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Deutsches Olympiateam: Sexvorwürfe gegen Schwimmtrainer

Ein deutscher Olympia-Schwimmtrainer soll sich 18 Mal an einer minderjährigen Schwimmerin vergangen haben. Der Vorfall ist bereits einige Jahre her, doch jetzt muss er sich vor Gericht verantworten.

Ein Schwimmtrainer der deutschen Olympia-Mannschaft muss sich kommende Woche wegen sexuellen Missbrauchs von Schutzbefohlenen vor dem Kieler Amtsgericht verantworten. Oberstaatsanwalt Axel Bieler bestätigte einen entsprechenden Bericht der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Die Anklage wirft dem Mann vor, sich von August 2004 bis März 2006 in 18 Fällen an einer damals minderjährigen Schwimmerin vergangen zu haben. Der Verteidiger des Trainers, Kai Dupre, wies die Vorwürfe der Anklage auf Anfrage der Nachrichtenagentur DPA zurück.

Laut Staatsanwaltschaft nutzte der Mann das besondere Betreuungsverhältnis als Trainer zu der jungen Sportlerin aus. Die Frau ist in dem Verfahren Nebenklägerin. Dagegen sagte Anwalt Dupre der DPA, dass im Prozess geklärt werden müsste, ob tatsächlich ein Betreuungsverhältnis bestanden habe. "Dies ist rechtlich nicht so eindeutig", sagte der Anwalt. Der Angeklagte hat sich bis zum Zeitpunkt der Anklageerhebung nicht zu den Vorwürfen geäußert, sagte Oberstaatsanwalt Bieler.

Für die Funktionäre gilt die Unschuldsvermutung

Die Präsidentin des Deutschen Schwimmverbands (DSV), Christa Thiel, sagte, keine Kenntnis von den Vorwürfen zu haben. "Ich kann dazu nichts sagen, weil ich davon nichts weiß", so die Rechtsanwältin in London. "Ich kann keinen vorverurteilen, weil ich die Aktenlage nicht kenne." Der Generalsekretär des DSV, Jürgen Fornoff, reagierte konsterniert. Wären die Vorwürfe vor den Spielen bekannt gewesen, wäre der Mann nicht mitgenommen oder nominiert worden. "Bis zum Beweis des Gegenteils gilt für uns weiterhin die Unschuldsvermutung", sagte Fornoff.

So argumentiert auch Michael Vesper, deutscher Chef de Mission in London: "Ich habe erst gestern davon erfahren. Zwar gilt in 'dubio pro reo'. Aber wenn wir eher davon erfahren hätten, hätten wir gegen ihn entschieden und ihn zu Hause gelassen", sagte Vesper. Weder der Deutsche Olympische Sportbund noch der Heimverein des Trainers seien über das Gerichtsverfahren informiert worden. "Ich habe mit ihm (dem Trainer, d. Red.) noch nicht gesprochen. Aus meiner Sicht hat er Urlaub. Wir warten erst mal ab, wie sich das entwickelt", sagte DSV-Leistungssportdirektor Lutz Buschkow.

War der sexuelle Kontakt einvernehmlich?

Laut Anklage kam es 2004 auf Kreta bei einem gemeinsamen Urlaub zu einem ersten sexuellen Kontakt zwischen dem Trainer und der jungen Frau, wie die "Neue Osnabrücker Zeitung" berichtete. Der Urlaub habe mit Zustimmung der Eltern stattgefunden, sagte Bieler. Die Staatsanwaltschaft sei überzeugt, dass der sexuelle Kontakt zwar einvernehmlich stattfand, aber unter Ausnutzung des Betreuungsverhältnisses als Schwimmtrainer.

Nach Darstellung des Anwalts war die junge Schwimmerin zum Zeitpunkt des ersten sexuellen Kontaktes bereits über 16 Jahre alt gewesen. "Wenn das Gericht in der Beweisaufnahme zu dem Schluss käme, der sexuelle Kontakt war einvernehmlich und es habe kein besonderes Betreuungsverhältnis bestanden, dann bliebe mein Mandant straflos," sagte Dupre. Nach seinen Worten sei "einiges noch ungereimt". Es müsse im Verfahren auch geklärt werden, warum erst 2009 eine Strafanzeige erstattet worden sei. In dem Jahr hatten die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft begonnen. Im September 2011 wurde Anklage erhoben, sagte Oberstaatsanwalt Bieler.

Das Schöffengericht kann bei einer Verurteilung eine Strafe von maximal vier Jahren verhängen. Bei einem höheren Strafantrag müsste der Fall vor dem Landgericht verhandelt werden. Für das Verfahren wurde ein Verhandlungstag anberaumt.

DPA / DPA

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