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Verunglückter Rodler: "Ich werde siegen oder sterben"

Teamkollegen und Offizielle haben mit einer "herzzerreißenden" Trauerfeier Abschied von Nodar Kumaritaschwili genommen. Kurz vor seinem tödlichen Unfall hatte der Rodler aus Georgien seinem Vater noch von seinen Ängsten vor der Speedstrecke berichtet.

Bewegender Abschied von Nodar Kumaritaschwili: Bei einer privaten Trauerfeier in Vancouver waren Teamkollegen und Offizielle dem tödlich verunglückten georgischen Rennrodler noch einmal ganz nah. 50 Personen nahmen am offenen Sarg Abschied, darunter der Onkel des Toten und drei Teamkollegen, die bereits mit Nodar Kumaritaschwili zur Schule gegangen waren. "Das war extrem schwierig und herzzerreißend", sagte John Furlong, Chef des Olympia-Organisationskomitees VANOC, auf einer Pressekonferenz. Draußen hätten viele Menschen mit Blumen und Kerzen gestanden. Er selbst war einer der acht Sargträger.

Nach der kurzen Zeremonie in einem Bestattungsinstitut der Olympia-Stadt wurde der Sarg mit dem Leichnam begleitet von einer Motorrad-Eskorte zum Vancouver International Airport gebracht, von wo er noch am Montagnachmittag über Frankfurt/Main und München in sein Heimatland geflogen werden sollte.

Georgiens Staatspräsident Michail Saakaschwili bedankte sich bei allen Kanadiern für die Anteilnahme. "Ich habe viel über das Wesen der Kanadier gelesen, über die Art zu leben und mitzufühlen. Jetzt habe ich es aus erster Hand erfahren dürfen", sagte Saakaschwili: "Egal, wie viele Medaillen gewonnen werden, die Winterspiele von Vancouver werden als Spiele der Solidarität und Menschlichkeit in die Geschichte eingehen."

"Papa, ich habe wirklich Angst vor der Kurve"

Zuvor hatte der Vater des am Freitag unter tragischen Umständen verunglückten Sportlers aus einem der letzten Gespräche mit seinem Sohn berichtet. "Er sagte mir, ich werde entweder siegen oder sterben" verriet David Kumaritaschwili in Georgien der US-Nachrichtenagentur Associated Press. "Das war eher jugendlicher Übermut", schränkte er ein. "Er kann das mit dem Tod nicht ernst gemeint haben."

Offensichtlich hatte sein Sohn bereits vor seinem Unfall starke Bedenken, auf der Hochgeschwindigkeitsstrecke in Whistler zu starten. "Er sagte mir, Papa, ich habe wirklich Angst vor der Kurve", erinnerte sich David Kumaritaschwili an die Worte des Athleten, der nur 21 Jahre alt wurde. Als ehemaliger Rennrodler habe er seinem Sohn gesagt: "Sei am Start einfach ein bisschen langsamer." Nodar habe ihm aber entgegnet: "Papa, was sagst Du mir da? Ich bin nach Olympia gekommen, um zu versuchen zu gewinnen."

Unfall-Ermittlungen laufen

Nodar Kumaritaschwili war am Freitag mit schätzungsweise 145 Stundenkilometern während des Trainings gestürzt, aus der Bahn geschleudert und gegen einen Stahlträger geprallt. Er überlebte den verheerenden Unfall nicht. "Ich kann noch immer nicht ganz realisieren, dass er tot ist", sagte Vater David. Der 46-Jährige will sich die Bilder des Unfalls nie ansehen. An mangelnder Erfahrung kann es nicht gelegen haben, denn Nodar trainiere seit seinem 14. Lebensjahr. "Er ist auf Strecken in Frankreich, Österreich und Kanada gefahren." Jeder könne einen Fehler machen und sich ein Bein brechen. "Aber sterben?"

Derzeit ermitteln die zuständigen kanadischen Behörden noch die Umstände des Unglücksfalls auf der superschnellen Bahn. Bereits am Tag nach dem Todessturz wurde in der Eisrinne im Whistler Sliding Centre wieder trainiert; am Samstag begannen die Männer mit ihrem Einsitzer-Wettbewerb allerdings vom Frauen-Start aus. In drei Jahren sollen auch die Rodel-Weltmeisterschaften in Whistler stattfinden.

DPA/SID / DPA

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