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Olympia 2016 Voll verpixelt statt halbnackt - sehen Iraner so Beachvolleyball?

Die Beachvolleyballerin Doaa Elghobashy (l.) streckt sich verhüllt nach dem Ball über dem Netz, rechts eine verpixelte Gegnerin
Links die verhüllte Ägypterin Doaa Elghobashy, rechts die verpixelte Kira Walkenhorst
© twitter.com/tansimnews
Verpixelt eine iranische Nachrichtenagentur wirklich Beachvolleyballerinnen wegen ihrer zu freizügigen Outfits? In sozialen Medien macht ein Bild die Runde, das diesen Anschein erweckt.

Beachvolleyball. Das ist doch dieser Sport mit den knackigen Damen, die braungebrannt  im Bikini über den Strand hechten. Lässt sich der Anblick mit den Moralvorstellungen islamischer Länder vereinbaren? Anscheinend nicht, glaubt man einem Tweet von Tansim News. Denn er zeigt ein Foto einer muslimisch korrekt gekleideten Sportlerin aus Ägypten und ein paar Hände und Unterarme auf der anderen Seite des Netzes. Die Arme enden in einer Wolke aus groben Pixeln. Ein dunkler Pferdeschwanz lugt rechts hervor und ein kleines Stück Hintern. Ups, da hat wohl ein Fotoredakteur schlampig gearbeitet!

Der Tweet des Twitter-Accounts von Tansimnews irritiert und amüsiert viele - besonders in Europa. Doch leider ist er ein Fake. Denn die iranische Nachrichtenagentur heißt Tasnim News - und nicht Tansim News, wie der Tweet vermuten ließe. Der kleine Buchstabendreher mit großer Wirkung ist genau die Falle, die die Parodisten aufgestellt haben - und viele tappen hinein.

Outfits an muslimische Moral angepasst

Es ist aber tatsächlich so, dass die ägyptischen Beachvolleyballerinnen nur dank einer Sondergenehmigung des Olympischen Komitees in langer Kleidung - und damit gemäß ihren religiösen Vorstellungen - antreten dürfen. Auf die Diskrepanz zwischen islamisch korrekter Kleidung und der "normalen" Bekleidung von Beachvolleyballerinen zielt dieses Foto ab. Denn eigentlich sieht der Internationale Volleyballverband FIVB höchstens langärmelige Oberteile vor sowie Shorts, die maximal drei Zentimeter über dem Knie enden. Diese Änderungen waren 2012 tatsächlich ein Zugeständnis an die Moralvorstellungen muslimischer Sportlerinnen und ihrer Fans.

Diese moralischen Vorstellungen haben die Macher der Nachrichtenagentur-Parodie noch einmal überspitzt. Wenn man die Idee weiterspinnt, wird es noch einmal lustiger: Wie sähe dann wohl im Iran ein Fernsehbericht über Beachvolleyball bei Olympia 2016 in Rio de Janeiro aus?

tkr

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