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Olympia 2016 Jubel der Marathon-Zwillinge sorgt für Zoff unter deutschen Leichtathleten

Hand in Hand ins Ziel: Die Zwillinge Lisa (l.) und Anna Hahner beim Marathon in Rio de Janeiro
Hand in Hand ins Ziel: Die Zwillinge Lisa (l.) und Anna Hahner beim Marathon in Rio de Janeiro
© Sebastian Kahnert/DPA
Lächelnd und Hand in Hand sind Anna und Lisa Hahner beim Marathon über den Ziellinie gelaufen - an Platz 81 und 82. Langstreckenläuferin Sabrina Mockenhaupt schmeckt das ganze Bohei überhaupt nicht und wettert gegen die Inszenierung der deutschen Marathon-Zwillinge.

Zwei junge Frauen, die beim Marathon in Rio de Janeiro Hand in Hand über die Ziellinie laufen: Das Bild der beiden deutschen Marathon-Zwillinge Lisa und Anna Hahner hat am Wochenende viele entzückt. Doch eine ist ganz und gar nicht begeistert: Langstreckenläuferin Sabrina Mockenhaupt.

Auf Facebook schrieb sie, was sie von den Hahner-Zwillingen denkt: "Anja Scherl hat heute gebissen und hat einen hervorragenden 44.Platz belegt. Aber wer redet eigentlich von ihr??? Wenige! Und die Medien? Zwillinge, die als 81te und 82te lächelnd ins Ziel laufen sind viel interessanter und wenn sie noch zusammen ins Ziel laufen ist das Medienspektakel perfekt!"

Anja Scherl schnellste Deutsche

Tatsächlich kam die Regensburgerin Scherl als 44. in 2:37:23 Stunden als beste Deutsche an - und sank erstmal zu Boden, wo sie minutenlang liegen blieb. "Die Erschöpfung war doch groß, aber ich habe mich schnell wieder gefangen", sagte die 30-jährige Regensburgerin später. Die Software-Entwicklerin ist voll berufstätig, hat einen 40-Stunden-Job und gilt als Entdeckung des Jahres in der deutschen Laufszene. "Ein gigantisches Erlebnis", schwärmte sie. Auch DLV-Disziplintrainerin Katrin Dörre-Heinig lobte: "Anja hat sich sehr gut verkauft, sie ist ja neu im Metier." Mehr als acht Minuten nach ihr kamen die Hahner-Zwillinge ins Ziel.

Trotz ihrer Kritik an den beiden Läuferinnen betont Mockenhaupt, dass sie die Hahner-Zwillinge mag: "Habe so gerne mit Ihnen trainiert und mich von ihrem unbändigen Ehrgeiz und Willen anstecken lassen und damit motivieren sie viele von uns Läufern und das sollen sie sich auch immer bewahren. Sie haben heute auch gekämpft und es hat sich schon im Vorfeld angedeutet, dass heute nicht mehr gehen würde, also kann man ihnen keinen Vorwurf machen, sie hätten nicht alles gegeben." Mockenhaupt selbst hat wegen einer Verletzung die Olympia-Norm nicht erfüllen können und musste deswegen auf die Olympischen Spiele in Rio de Janeiro verzichten.

Mockenhaupt neidisch auf die Hahner-Zwillinge?

Nun wünscht Mockenhaupt sich offenbar eine angemessene Würdigung der besten Leistung einer deutschen Läuferin: "Ich wünschte mir nur endlich mal die Ehrlichkeit, mal zuzugeben, dass es mal nicht so gelaufen ist. Warum muss man mit aller Gewalt verkaufen wollen, dass man immer lacht und alles immer super ist. Ich liebe Menschen mit Ecken und Kanten und bin traurig, dass Anja Scherl bei dieser Inszenierung völlig untergegangen ist. Da fragt man sich, ob sich Ehrlichkeit und ein Kämpferherz in der heutigen Gesellschaft überhaupt noch lohnt."

Viele User in sozialen Netzwerken werfen ihr deswegen Neid auf die Hahner-Zwillinge vor. Doch schon am Anfang ihres Posts versucht Mockenhaupt, diesen Vorwurf zu entkräften. "Kritik ist oft ein Ausdruck von Neid, deshalb werde ich hier an dieser Stelle keinen kritisieren! Denn neidisch bin ich gerade absolut nicht. Wäre gerne selbst in Rio gewesen, habe es nicht geschafft und deshalb sollte man erst recht seinen Mund halten. Aber ganz ehrlich, ich kann es nicht."

Inzwischen hat Mockenhaupt es sich offenbar anders überlegt. Zumindest hat sie ihren Facebook-Post wieder gelöscht. Die Hahner-Zwillinge sahen sich angesichts der aufgekommenen Kritik indes offenbar genötigt, ihre Sicht der Dinge zu erörtern. Ebenfalls auf Facebook nahmen sie zu den Vorwürfen, nicht alles gegeben zu haben, Stellung. Darin machen sie keinen Hehl daraus, mit ihrem Abschneiden nicht zufrieden zu sein. Dennoch sei der Zielleinlauf einer ihrer "größten sportlichen Momente" gewesen, auf den sie vier Jahre lang hingelebt und hintrainiert hätten. "Dafür sind wir im Training an unser Limit und ab und zu auch darüber hinaus gegangen", schreiben die Läuferinnen. Nach der kräftezehrenden und teilweise auch schmerzhaften Vorbereitung auf das Rennen in Rio wollen beide nun dem Körper "die Ruhe geben, die er schon seit längerem fordert". 

Einen Seitenhieb auf die Kritiker können sich die beiden zum Ende ihres Posts dann aber doch nicht verkneifen. Man wolle alle Intressierten auch künftig "an unseren Lauferlebnissen teilhaben lassen", so die Hahners, um dann auszuführen: "Alle, die kein Interesse daran haben, dürfen die Seite gerne disliken."

tkr mit DPA

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