Dopingverdacht Motorradunfall statt Urinprobe


Zwei bekannte griechische Sportler erschienen gestern nicht zur angesetzten Dopingkontrolle. Sofort brodelte die Gerüchteküche. Ihre Erklärung: Sie hatten einen Unfall, mussten ins Krankenhaus.

Die beiden des Dopings verdächtigten griechischen Sportstars Kostas Kenteris und Ekaterina Thanou hatten am Donnerstag einen Motorradunfall. Wie der Präsident des Griechischen Leichtathletik-Verbandes (SEGAS), Vasilis Sevastis, bestätigte, ereignete sich das Unglück in der Nacht zum Freitag in Athen, als die beiden von einem Besuch bei ihrem Trainer Chistos Tsekos auf dem Rückweg ins Olympische Dorf mit dem Motorrad ihres Coachs aus unbekannter Ursache stürzten. Keneteris hatte die Maschine gefahren, Thanou saß hinter ihm. Beide wurden nicht ernsthaft verletzt, aber in ein Krankenhaus gebracht. Der Unfall habe sich ereignet, kurz nachdem die beiden Spitzensportler nicht zu einer Dopingkontrolle gekommen waren.

24 Stunden vor der Eröffnung in Athen erschienen der 200 Meter-Olympiasieger Kenteris und Sprint-Europameisterin Thanou am Donnerstag nicht zu einer Doping-Kontrolle. Bisher nicht aufgeklärt sind die Gründe dafür. Das Internationale Olympische Komitee (IOC) teilte in der Nacht zum Freitag mit, dass es seine Disziplinarkommission einberufen hat. Sie soll unter dem Vorsitz des deutschen IOC-Vizepräsident Thomas Bach prüfen, ob eine Verletzung der olympischen Anti-Doping-Regeln vorliegt. Offen blieb, wann die Kommission zusammenkommen wird.

Verweigerung oder Versäumnis

Zu klären wird vor allem sein, ob die Athleten die Kontrolle vorsätzlich verweigert haben oder nur versäumt haben. Eine Testverweigerung wird wie eine positive Kontrolle gewertet und mit einer zweijährigen Sperre geahndet. Dagegen zieht ein versäumter Test nur eine Verwarnung nach sich. Eine Anhörung der Sportler soll zur Aufklärung der Umstände dieser pikanten Affäre beitragen. "Wir gehen davon aus, dass das IOC die Sache neutral betrachten und Griechenland nicht absichtlich Schaden zufügen wird", sagte der griechische Chef de Mission, Ioannis Papadogiannakis, fügte aber an: "Egal, ob Griechenland Gastgeber der Spiele ist: Die Regeln müssen eingehalten werden."

Für den Leichtathletik-Weltverband IAAF galt zunächst die Unschuldsvermutung. "Die Athleten konnten nicht informiert werden. Der Teamleiter berichtete, das er sie nicht finden konnte. Es liegt bislang kein Beweis vor, dass dies als eine Verweigerung eines Doping-Tests interpretiert werden kann", erklärte IAAF- Generalsekretär Istvan Gyulai.

Sportstars waren nicht im Athletendorf

Nach Angaben des IOC haben seine Kontrolleure Olympia-Teamchef Papadogiannakis die Einbestellung von Kenteris und Thanou unmittelbar nach ihrem Eintreffen am Donnerstagnachmittag im Olympischen Dorf überbracht. Doch er habe die Sportler nicht in ihrem Zimmer vorgefunden. Beiden sei eine Zwei-Stunden-Frist eingeräumt worden, um in der Athletendorf-Klinik zur Urin-Abgabe zu erscheinen. Stattdessen soll das griechische Duo das Dorf wieder verlassen haben.

Papadogiannakis habe daraufhin dem IOC und der Welt-Antidoping-Agentur (WADA) schriftlich mitgeteilt, dass Kenteris und Thanou vor Ablauf der Frist nicht auffindbar gewesen seien. Sie sollen das Athletendorf verlassen haben, um in ihren Athener Wohnungen noch Sachen zu holen, und erst gegen 20.30 Uhr wieder aufgetaucht sein. Die Teamführung der Griechen habe daraufhin beantragt, beide doch noch zu testen.

"Unsichtbarer Adonis"

Die beiden Sprinter sollen sich zuletzt in Chicago zum Training aufgehalten haben und waren nach Angaben von Kenteris-Trainer Christos Tzekos vorzeitig nach Griechenland zurück gekehrt. Bei einem Zwischenstopp in Deutschland soll sich Kenteris wegen Verletzungsproblemen medizinisch behandelt haben lassen.

Eigentlich sollte Kenteris nach Angaben eines NOK-Sprechers nicht einmal zur Eröffnungsfeier am Freitag zurück erwartet werden, obwohl er als heißer Kandidat für die Entzündung des Olympischen Feuers galt. Kenteris kandidiert für die Athletenkommission des IOC und könnte bei der Wahl in Athen als einer der vier Stimmbesten in das IOC aufgenommen werden. Kenteris hat der Leichtathletik-Welt immer wieder Rätsel aufgegeben, weil er abgesehen von wenigen Ausnahmen fast nur bei Großereignissen auftauchte und sich damit den Spitznamen "Unsichtbarer Adonis" verdiente. Bei den Olympischen Spielen 2000 sorgte er mit seinem Sieg für eine Sensation. 2001 wurde er Weltmeister und 2002 Europameister in München. Auf die WM 2003 verzichtete er wegen einer Verletzung.

Der 200-m-Olympiasieger und die 100-m-Europameisterin sollen am Freitag von der Disziplinarkommission des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) angehört werden.

DPA DPA

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