VG-Wort Pixel

Während der Siegerehrung US-Kugelstoßerin setzt mit gekreuzten Armen Zeichen gegen Unterdrückung – IOC ermittelt

Raven Saunders aus USA mit mit ihrer Silbermedaille und verschränkten Armen während der Siegerehrung
Raven Saunders aus USA mit mit ihrer Silbermedaille und verschränkten Armen während der Siegerehrung
© Francisco Seco / DPA
US-Kugelstoßerin Raven Saunders hat mit gekreuztem Armen während der Siegerehrung Ermittlungen des Olympischen Komitees ausgelöst. Die Geste gegen Unterdrückung hat viel mit ihrer Geschichte zu tun.

Mit einer Protestgeste während der Medaillenzeremonie hat die US-Kugelstoßerin Raven Saunders das Internationale Olympische Komitee auf den Plan gerufen. "Wir werden uns die Sache anschauen und dann die nächsten Schritte abwägen", sagte IOC-Sprecher Mark Adams am Montag. Tags zuvor hatte Saunders, die die Silbermedaille gewann, bei der Siegerehrung mit ihren Armen ein X über dem Kopf geformt. Das sei ein Symbol für alle Leute, die unterdrückt werden, erklärte Saunders.

Die Sportlerin, die politisch aktiv ist und mit ihrer Hulk-Maske während des Wettkampfs in Tokio für Aufsehen sorgte, hatte Anfang 2020 öffentlich gemacht, dass sie unter psychischen Problemen leidet. In einem Interview vor den Spielen in Tokio gestand sie, dass ein Suizidversuch vor drei Jahren Anlass gewesen war, sich in psychiatrische Behandlung zu geben. Bei ihr wurden damals Depressionen, Angstzustände und posttraumatische Stresssymptome diagnostiziert.

Therapie und Familie haben geholfen

Saunders, die bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro 2016 den fünften Platz belegt hatte, zog sich daraufhin zwei Jahre zurück und bekam mithilfe ihrer Familie und der Therapie die Erkrankungen in den Griff. Auch ihre Ernährung stellte sie um. Die 25-Jährige, die ihre Sportkarriere im Universitätsteam von Mississippi begann und seit Kindertagen den Spitznamen Hulk trägt, ist im Süden der USA aufgewachsen, was nicht leicht für sie war: "Ich war jung, schwarz und lesbisch. Ich hatte wirklich das Gefühl, dass es keinen Ausweg für mich gibt."

Anfang 2020 kehrte sie zurück und bestritt wieder Wettbewerbe. Seitdem spricht sie offen über diese Phase in ihrem Leben: "Ich wollte diejenige sein, die etwas sagt, um möglicherweise jemanden davon abzuhalten, diesen Weg zu gehen. Oder jemanden wissen zu lassen: 'Hey, du bist nicht allein'", sagt Saunders. "Mein Ziel ist es einfach, so viele Leben wie möglich zu retten."

Ob die Geste während der Siegerehrung tatsächlich bestraft wird, ist offen. Von ihrem Verband muss sie auf jeden Fall keine Sanktion fürchten. Das Olympische und Paralympische Komitee der USA (USOPC) teilte mit, dass seiner Ansicht nach Saunders' Geste "respektvoll gegenüber ihren Gegnerinnen" gewesen sei und "nicht unsere Demonstrations-Regeln verletzt".

Falls Sie Suizidgedanken haben, sollten Sie mit jemandem darüber sprechen. Bei der Telefonseelsorge finden Sie rund um die Uhr Menschen, die Ihnen zuhören – und die Ihnen helfen können. Sie erreichen sie kostenlos unter 0800/1110111 und 0800/1110222. Mail- und Chatberatung unter www.telefonseelsorge.de

IOC will mit US-Verband reden

Darüber will das IOC mit dem US-Verband und auch mit World Athletics, dem Leichtathletik-Dachverband, reden, wie Adams sagte. Lange waren politische Aktionen von Sportlern im Umfeld der Spiele verboten. Zu den Sommerspielen in Tokio erlaubte das IOC nun, dass sich Sportler etwa in den Sozialen Netzwerken und auch vor Beginn eines Wettkampfs äußern dürfen – damit wurde etwa der Kniefall vor Spielen möglich.

Nach Beginn eines Events und auch bei Siegerehrungen aber blieben Aktionen weiter verboten. Das sei auch der Wunsch der Sportler, sagte Sprecher Adams mit Verweis auf eine Umfrage unter Athleten.

Quelle: "sportschau.de"

tis DPA

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker