz-Zäunen zwangsläufig sicherer? Die Erfahrungen aus Nobelvororten in Brasilien, Südafrika & Co. belehren uns eines Besseren. Sind es nicht gerade die , die bei uns Schutz vor Terror, Krieg und Attentaten suchen? 

Wir sollten uns die Norweger zum Vorbild nehmen

Wenn wir Menschlichkeit nicht nur predigen, sondern auch leben wollen, sollten wir uns die Norweger zum Vorbild nehmen, die nach dem unfassbaren Terrorakt des rechtsextremen und islamfeindlichen Anders Breivik nicht härtere Sanktionen ausgerufen haben, sondern als ihre Antwort auf den Terror ausgaben: "Mehr Demokratie, mehr Offenheit, mehr Menschlichkeit."

Wir sollten uns die friedlichen Norweger als Vorbild nehmen. Nicht die USA.

Hans Sarpei

Wissenscommunity