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Athen 2004 Länder: Generalprobe für 2008

Mit 400 Athleten schickt China soviele Sportler wie noch nie nach Athen, die vor allem Erfahrung sammeln sollen für das eigentliches chinesische Sportevent des Jahrzehnts: Olympia 2008 in Peking.

Die Olympischen Spiele in Athen sind für China eine Generalprobe für 2008, wenn die Spiele erstmals im Reich der Mitte ausgetragen werden. Mit 400 Athleten schickt das bevölkerungsreichste Land der Erde mehr Sportler als je zuvor zu Sommerspielen. "Die Teilnahme an den Olympischen Spielen in Athen dient der Vorbereitung für 2008", sagt Xia Tan, der Vizedirektor der nationalen Sportverwaltung in Peking. "Wir müssen die Mannschaften ausprobieren, die Trainer und die Sportfunktionäre." Anders als früher wird diesmal jede Sportart besetzt. Viele junge Aktive reisen nach Athen. Die Hälfte von ihnen könnte 2008 noch einmal antreten.

"Erfahrung sammeln

Der Cheftrainer der Leichtathleten, Feng Shuyong, berichtet, dass viele Athleten nominiert wurden, die Entwicklungsmöglichkeiten haben und sich in den nächsten vier Jahren noch verbessern können. Die Spiele in Athen seien eine gute Gelegenheit, Erfahrungen zu sammeln. "Gleichzeitig probieren wir mehr junge Athleten aus, um 2008 einen Durchbruch zu schaffen."

Hoffnung auf Turner

Er rechnet in diesem August nicht unbedingt mit Medaillen für sein vergleichsweise schwaches, 50-köpfiges Leichtathletik-Team. Doch traditionell ist China stark im Schwimmen, Turmspringen, Gewichtheben, Judo und Tischtennis. Hoffnungen ruhen außerdem auf Turnern, Schützen und Badminton-Spielern.

Hohe Geldprämien

Insgesamt ist das Ziel hoch gesteckt. In Athen sollen auf jeden Fall mehr Medaillen als die 59 geholt werden, die es vor vier Jahren in Sydney gab. Mit 28 Olympiasiegen lag China damals auf Platz drei des Medaillenspiegels. Als Anreiz für die Sportler winken Geldprämien, deren Höhe die Pekinger Sportverwaltung in Peking aber noch nicht verraten will. Sie dürften in etwa den Prämien der Sydney- Spiele 2000 entsprechen: 150 000 Yuan (15 000 Euro) für Gold, 80 000 Yuan (8000 Euro) für Silber und 50 000 Yuan (5000 Euro) für Bronze. Dazu kommen zusätzliche Prämien in den Heimatprovinzen. Doch noch interessanter sind mögliche Werbeverträge oder lukrative Geld- und Sachgeschenke durch große Unternehmen, die sich gerne mit Olympiasiegern populärer Sportarten schmücken.

2008 im Blick

Zur Vorbereitung auf Athen, aber auch mit Blick auf 2008, lernen Chinas Sportler Englisch. Ähnlich sind Pekings Taxifahrer, die Angestellten von Restaurants und anderen Dienstleistungsunternehmen aufgerufen, die Zeit bis 2008 zu nutzen, um ihr Englisch aufzupolieren. Noch bevor es in Athen los geht, ist in der chinesischen Hauptstadt längst vorolympisches Fieber zu messen - alles mit Blick auf 2008. Überall sind olympische Ringe und das Pekinger Logo zu sehen. Große Computer- und Autofirmen werben mit Olympia 2008. Während in Athen befürchtet werden musste, dass die Sportstätten nicht fertig werden könnten, wird in Peking heute schon fleißig gebaut und Altes abgerissen, werden Bahnlinien gelegt, Straßen verbreitert - als wenn Bauen eine eigene olympische Disziplin wäre.

Viele Chinesen können es kaum erwarten, dass die olympische Flagge am 29. August in Athen eingeholt und nach Peking gebracht wird. Damit kein Schatten auf die großen olympischen Ambitionen Chinas fällt, führen die Sportbehörden einen scharfen Kampf gegen das Doping. Im vergangenen Jahr wurden 18 Athleten bestraft, in diesem Jahr gab es bislang vier positive Testergebnisse, ohne dass die Identität der Sportler enthüllt wurde. «Die Maßnahmen sind sehr wirksam», findet Trainer Feng Shuyong: «Aber es gibt immer noch einige Leute, die sich mit Doping einen Vorteil verschaffen wollen.»

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