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Kommentar

Siegerehrung geschwänzt: Die unsportlichen Bayern haben das Verlieren verlernt

Eintracht Frankfurt hat sensationell den Pokal gewonnen. Die Bayern haben sich gegen den Außenseiter blamiert. Wie die erfolgsverwöhnten Spieler mit der Pleite umgingen, ist ein Unding.

Die Spieler des FC Bayern München verschwanden nach ihrem Teil der Siegerehrung wortlos in der Kabine

Die Spieler des FC Bayern München verschwanden nach ihrem Teil der Siegerehrung wortlos in der Kabine

DPA

Eintracht Frankfurt hat ein dramatisch spannendes DFB-Pokalfinale gegen den FC Bayern München gewonnen. Dass die Spieler des Rekordmeisters solche Niederlagen aber offenbar nicht mehr gewohnt sind, zeigten sie kurz nach Abpfiff der Partie. In üblicher Manier bildete die Siegermannschaft eine Klatsch-Gasse für die Unterlegenen. Die Bayern trotteten mit hängenden Köpfen aufs Podium, um sich ihre metallener Teilnehmerurkunde abzuholen. So weit, so normal. Doch die Profis von der Säbener Straße verschwanden anschließend nahezu alle direkt in den Katakomben. Mal abgesehen von wenigen Ausnahmen wie Manuel Neuer und Tom Starke blieb kein Spieler - und nicht mal Coach Jupp Heynckes - höflich am Rande des Rasens stehen, um der Siegermannschaft den gebotenen Respekt zu erweisen. Wortlos schwänzten sie die Siegerehrung - eine Unsportlichkeit.

Natürlich sind die Bayern in dieser Situation maßlos enttäuscht. Die Ansprüche in München sind gewaltig, eine Saison in der man nur Meister wird - und kein anderes Adverb hat diese Selbstverständlichkeit mittlerweile verdient - fühlt sich wie zu wenig an. Trotzdem sollte man bei Niederlagen ein Mindestmaß an Fairness wahren. Insbesondere, wenn man so oft auf der anderen Seite steht. 

Nachvollziehbar gefrustet, aber das entschuldigt nichts

Auch verständlich ist, dass die Bayern angefressen waren ob der arg umstrittenen Entscheidung in der Nachspielzeit, einen Elfmeter für den Rekordmeister nicht zu geben. Zumal sich Schiedsrichter Felix Zwayer die Szene sogar am Videobildschirm zeigen ließ, und das Foul von Boateng an Martinez in der Zeitlupe doch recht klar zu erkennen war. Aber auch dieser Umstand entschuldigt nichts, denn die Bayern haben sich diese Niederlage zu allererst selbst zuzuschreiben. Sie hatten erwartungsgemäß deutlich mehr vom Spiel, die besseren Chancen und haben es trotzdem vergeigt.

Das sah auch Jupp Heynckes nach seinem sehr wahrscheinlich letzten Spiel als Trainer so. Von Journalisten mit der strittigen Elfmeterszene konfrontiert stellte er lediglich kurz fest, dass das halt ein "Penalty" gewesen sei, es daran aber sicher nicht gelegen habe. Auf den wortlosen Abgang zur Siegerehrung angesprochen, bemerkte auch er das unfaire Verhalten. "Da haben wir nicht dran gedacht." Ja, eben! Mats Hummels ließ verlauten, er kenne "gar nicht den Knigge, wie man sich da verhält". Nun ja, mit dem BVB hat er das Pokalfinale bereits dreimal verloren. Joshua Kimmich sagte, da sei "viel Enttäuschung dabei" gewesen. Aber genau darum geht es ja. Trotz Enttäuschung und Frust den Gegner zu respektieren. Sport eben. Heynckes zumindest holte kurzerhand am Mikrofon eine aufrichtige Siegerwürdigung nach. Der 73-Jährige bleibt eben ein echter Sportsmann - aber der kommt den Bayern ja nun abhanden.

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