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Kommentar

Diskus-Olympiasieger: Christoph Harting bleibt sich im Moment des Triumphs treu - Respekt!

Der neue Olympiasieger im Diskus ist ein Mann mit Haltung - und entfacht dadurch einen Sturm der Entrüstung. Er hat vorher nicht mit den Medien geredet und will auch nach seinem Triumph keine öffentliche Person sein. Das verdient Respekt!

Christoph Harting verneigt sich nach seinem Olympia-Gold im Diskus vor dem Publikum

Christoph Harting verneigt sich nach seinem Olympia-Gold im Diskus vor dem Publikum

Als der Sensationssieg feststand, war alles vergessen: die Berichte über den "anderen" Harting, der nicht so exaltiert ist wie sein berühmter Bruder Robert. Über den jüngeren Harting, der wenig spricht, der keine öffentliche Figur sein will und quasi im Verborgenen an seinem sportlichen Erfolg arbeitet. Als Christoph Harting seinen großen Wurf landete und Olympiasieger wurde, sollte plötzlich alles so sein wie immer: Atemlos-Interviews direkt im Stadion, launige Plaudereien mit Moderatoren im TV-Studio, Stofftier-Geschenke und "auch mal was Persönliches".

Aber Christoph Harting hat sich all dem auch im Moment seines größten Triumphs widersetzt. Gut so! Er erschien zur obligatorischen Sieger-Pressekonferenz und sagte dort, was er sagen wollte. Nicht, was andere hören wollten. "Extrovertierte Menschen wollen wahrgenommen werden. Ich bin ein introvertierter Mensch und fühle mich völlig unwohl hier." Fragen zu seinem Olympia-Coup beantwortete er konsequenterweise nicht. Auch Interview-Wünsche im Stadion hatte er zuvor abgelehnt. "Ich bin nicht so ein PR-Mensch", sagte er auf der Pressekonferenz. "Mir ist auch egal, was Sie von mir denken. Es ist jetzt zwei Stunden her, seit ich gewonnen habe, und es ist mir bis jetzt nicht gelungen, mit den Menschen Kontakt aufzunehmen, die mir wichtig sind."


Christoph Harting eckt an, auch ohne was zu sagen

Es ist schon erstaunlich: Robert Harting eckt an, weil er immer etwas sagt. Christoph Harting eckt nun an, weil er nichts sagt. Oder nicht das, was man hören will. Sein Verhalten wird dem 2,07-Meter-Hünen als Arroganz ausgelegt - nicht zuletzt sein glückliches Wiegen zur Nationalhymne während der Siegerehrung. Man muss das nicht mögen, kann Hartings Art für unangebracht halten, doch was hat man denn erwartet? Dass dieser introvertierte, ja distanzierte Mann, von dem bekannt ist, dass er den sportlichen Erfolg als solchen anstrebt und nicht die öffentliche Anerkennung, vor lauter Gold-Glück zur Plaudertasche wird? Wie verlogen wäre das denn gewesen?

Wir beklagen so oft, dass es angeblich keine echten Typen mehr gibt. Kaum noch Menschen mit Ecken und Kanten. Doch wenn sie dann vor uns stehen, sollen sie sich so stromlinienförmig und mediengerecht verhalten, wie man es gewohnt ist. Christoph Harting hat sich all dem widersetzt. Der Moment seines großen Triumphs war auch ein Moment großer Versuchung. Doch Harting ist sich treu geblieben. Das verdient Respekt.

Christoph Harting gewinnt Gold: Das Trikot blieb diesmal ganz
Diskuswefer Christoph Harting präsentiert stolz seine Goldmedaille.

So sehen Sieger aus: Diskuswefer Christoph Harting präsentiert stolz seine Goldmedaille.


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