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Weltfußballer: Ronaldo ist besser als Messi - Geschichte eines Schicksalssommers

Der Sommer 2016 war ein Sommer der Entscheidungen für Cristiano Ronaldo und Lionel Messi. Der eine hat sich durchgebissen, der andere hat aufgegeben. Geschichte über zwei Weltfußballer - und wie sich die Wahrnehmung zugunsten von Ronaldo ändert.

Cristiano Ronaldo und Lionel Messi: Die Wahrnehmung hat sich verändert

Cristiano Ronaldo und Lionel Messi: Die Wahrnehmung hat sich verändert

Oft sind es die Bilder, die von großen Turnieren oder Karrieren bleiben. Die Bilder dieser EM zeigen häufig Ronaldo. Ronaldo, wie er sich verletzt windet und weinend vom Platz getragen wird. Ronaldo, wie er den Pokal in den Himmel reckt. Ronaldo, wie er humpelnd in der Coaching Zone umherhetzt, wild gestikulierend seine Mitspieler dirigiert und halb wahnsinnig vor Glück seinen Trainer zu zerquetschen droht. Das sind die Bilder, die vom Sommer 2016 des Cristiano Ronaldo bleiben werden.

Die Bilder, die vom Sommer 2016 des Lionel Messi übrig bleiben werden, sind andere. Messi mit hängendem Kopf. Messi, der den Kopf im eigenen Trikot vergräbt. Messi, der im Finale der Copa America den Elfmeter verschießt und dann fluchtartig aus der Nationalmannschaft zurücktritt.

Es wird einem Fußballer nicht gerecht, seine Größe allein an Titeln ablesen zu wollen. Aber die vergangenen Monate werden zu einer Art Schicksalssommer in den Karrieren von Ronaldo und Messi. Seit Jahren gelten diese beiden nicht nur als die Besten des Weltfußballs, sondern auch menschlich als Gegensätze, die Sympathien waren ebenso klar verteilt wie die Rollen. Ronaldo, das war der oft arrogant und kotzbrockig wirkende Schnösel, dem vor allem die "Ich-schau-nur-EM-oder-WM"-Zuschauer einhellig attestierten, zu sehr auf gute Mitspieler angewiesen und ganz überhaupt überschätzt zu sein. Bei Messi waren sich alle einig: Messi, das ist das stille Genie. Wenn Ronaldo und Portugal bei einem großen Turnier scheiterten, hieß es: War ja klar. Wenn Messi mit Argentinien scheiterte, hieß es: Nicht mal er konnte sie retten.

Sportliche und menschliche Niederlagen für Messi

Der Sommer 2016 hat die Verhältnisse verschoben. Er hat gezeigt, dass Ronaldo - zumindest im Moment - der bessere Spieler von beiden ist. Der Sommer 2016 hat Ronaldo größer als Messi gemacht, und es ist weniger ein Sieg des fußballerischen Könnens. Es ist ein Sieg des Willens.

Am 28. Mai, kurz vor Mitternacht, verwandelte Ronaldo im Flutlicht des Giuseppe-Meazza-Stadions in Mailand den letzten Elfmeter im Champions-League-Finale gegen Atletico Madrid. Der Stürmer riss sich das Trikot vom Leib, was natürlich hämische Kommentare in allen sozialen Netzwerken nach sich zog, und sank zu Boden. Ronaldo war - ebenso natürlich - zum entscheidenden Elfmeter angetreten, was ihm viele als Arroganz auslegten. Aber auch das ist eben eine Stärke: Im entscheidenden Moment da zu sein.

In der Nacht zum 27. Juni nahm Messi einen kurzen Anlauf und schoss den Ball in den Himmel über New York. Es war das Finale der Copa América und auch dieses Spiel war ins Elfmeterschießen gegangen. Messi verschoss, vergrub seinen Kopf im eigenen Trikot, wenige Minuten später stand Chile als Sieger fest. Der Argentinier riss sich die Kapitänsbinde ab und trat aus der Nationalmannschaft zurück - im Alter von 29 Jahren.

Am 6. Juli kam zur sportlichen noch eine menschliche Niederlage dazu. Wegen Steuerhinterziehung in Höhe von 4,1 Millionen Euro wurde Messi in Spanien zu 21 Monaten Haft verurteilt. Ausgerechnet Messi, der sich sonst nie etwas zuschulden kommen lassen hatte und - ohne es je bewusst zu forcieren - stets als das perfekte Vorbild galt.

Ronaldo hat nie aufgegeben

Auch Ronaldo hat bittere Niederlagen mit der Nationalmannschaft erleben müssen. Das verlorene EM-Finale 2004 im eigenen Land hat ihn immer verfolgt, bei der WM 2014 wurden die Portugiesen schon in der Gruppenphase vom späteren Weltmeister Deutschland vermöbelt - aber die Enttäuschungen haben etwas anderes mit Ronaldo gemacht. Sie haben ihn stets angetrieben, haben ihn nun im Finale dazu gebracht, die Mitspieler mitzureißen. Auch Ronaldo hat bei dieser EM einen Elfmeter verschossen, aber er hat diesen Rückschlag ebenso verarbeitet wie seine Verletzung im Endspiel. Er hat nie aufgegeben, bis das Team seinem Land den heißersehnten Titel endlich gesichert hatte.

Ronaldo war in diesem Sommer da, wenn man ihn brauchte, selbst wenn er nicht auf dem Platz stand. Messi nicht. Der Argentinier hat nicht nur bittere sportliche Niederlagen mitgenommen, sondern ist auch menschlich ins Kreuzfeuer geraten.

Natürlich ist das nur eine Momentaufnahme. Im Fußball spielt das Glück entscheidender mit als in vielen anderen Sportarten, in der Gruppenphase stand Portugal kurz vor dem Ausscheiden, das Team hat sich durch knappe Spiele, Verlängerungen und Elfmeterschießen ins Ziel gekämpft. Aber auch das ist eine Qualität. Ronaldo ist gewachsen mit den Jahren, er ist zum Kapitän gereift. Er hat mit seinem Willen mehr als wettgemacht, was Messi ihm an Talent voraus haben mag. 

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