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H. Sarpei: "Schwarzer Humor und ...": Endlich Fußball-Auszeit!

Bayern hat im Pokalfinale Dortmund geschlagen. Doch was bleibt von dem Fußballabend in Berlin? Nicht viel, meint Hans Sarpei. Es wird höchste Zeit, den Fußball-Akku neu aufzuladen.

Nach dem DFB-Pokalfinale gibt es endlich ein paar Wochen Fußball-Pause. Höchste Zeit, die Akkus vor der EM aufzuladen.

Nach dem DFB-Pokalfinale gibt es endlich ein paar Wochen Fußball-Pause. Höchste Zeit, die Akkus vor der EM aufzuladen.

Zum 32. Mal fand gestern Abend das Pokalfinale in Berlin statt. Längst hat sich die Spielstätte zum deutschen Wembley entwickelt. Der Pokal, der seine eigenen Gesetze hat, ist zum Showdown, zum Aufeinandertreffen der Besten geworden. 2011 durfte ich mit Schalke im Finale noch gegen Duisburg spielen und 5:0 gewinnen, seitdem kam es dreimal im Finale zum Duell der beiden besten Mannschaften der Bundesliga: Bayern gegen Dortmund. Auch der gestrige Abend versprach ein Leckerbissen zu werden. Er wurde es, jedenfalls wenn man Taktikfan ist.

Rasenschach und Umstellwahn

Bayerns Überlegenheit machte sich durch die hohe Ballbesitzdominanz bemerkbar, Dortmund stand tief und setzte auf schnelle Konter. 70 Prozent Ballbesitz für die Bayern, nur 30 Prozent für die Borussia. Spieldaten untermauern, was man am vor Ort oder am Fernsehen sieht.

Der Kicker spricht heute von Rasenschach und einem hohen Puls in der Nachspielzeit, die Jungs von Spielverlagerung sogar von einem Umstellungswahn bei den Dortmundern, die mit einer sehr defensiven Aufstellung und einem 5-3-2, also fünf Abwehrspielern, 3 Mittelfeldakteure und 2 Stürmern begannen. Der angerührte Beton, wie es im Fußball heißt, hielt 120 Minuten, aber kein Elfmeterschießen stand.

Es sind die kleinen Dinge, die Spiele wie das gestrige entscheiden. Riberys Tätlichkeit, die der Schiedsrichter nicht sah. Letzte Pässe und Abschlüsse, die ihr Ziel verfehlten oder von Krämpfen geplagte Spieler, die danach nicht mehr das Maximum abrufen oder wie Mats Hummels ausgewechselt werden müssen.


Ladepause für den Fußball-Akku

Dortmunds Trainer, sonst sehr ruhig, fand deutliche Worte und bemängelte die Leistung seines Kapitäns bei seinem letzten Spiel für den BVB und seine eigene bei der Reihenfolge der Elfmeterschützen. Für mich war es nicht die Reihenfolge, sondern die Nominierung: Mit Bender und Sokratis mussten zwei Spieler zum Punkt, die noch nie in ihrer Karriere zu einem Elfmeterschießen angetreten sind. Und das in einem Finale. Manuel Neuer wusste mit rotierenden Armen, mit Schritten auf und hinter der Linie, die beiden noch mehr zu verunsichern.

Was bleibt vom gestrigen Pokalabend? Für mich nicht viel. Und um ehrlich zu sein, ich bin sogar froh, dass wir mit Ausnahme des Champions-League-Finales jetzt eine kleine Fußballpause einlegen. Jeden Tag Fußball seit dem Start der Rückrunde, jeden Tag Spiele im TV oder Spieler- und Trainer-Transfergerüchte auf allen Kanälen. Ich bin müde, medial overloaded.

Ich weiß nicht, wie es Euch geht, aber ich werde die nächsten drei Wochen Pause nutzen, um den Fußball-Akku wieder aufzuladen. Ich will mich auf die EM freuen, gerade dafür braucht es jetzt mal eine Auszeit.

Euch allen eine sportliche Woche

Hans


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