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Olympia Nacht: Max Meyer trifft - und Steffen Simon dreht völlig durch

Medaillenregen bei den Kanuten, ein Heiratsantrag, ein umstrittener Torschrei und ein hochdramatisches Fußball-Finale: Der vorletzte Olympia-Tag bot genug Anlass für Emotionen. Was Sie gestern (Nacht) verpasst haben.

Olympia: Max Meyer erzielte den Ausgleich zum 1:1

Max Meyer erzielte den Ausgleich zum 1:1 - und Reporter Steffen Simon hatte eine Idee

Alle Events, alle Entscheidungen der Nacht und des gestrigen Olympia-Tages finden Sie hier in unserem Livecenter.

Die wichtigsten Entscheidungen:

- Thomas Röhler ist Olympiasieger im Speerwerfen.
Der 24-Jährige aus Jena kam im fünften Durchgang auf 90,30 Meter und feierte damit den größten Erfolg seiner Karriere

- Die deutschen Fußballer holen in einer denkbar knappen Partie Olympia-Silber: Erst im Elfmeterschießen verliert das DFB-Team gegen Gastgeber Brasilien mit 4:5. Nach 120 Minuten hatte es 1:1 gestanden. Neymar erzielte das Führungstor, Max Meyer den Anschlusstreffer.


- Der Kajak-Vierer der deutschen Rennkanuten hat die Goldmedaille gewonnen. Die Zweier-Olympiasieger Max Rendschmidt und Marcus Groß setzten sich mit ihren Bootskollegen Max Hoff und Tom Liebscher nach 1000 Metern vor der Slowakei und Tschechien durch.

- Gold auch für den Canadier-Zweier: Sebastian Brendel und Jan Vandrey deklassieren die Konkurrenz über 1000 Meter mit ihrem Endspurt.

- Der Damen-Vierer holt Silber. Das Boot mit Franziska Weber, Tina Dietze, Sabrina Hering und Steffi Kriegerstein kommt nach 500 Metern auf Rang zwei hinter Ungarn ins Ziel.

- Bronze für Ronald Rauhe: Der Rennkanute paddelt im Kajak-Einer über 200 Meter hinter dem britischen Sieger Liam Heath und dem Franzosen Maxime Beaumont als Dritter ins Ziel.

- Im Turmspringen belegt der mit einer Schulterblessur gehandicapte Martin Wolfram den fünften Platz. Sascha Klein erreicht im vielleicht letzten Wettkampf seiner Karriere den neunten Rang.

- Der Moderne Fünfkämpfer Patrick Dogue holt den sechsten Platz. Der Sportsoldat aus Potsdam verpasst die durchaus mögliche Medaille am Ende um 9,03 Sekunden.

- Caster Semenya wollte diesen Sieg unbedingt. Die Südafrikanerin gewann die 800 Meter. Die 25-Jährige holte sich mit einem starken Finish in 1:55,28 Minuten souverän die Goldmedaille.

- Der Brite Mo Farah machte das zweite olympische Goldmedaillen-Double perfekt. In 13:03,30 Minuten gewann der 33-Jährige das 5000-Meter-Rennen. Zuvor hatte er schon über 10 000 Meter die Konkurrenz hinter sich gelassen.


Das hätten Sie auf keinen Fall verpassen sollen:

Das Fußball-Finale! Denn es hielt sogar noch mehr als es zuvor ohnehin schon versprochen hatte. Ein enges Spiel mit Chancen auf beiden Seiten, mit einem Traumtor von Neymar, mit Spielern, die bis an das Ende ihrer Kräfte gingen, und mit einem dramatischen Ausgang. Trotz der Niederlage war es ein großer Abschied für einen großen Trainer. Dass die deutsche Elf so aufspielen würde, hätte vor dem Turnier wohl niemand gedacht. Horst Hrubesch selbst fand gleich nach Ende der Partie lobende Worte – zu Recht.

"Es ist trotzdem kein bitterer Moment", sagte er. "Die Jungs haben hier Überragendes geleistet. Wir gehen aus dem Olympia-Turnier als Gewinner, nicht als Verlierer. Ich bin rundum glücklich, auch wenn ich natürlich gerne Gold gehabt hätte."

Dabei hat sich der Trainer mit diesem Turnier selbst ein kleines Denkmal gesetzt. Wie aufopferungsvoll Hrubeschs Spieler gespielt haben, wie nervenstark sie waren, wie sich diese jungen Fußballer auch von der Kulisse des Maracana nicht einschüchtern ließen – all das ist auch ihm zu verdanken. Vor den Olympischen Spielen musste er die Vereine um die Abstellung ihrer Spieler fast anbetteln. Gemeckert hat Hrubesch nie. Er hat einfach im Stillen trotzdem ein Team aufgestellt, das mehr als nur konkurrenzfähig war. Mit diesem Spiel ging auch eine Ära zu Ende. Hrubesch war immer dieser ruhige, menschliche, bodenständige Kopf in einer sich nur allzu schnell wandelnden Fußballwelt, ein Angler und Pferdezüchter unter all den Managern. Wir werden ihn als U21-Trainer schmerzlich vermissen.

Wie läuft's für Deutschland?

Eigentlich ganz gut. Vor allem für die Rennkanuten: Vier Medaillen allein am vorletzten Olympiatag, mit insgesamt viermal Gold und sieben Medaillen dürfen sie sich über die beste Olympia-Bilanz seit 2004 in Athen freuen. Auch das sensationelle Speerwurf-Gold für Thomas Röhler ist eine Riesenerfolg! Dass es für die Fußballer nicht Gold geworden ist, ist nur im Moment der Niederlage enttäuschend. Wer hätte vor dem Turnier überhaupt an Silber geglaubt?

Gewinner des Abends:

Sind an diesem Tag endlich mal die Gastgeber. Ständig wurden während dieser Spiele die leeren Ränge gezeigt, aber zum Finale ihres Lieblingssports waren die Brasilianer natürlich alle da. Es ist vielleicht nur ein kleiner Trost - doch durch dieses Fußball-Finale wird für die Brasilianer die demütigende 1:7-Niederlage gegen Deutschland im WM-Finale sicher ein bisschen erträglicher. Aber auch auf deutscher Seite gab es eine Sportlerin, die sich ganz besonders als Siegerin fühlen darf: Kanutin Sabrina Hering bekam nach ihre Silbermedaille im Damen-Vierer auch noch einen Heiratsantrag ihres Freundes, den sie annahm.

Der größte Aufreger:

Aufregend war das ganze Fußballspiel zwischen Deutschland und Brasilien, aufregend waren die vielen verpassten Chancen der Deutschen in der ersten Halbzeit, aufregend war aber auch der Moment, als Reporter Steffen Simon nach Max Meyers Ausgleich unerwartet die Stimme zu einem südamerikanischen Schrei erhob - oder zumindest zu etwas, was entfernt daran erinnerte: "Tooor!" rief er erst, um dann fortzufahren: "Oder wie es hierzulande heißt: Gooooooooooooooool ...!!!" Eigentlich ja schön, wenn einem Reporter mal die Gefühle durchgehen oder er Neues wagt - doch mit dieser recht bemühten Kopie fand Simon zumindest auf Twitter nur wenige Fans.






Was wird heute bei Olympia interessant?

Bald schon sind die Olympischen Spiele in Rio Vergangenheit - doch vor der Schlussfeier geht es noch einmal um Medaillen. Die deutschen Handballer wollen sich dabei nach der unglücklichen Halbfinal-Niederlage gegen Frankreich Bronze sichern. Das DHB-Team trifft im Spiel um Platz drei auf Polen. Zuvor hoffen die deutschen Leichtathleten in der Nacht zum Sonntag noch auf Edelmetall im Speerwurf-Finale der Männer, die es besser als die medaillenlos geblieben Frauen machen wollen. Letzter Leichtathletik-Wettbewerb ist am Sonntag traditionell der Marathon der Männer. Der letzte sportliche Höhepunkt für Gastgeber Brasilien steht mit dem Volleyball-Finale der Männer gegen Italien an. Den Schlusspunkt setzen die US-Basketball-Stars, die im Endspiel Favorit gegen Serbien sind.

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