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Kugelstoßen bei Olympia in London: Siebtes Wettkampf-Doodle ehrt eine Disziplin mit Tradition

Der Arm wird explosionsartig gestreckt, die Kugel so weit wie möglich gestoßen. Am Freitag geht es in London um eine der ältesten Disziplinen bei Olympia. Mit dabei: der deutsche Favorit David Storl.

Von Katrin Verschaffel

Gegen andere junge olympische Sportarten wie Surfen oder Tischtennis ist das Kugelstoßen ein alter Hase. Schon in der Antike fanden Wurf- und Stoßwettbewerbe statt, die sogar von Homer in seiner "Illias" erwähnt wurden. Doch da das Stoßen eine Variation natürlicher Bewegungsabläufe ist, wird davon ausgegangen, dass ähnliche Kämpfe bereits in viel früherer Zeit ausgetragen wurden. Olympisch wurde das Kugelstoßen 1896 für Männer und 1948 für Frauen.

In der Antike mussten schwere Steine als Wurfutensil herhalten, später wurden Metallstücke, Kanonenkugeln und andere geeignete Gegenstände verwendet. Die recht provisorischen Gewichte wurden im Laufe der Zeit durch Metallkugeln, die strikten Grundmaßen folgen, ersetzt. Die Kugel der Männer wiegt 7,257 Kilogramm (16 Pfund).

Frauen stoßen vier Kilogramm in die Höhe und haben damit ungefähr das Gewicht einer ausgewachsenen Katze in der Hand. Die Kugel muss vollkommen rund sein, darf aber aus beliebigen Materialien bestehen. Bei Wettkämpfen werden meist Eisenlegierungen verwendet. Pflicht ist, dass die äußere Hülle nicht weicher ist als Messing und der Schwerpunkt in der Mitte liegt.

Im Schatten des Dopings

Füße 30 bis 50 Zentimeter spreizen, Kugel anheben und mit einem Ausfallschritt oder aus der Hocke bis zur Brust bringen. Aus dieser Bewegung heraus werden Beine und Arme gestreckt und das Gewicht nach oben gestoßen. Ein Meister dieser Disziplin ist David Storl. Der Rochlitzer wird als Ausnahmetalent gefeiert und wurde 2011 in Südkorea als erster Deutscher Weltmeister in der Sportart. 21,78 Meter flog seine Kugel durch die Luft. Beim Auftakt der Leichtathletik-Wettbewerbe am Freitag in London ist er einer der Favoriten. Der Weltrekord im Kugelstoßen der Männer liegt seit 1990 bei 23,12 Metern und wurde von dem US-Amerikaner Randy Barnes aufgestellt.

Noch länger, nämlich seit 1987, hält die sowjetische Kugelstoßerin Natalja Lissowskaja ihre Rekordweite von 22,63 Metern. Kritiker sprechen angesichts des Alters dieser sportlichen Leistungen von den Möglichkeiten des Dopings, eines der Hauptprobleme bei Olympischen Spielen. Zwar begann 1967 das Internationale Olympische Komitee Athleten auf leistungssteigernde Mittel zu untersuchen, doch erst Ende der 1990er Jahre wurde das Verfahren besser organisiert. Zu diesem Zeitpunkt nahm die World Anti-Doping Agency ihre Arbeit auf, strengere Kontrollen wurden eingeführt und auch die Spitzenweiten beim Kugelstoßen gingen stark zurück. Mittlerweile wurde sogar Randy Barnes, der Goldmedaillengewinner und Inhaber des noch gültigen Weltrekords, des Dopings überführt und lebenslang gesperrt.

Die Weste von David Storl ist rein. Die deutsche Athletin Nadine Kleinert bezeichnete den Sportler als "Jahrtausendtalent". Mit 21 Jahren war Storl Welt- und Europameister im Kugelstoßen, er ist der Erste, der beide Titel gleichzeitig trägt. Nun könnte dem Deutschen eine Sensation gelingen: Wenn er in London die Goldmedaille gewinnen und Olympiasieger werden sollte, hätte er binnen eines Jahres die drei größten sportlichen Titel eingefahren.

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  • Katrin Verschaffel