Eine bessere Bühne für seine ersten Tore im Nationaltrikot hätte Tim Stützle nicht wählen können. Beim Olympia-Debüt in Mailand klappte es endlich für den 24 Jahre alten NHL-Weltklassestürmer der Ottawa Senators. "Es hat ganz schön lange gedauert", sagte Stützle nach seinem Doppelpack beim deutschen 3:1-Auftaktsieg gegen Dänemark.
Inmitten der NHL-Superstars klappte es plötzlich für den Top-Torschützen und Top-Scorer der Senators. So, als fiele ihm unter seinesgleichen vieles leichter. Die beiden bisherigen WM-Teilnahmen des Ausnahmestürmers, als sich fast alles auf ihn alleine fokussierte, verliefen - vorsichtig formuliert - unglücklich.
2022 verletzte sich Stützle als deutscher Hoffnungsträger und musste nach drei torlosen Einsätzen mit einer Knieverletzung wieder abreisen. Im vergangenen Jahr wirkte der Hochveranlagte unter vielen DEL-Spielern im deutschen Kader wie ein Fremdkörper und verpasste mit der Auswahl des Deutschen Eishockey-Bundes sogar das Viertelfinale. "Es ist sehr frustrierend. Wenn ich es nicht auf die Kette kriege, irgendwann ein Tor zu schießen, kann man kein Spiel gewinnen", hatte der Stürmer nach dem 1:2 nach Penaltyschießen im letzten Gruppenspiel gegen die Dänen geschimpft.
Bei Olympia unter NHL-Stars vom Druck befreit
Am Donnerstag im Olympia-Duell mit Dänemark fiel vieles einfacher. Weil die nordamerikanische Profiliga NHL erstmals seit 2014 seinen Stars die Freigabe für die Winterspiele erteilt hat, sind in Mailand die Besten der Besten dabei. Auch im deutschen Team. Den schönen Führungstreffer zum 2:1 (25. Minute) legte ihm sein NHL-Kollege JJ Peterka von Utah Mammoth auf.
Die Entscheidung zum 3:1 (31.) gelang Stützle dann in Überzahl an der Seite von Superstar Leon Draisaitl, Joshua Samanski (beide Edmonton Oilers), Peterka und NHL-Top-Verteidiger Moritz Seider (Detroit Red Wings). Diese Formation würde auch in der besten Liga der Welt allerhöchsten Ansprüchen genügen.
Dass die Leistungsträger aus der NHL allesamt auf Anhieb lieferten, ist ein gutes Zeichen. Draisaitl hatte Deutschland nach nur 23 Sekunden in Führung geschossen und im Tor überragte Philipp Grubauer (Seattle Kraken) mit 37 gehaltenen Schüssen und einer Fangquote von über 97 Prozent. "Das sind alles gute Eishockeyspieler und das haben sie auch aufs Eis gebracht", sagte Bundestrainer Harold Kreis freudestrahlend.
Auch Grubauer zeigt starke Leistung im Tor
Wenn Deutschland beim Turnier der Superlative und NHL-Superstars etwas erreichen will, müssen die Topspieler funktionieren. Seider, der selbst gute Chancen hat, in diesem Jahr zum besten NHL-Verteidiger gekürt zu werden, lobte insbesondere Stützle und Grubauer. "Er ist ein überragender Hockey-Spieler und ein wichtiger Spieler in Ottawa. Wir werden ihn für einen guten Lauf hier brauchen", sagte der 24-Jährige über den deutschen Doppel-Torschützen und bezeichnete den deutschen Goalie als "Gamechanger": "Er ist immer stark und einer der besten Torhüter der NHL."
Für Stanley-Cup-Sieger Nico Sturm hat Stützles Explosion im DEB-Trikot auch mit einer Persönlichkeitsentwicklung zu tun. Die Dänen versuchten es immer wieder, speziell Stützle mit Härte zu provozieren. "Jeder weiß, was für ein Spieler Tim ist. Er ist ein Unterschiedsspieler. Die werden auch in der NHL hart bespielt. Ich glaube auch, dass er sich über die Jahre daran gewöhnt hat", sagte der Stürmer der Minnesota Wild: "Er ist auch aus der Phase raus, dass er da trotzig wird und hebt sein Spiel stattdessen auf ein anderes Level."
Geht es nach Sturm, wird es am Samstag (12.10 Uhr/ARD und Eurosport) im nächsten Gruppenspiel gegen Lettland noch besser: "Alles kann natürlich die nächste Stufe erreichen." Spätestens am Sonntag (21.10 Uhr/ZDF und Eurosport) zum Vorrunden-Ende gegen das Superteam von Weltmeister USA ist dies auch nötig. Am Wochenende entscheidet sich, ob Deutschland es direkt ins Viertelfinale schafft oder in die Qualifikationsrunde muss.