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15. Etappe: Klöden holt auf - Landis erobert Gelb zurück

Die erste Alpenetappe hat es gezeigt: Im Kampf um den Toursieg könnte es ein Duell zwischen Klöden und Landis geben. Und - kaum angekommen - streitet sich Besucher Lance Armstrong schon wieder mit den Franzosen.

Wieder ein Mal war Lance Armstrong an einer Vorentscheidung bei der Tour de France direkt beteiligt. Unter den Augen des Tour-Gastes hat sich sein Landsmann Floyd Landis bei der Jubiläums-Tour nach L'Alpe d'Huez wieder in die Führungs-Position geschoben. Im Ziel der 15. Etappe der 93. Tour de France verlor der Spanier Oscar Pereiro sein Gelbes Trikot an den Amerikaner. T-Mobiles Ullrich-Ersatz Andreas Klöden rückte um einen Rang auf Platz sechs auf und nahm allen vor ihm platzierten Fahrern bis auf Landis Zeit ab. Es könnte sich bis zum zeitfahren am Samstag ein Duell zwischen Klöden und Landis um den Toursieg entwickeln.

Vor der vielleicht noch schwereren zweiten Alpen-Etappe am Mittwoch nach La Toussuire führt der frühere Armstrong-Helfer Landis mit zehn Sekunden vor Pereiro und 2:29 Minuten vor Klöden. Beide gelten als stärkste Zeitfahrer der Topfahrer und am vorletzten Tourtag steht noch ein 57 Kilometer langer Kampf gegen die Uhr auf dem Programm.

Sieg an einen Luxemburger

Der Luxemburger Frank Schleck vom CSC-Team, im April Gewinner des Amstel Gold Race, holte sich den Tagessieg im Alleingang. Bis drei Kilometer vor dem Ziel konnte noch Damiano Cunego an seiner Seite vom prestigeträchtigen Sieg in L'Alpe d'Huez träumen. Der Anstieg in den 1850 Meter hoch gelegenen Skiort, wo Schleck als erster Luxemburger gewann, stand zum 25. Mal auf dem Tour-Programm. Die erste Tour-Etappe, die 1952 in L'Alpe d'Huez endete, gewann der Italiener Fausto Coppi.

Lange Zeit hatte eine 14- bis 18-köpfige Spitzengruppe, in der auch Fabian Wegmann und Etappensieger Jens Voigt fuhren, das Geschehen bestimmt. Aber als das legendäre Finale auf dem 13,8 Kilometer langen Schlussanstieg nach L'Alpe d'Huez anstand, änderte sich die Situation. Die Steigung mit den 21 Kehren, an der diesmal weniger Zuschauer als sonst üblich ihr "Tour-Festival" mit Alkohol und lauter Rockmusik feierten, nahmen nur noch die sieben stärksten der Ausreißergruppe an der Spitze in Angriff. Hinter ihnen hatten sich aus dem Verfolger-Feld Landis und Klöden gelöst, die auf den Tagessieger bis auf 1:10 Minuten herangefahren waren.

Klöden holt auf

"Großes Lob meinem gesamten Team - die sind heute toll gefahren, besonders Matthias Kessler. Ich habe gestern Nacht von L'Alpe d'Huez geträumt. Leider ist der Traum nicht ganz in Erfüllung gegangen, aber ich bin mit dem heutigen Tag zufrieden", sagte Klöden im Ziel. Sein Landsmann Markus Fothen vom Team Gerolsteiner musste am Dienstag zum ersten Mal bei seinem Debüt der Tour Tribut zollen und verlor 5:16 Minuten auf Schleck und seinen 12. Rang im Gesamtklassement. Er verteidigte aber sein Weißes Trikot als bester Nachwuchsfahrer.

Am Fuß des Lautaret gab Weltmeister Tom Boonen, der auf den Flachetappen vergeblich einem fest eingeplanten Etappensieg hinterher gefahren war, rund 75 Kilometer vor dem Ziel auf. Damit verabschiedete sich der 25-jährige Belgier auch endgültig von seinen Träumen auf das erste Grüne Trikot seiner Karriere. Boonen, der an einem Magen- und Darminfekt litt, hatte die Tour auch im Vorjahr nach einem Sturz vorzeitig verlassen müssen. Er hatte vier Tage Gelb getragen.

Armstrong beschwert sich über die Franzosen

Die Tour hatte hohen Besuch. Wenn auch nicht unbedingt aus der Sicht der Gastgeber. Der im Vorjahr zurückgetretene und danach mit konkreten Doping-Vorwürfen konfrontierte Seriensieger Lance Armstrong saß im Begleitfahrzeug seines ehemaligen Discovery-Channel-Teams. Den Texaner, zu einem Drittel Mitbesitzer des Teams, verbindet mit Frankreich eine Art Hassliebe.

"Die Franzosen verstehen meinen Humor nicht", sagte Armstrong im Startort Gap, als er auf seine jüngsten Äußerungen angesprochen wurde, in denen er die Fußballer des Vize-Weltmeisters als "Arschlöcher" bezeichnet hatte. Armstrong war 2004 der letzte Sieger in der Skistation, die vor zwei Jahren Bühne eines Zeitfahrens war.

Vor dem Start waren bei 23 Fahrern Blut-Kontrollen durchgeführt worden, darunter auch beim Team Gerolsteiner. Es gab keine Auffälligkeiten.

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