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Halbfinal-Countdown: Handballer heiß aufs Finale

Gold klar im Blick: Nach dem dramatischen Viertelfinal-Sieg gegen Spanien ignorieren die deutschen Handballer alle Schmerzen für das große Ziel. Trotz Verletzung will Kapitän Baur im Halbfinale gegen Russland auf jeden Fall spielen.

Markus Baur plagen nach einem Sturz auf das Gesicht noch Kopfschmerzen, doch für das große Ziel Olympia-Finale beißt der Kapitän wie seine Kollegen auf die Zähne. Im Halbfinale gegen Russland will der angeschlagene Rückraumspieler vom TBV Lemgo am Freitag (15.30 Uhr) seinen Teil dazu beitragen, dass die Gold-Mission der deutschen Handballer nicht vorzeitig endet. Durch einen Sieg gegen Olympiasieger Russland wollen die Europameister erstmals seit 1984 wieder den Einzug ins Olympia-Finale schaffen. Damals hatte die Bundesrepublik in Los Angeles Silber geholt. Der letzte deutsche Olympiasieg gelang der DDR 1980 in Moskau.

Mit letzter Kraft ins Finale

"Ich will olympisches Gold", gab Kreisläufer Christian Schwarzer die Devise aus. Nach dem dramatischen und Kräfte zehrenden Viertelfinal-Sieg gegen Spanien hingen die deutschen Spieler am Donnerstag zwar am Tropf, um mit Infusionen den Akku wieder aufzuladen. Doch Baur und Co. sind heiß auf das Finale und ignorieren alle Schmerzen. Die Verletzung des Kapitäns erwies sich als nicht so dramatisch. "Es ist kein Schleudertrauma", teilte der Deutsche Handball-Bund (DHB) am Donnerstag mit.

Statistik spricht für Brandts Jungs

Die Statistik gegen den dreifachen Olympiasieger und Weltmeister spricht mittlerweile für das DHB-Team. In 36 Spielen gewannen die Deutschen 18 Mal, trennten sich vier Mal unentschieden und mussten 14 Niederlagen hinnehmen. Das letzte olympische Duell entschieden Kretzschmar und Co. in der Vorrunde von Sydney 2000 mit 25:23 für sich.

"Spiele gegen Russland haben immer ihren Reiz, zudem kennen wir uns aus der Bundesliga sehr genau", sagte Torhüter Henning Fritz. Der Schlussmann vom THW Kiel wird wie schon im Siebenmeter-Krimi gegen Spanien besonders im Mittelpunkt stehen. Dabei kommt es für ihn zu einem Wiedersehen mit dem russischen Spielmacher Oleg Kuleschow, mit dem er 2000 beim SC Magdeburg deutscher Meister geworden war. Auch auf Schwarzer wartet in dem russischen Torwart Andrej Lawrow ein Kollege aus alten Tagen beim TV Niederwürzbach.

"Bei unserer Mannschaft sind einige langsam in die Jahre gekommen. Daher kommt uns der Spielmodus sehr entgegen. Bei der EM mussten wir acht Spiele in zehn Tagen bestreiten. Nun können wir uns richtig regenerieren", sagte Schwarzer, der wie seine Mitstreiter einen enormen Substanzverlust nach dem dramatischen Spanien-Spiel hatte. Daher stand am Donnerstag nur ein entspannter Lauf durch das Olympische Dorf auf dem Programm. Am Abend suchten die Handballer Ablenkung beim Besuch der olympischen Leichtathletik-Entscheidungen und des Deutschen Hauses.

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