VG-Wort Pixel

Beachvolleyball-Halbfinale Brasiliens neues 1:7 - Der grandiose Auftritt von Ludwig/Walkenhorst


Sie hatten die Favoritinnen aus Brasilien gegen sich und damit auch den Hexenkessel Beachvolleyball-Arena. Trotzdem stehen Kira Walkenhorst und Laura Ludwig im Beachvolleyball-Finale. stern-Korrespondent Jan-Christoph Wiechmann war auch bei der anschließenden Feier dabei.

Es ist schon dunkel, als Laura Ludwig und Kira Walkenhorst nach ihrem Halbfinalsieg noch in eine Strandbar an der Copacabana ziehen. Auf dem Tisch stehen alkoholfreies Bier und für die Betreuer Caipirinha und brasilianisches Bier. Vom Band kommt Samba. Morgen schon findet das Spiel um Gold statt, aber jetzt sind erst Mal Samba und Bier angesagt.

"Wir brauchen einen extra Tisch", ruft Ludwig mit heiserer Stimme. Einige Fans sind hinzugekommen. Sie bauen sich in einer Kette auf und singen "Finale oho. Finale. Ohohoho". Sie stehen wie ein Orchester vor den beiden Frauen und warten auf Beifall. Auf dem T-Shirt über ihrer Funktionskleidung tragen sie den Schriftzug: Hamburg in Rio. Man erkennt die deutschen Fans in Rio oft schon an den Gesängen. Oder an der Kleidung.

Ludwig und Walkenhorst putzen Brasilianerinnen weg

Einige Stunden zuvor ist Ludwig, 30, und Walkenhorst, 25, Großes gelungen. Sie haben die favorisierten Brasilianerinnen Larissa und Talita in zwei Sätzen einfach weggeputzt. Zwei Hamburgerinnen besiegen Brasiliens Heldinnen im Mutterland des Beachvolleyballs. Das ist ein wenig so, als würde Brasilien Deutschland im Rechnungswesen schlagen.

Sie haben wie immer einen Hexenkessel erwartet. 12.000 Brasilianer, die laut jubeln und Samba tanzen und trommeln und den Gegner auch mal heftig auspfeifen. Aber das Pfeifen hielt sich diesmal in Grenzen. Zunächst kamen viele Brasilianer zu spät, weil sie noch Fußball zu Ende schauen wollten und dann waren die Deutschen einfach zu gut. Als sie sich gerade warmgespielt hatten, war es schon vorbei.

Mit Trainerstab nach Rio

Ihr Aufenthalt in Rio sieht etwas anders aus als der anderer deutscher Sportler. Ludwig und Walkenhorst wohnen nicht im Olympischen Dorf, sondern in angemieteten Wohnungen in Ipanema. Sie trainieren nicht abgeschirmt von der Öffentlichkeit, sondern auf einem gemieteten Court am Strand von Ipanema. Sie haben einen ganzen Trainerstab mit nach Rio gebracht, darunter eine eigene Psychologin, denn der Druck sei schon gewaltig, geben sie offen zu.

Die Beachvolleyball-Arena ist so etwas wie das Herz dieser 31. Olympischen Spiele. Es schlägt nicht so sehr im Olympiapark im gesichtslosen Vorort Barra, wo Turnen, Basketball, Schwimmen und Tennis stattfinden. Noch im Olympiastadion oder im berühmten Maracana. Aber das könnte sich kurzzeitig wieder ändern, falls Brasilien im Fußballfinale am Samstag auf Deutschland treffen sollte.

Die Deutschen mögen den Trubel

Die Arena liegt an der 3,5 Kilometer langen Copacabana. Hier treffen sich alle: Touristen, Sportler, Kinder aus der Favela und deutsche Volleyballer. 12.000 Zuschauer füllen das improvisierte Stadion an Abenden wie diesem. Auf der Tribüne singt eine Sambagruppe. Ein paar Tänzerinnen veranstalten eine Miniversion von Karneval. Animateure fordern zum Tanzen auf. Nach jedem Ballwechsel dröhnt laute Musik durch die Arena. "Alegria alegria" schallt es vom Band. "Alegria alegria", singen die Zuschauer. Hier ist Brasilien zu Hause. Mit alten Olympia-Konventionen hat das wenig zu tun. Es ist ein Vorgriff auf das, was auf Olympia in Tokio 2020 zukommt: Wellenreiten, Klettern, Skateboarding.

Die beiden Deutschen mögen den Trubel. Die Atmosphäre reiße sie mit. Und die Pfiffe blendeten sie einfach aus. Am Abend gab es jede Menge Beifall für ihre Leistung.

Beachvolleyball-Medaille im dritten Anlauf?

Für die Berlinerin Laura Ludwig ist es der dritte Anlauf. In Peking 2008 wurde sie neunte und in London 2012 fünfte. Wenn alles mit rechten Dingen zugeht, müssten sie das Finale gewinnen, heißt es hier am Tisch. Es findet zur untypischen Olympiazeit um Mitternacht statt.

In Brasilien nicht gerade untypisch. Bis spät in der Nacht spielen sie hier noch Volleyball und Fußball am Strand. Um drei kommen die Polizisten von der Schicht und spielen auch noch eine Runde. Und um sechs kommen wieder die ersten Läufer und Schwimmer. Ein ziemlich idealer Ort für die Spiele.

Und den Gewinn der Goldmedaille.


Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker