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H. Sarpei: "Schwarzer Humor ..." Eine Verneigung vor dem Sportsmann Ronaldo

Sarpei Kolumne Ronaldo
Ronaldo, der Co-Trainer: Mit kaputtem Knie ausgewechselt, treib CR7 seine Mannschaft vom Spielfeldrand aus an
© Ian Langsdon/DPA
Ronaldo ist sterbender Schwan und Spaßvogel, er polarisiert und nervt mit Dauerinszenierung. Aber CR7 ist auch der kleine Junge aus Madeira, der seinen Traum vom Profi lebt. In seiner letzten Kolumne für den stern verneigt sich Hans Sarpei.

Was unterscheidet Oliver Kahn von CR7? CR7 ging 2016 vom Platz als er sah, dass er seiner Mannschaft nicht mehr sportlich helfen konnte. Oliver Kahn tat dies 2002 im Finale der WM nicht. Die Enden sind bekannt: CR7 wurde Europameister, Oliver Kahn wurde 2002 gegen Brasilien leider nicht Weltmeister.

Kahn hatte seinerzeit Deutschland mit seiner Begeisterung, Leidenschaft und seinem absoluten Siegeswillen im Turnier gehalten. Er war es, der 2002 neben Michael Ballack der absolute Superstar der DFB-Elf war. Ein Weltstar zwischen den Pfosten, der sich ausgerechnet vor dem Finale am Finger verletzte. Ein Kapselriss im Ringfinger der rechten Hand. Kahn verschwieg die Verletzung Teamchef Rudi Völler. Es folgte eine jahrelange Diskussion, ob er deshalb den Distanzschuss von Rivaldo in der 67. Minute nicht festhalten, nicht wegfausten konnte. Der Brasilianer Ronaldo staubte ab und traf wenig später zum zweiten Mal und zum Endstand von 2:0.

Ronaldo polarisiert überall auf der Welt

Heute, 14 Jahre später, ist der ehemalige Welttorhüter Oliver Kahn TV-Experte. Er war es, der CR7 während des Turniers scharf kritisierte: als Selbst-Inszenierer, als Marketing-Fritzen, der keine Sekunde auslässt, sein Produkt zu bewerben: Die Unterhose der Eigenmarke CR7, den stählernen Oberkörper, die exakt gegelte Frisur. Klar sind das Dinge, die einen nerven können, die Medien und Fans beeinflussen, die Gegner anstacheln. CR7 polarisiert. Die Marke CR7 polarisiert. Global. Auf dem Schulhof in Buxtehude, genauso wie in den Townships von Brasilien. Auf den Fußballplätzen genauso wie in den sozialen Netzwerken. Ronaldo ist Weltmarke und Weltfußballer.

Ronaldo ist aber noch mehr als das: Er ist nicht nur Social-Star, sondern auch sozialer Star, der sich wie kaum ein Fußballer karitativ engagiert. Der Fans Selfies gewährt, der mit Einlaufkids spielt, sich mit ihnen unterhält. Metze, der mit Ronaldo noch ein Jahr bei Real Madrid gespielt hatte, sagte mir einst: Der Junge ist täglich der Erste beim Training und der Letzte, der das Spielfeld verlässt. Der Extra-Schichten macht. Der Fitness-Leute engagiert, der alles für seinen Sport gibt - sein ganzes Leben. CR7 war und ist der kleine Junge aus Madeira, der geträumt hat, Profi zu werden, der es der Welt zeigen wollte. In jedem Moment. Bei jedem Freistoß, bei jedem Zweikampf. Er ist selbst sein größter Kritiker, selbst sein größter Gegner.

Er ist der Grund, warum Spieler gerne Stürmer werden wollen

Sonntagabend haben wir alle Ronaldos in einer Person gesehen: Den kleinen Jungen, den Vollblutprofi, den sterbenden Schwan, den Pfau, den leidenschaftlichen Fan, den Co-Trainer, den Team-Spieler und Einzelgänger, die Marke. CR7 hat dieses Turnier geprägt. Weniger sportlich, am meisten als Person. Er ist der Grund, warum Spieler lieber Stürmer werden als Verteidiger.

Ich verneige mich heute vor einem Sportsmann. Vor einem, der Geschichte schießt. Täglich.

Euch allen eine sportliche Woche

Hans

PS. Mit der Euro 2016 endet auch meine Zeit als stern-Stimme. Ab der kommenden Saison werde ich in einem anderen Medium meine Kolumnen schreiben. Danke Euch allen für eine spannende Zeit, es hat Spaß gemacht! 


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