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Olympia im TV: Der 900-Stunden-Marathon

ARD und ZDF sind bereit für die Olympischen Spiele in Peking. Dabei setzen die Öffentlich-Rechtlichen beim Kampf um die Quoten verstärkt auf eigene Reporter - vertrauen dabei aber auf zwei ganz unterschiedliche Konzepte.

Während die gemeinsam genutzte Technik im International Broadcasting Center (IBC) in Peking den letzten Schliff erhält, wächst bei den Sendern die Spannung, wie die Fernsehzuschauer in der Heimat den olympischen TV-Marathon aufnehmen. Insgesamt 900 Stunden stehen von Freitag an bei ARD/ZDF und ihren vier digitalen Kanälen auf dem Programm. Von 2 Uhr in der Nacht bis gegen 18 Uhr am frühen Abend laufen im Tageswechsel die Live-Übertragungen. Richtig interessant werden aber die Tages-Zusammenfassungen danach.

"Die ARD fasst das Geschehen in Olympia-Extra von 18.00 bis 19.50 Uhr zusammen. An ZDF-Sendetagen läuft die Zusammenfassung Olympia Highlights von 20.15 bis 21.45 Uhr. Die Quoten werden zeigen, welches Konzept besser ankommt", erläuterte ARD/ZDF-Teamchef Walter Johannsen die Planungen der öffentlich-rechtlichen Sender.

Verzicht auf Experten-Flut

Wie bei der Fußball-EM fällt auch die Präsentationsform unterschiedlich aus. Die ZDF-Moderatoren Katrin Müller-Hohenstein und Johannes B. Kerner begrüßen die Sportler des Tages live zur besten Sendezeit im Deutschen Haus im "Kempinski"-Hotel Peking. ARD-Mann Reinhold Beckmann moderiert die Zusammenfassung aus dem Studio im internationalen Pressezentrum IBC.

Beim olympischen Quoten-Wettstreit, bei dem der Spartenkanal Eurosport mit einer 24-Stunden-Berichterstattung mitmischt, vertrauen ARD/ZDF zunehmend der Fachkompetenz der eigenen Reporter. "Wir haben bewusst nur Franziska van Almsick als Expertin in unserem Team", sagte Johannsen für die ARD. Die Mainzer schicken in Roland Baar (Rudern), Birgit Fischer (Kanu), Christian Keller (Schwimmen) und Ronny Ziesmer (Turner) vier ehemalige Sportler ins Rennen.

Gleich 25 Experten bietet Eurosport für seine europaweiten Übertragungen auf, darunter Olaf Winter (Kanu) und Marc Huster (Gewichtheben).

Nach diversen Problemen beim Aufbau der technischen Infrastruktur, der laut Johannsen einem "heldenhaften Kampf gegen Windmühlen der chinesischen Bürokratie" glich, ist die Zuversicht groß, dass mit Beginn der Spiele alle Leitungen stehen und funktionieren. "Es ist viel Geduld notwendig, wenn unsere Kameraleute von einen Tag auf den anderen neben dem Sticker für die Kamera auch einen Sticker für das Stativ benötigen", erläuterte der ARD/ZDF-Teamchef die Probleme für die rund 400 Mitarbeiter aus Redaktion und Technik. "Wir können aber nur auf die Missstände verweisen und um Nachbesserung bitten."

Eröffnungsfeier als Generalprobe

Die Eröffnungsfeier ist gleichzeitig die Generalprobe für die Öffentlich-Rechtlichen. Vor vier Jahren in Athen war sie die meist gesehene Olympia-Sendung. Das Erste will mit eigenen Kameras im Nationalstadion vertreten sein, um auch auf unerwartete Vorfälle reagieren zu können. Das sogenannte Weltbild wird nicht von den Chinesen, sondern von einer Tochterfirma des IOC produziert. Damit ist - siehe das Beispiel Fußball-EM - aber auch die Möglichkeit verbunden, dass unerwünschte Szenen nicht gezeigt werden.

Balanceakt am Mikrofon

Am Mikrofon wartet auf die Reporter Sandra Maischberger und Ralf Scholt eine große Herausforderung. Sie müssen die Eröffnungsfeier kommentieren, mit Sicherheit eine perfekt inszenierte, farbenfrohe Aufführung, und sollen dabei Themen wie Tibet, Doping, Menschenrechte oder Internetzensur nicht unter den Tisch fallen lassen.

Diesen Balanceakt müssen beim Weltereignis Olympia letztlich alle TV-Leute vollführen - sogar "Waldi & Harry". Der mitternächtliche ARD- Olympiatalk mit Waldemar Hartmann und Harald Schmidt - Oliver Pocher hat Sendepause - geht erstmals am Samstag (23.10 Uhr) auf Sendung.

DPA / DPA

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