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17. Etappe: Tour de Lance

Am Ende jubelt immer nur einer: Lance Armstrong hat auch bei der 17. Tour de France Etappe gezeigt, dass er momentan einfach unbesiegbar ist. Andreas Klöden musste sich auf der Ziellinie geschlagen geben.

Lance Armstrong ist der Michael Schumacher der Tour de France. Der Texaner schnappte im Ziel der 17. Etappe Andreas Klöden den sicher geglaubten ersten Tour-Etappensieg seiner Karriere auf den letzten Metern weg und offenbarte sich bei seinem fünften Tageserfolg als wahrer Nimmersatt. Der deutsche Meister hatte sich 1500 m vor dem Ziel nach 204,5 km vor dem Zielstrich in Le Grand Bornand von einer fünfköpfigen Spitzengruppe abgesetzt und sah wie der sichere Sieger aus. Aber der T-Mobile-Profi hatte die Rechnung ohne Armstrong gemacht, der von hinten noch herangeflogen kam. So konnte der Seriensieger auf dem Weg zu seinem sechsten Gesamterfolg seinen Vorsprung im Gesamtklassement durch die Zeitgutschrift sogar noch leicht ausbauen. Bei der Siegerehrung kassierte Armstrong Pfiffe.

"Wir haben keine Geschenke von den deutschen Fahrern bekommen, warum sollten wir welche verteilen?", sagte US-Postal-Manager Johan Bruyneel. "Ich bin enttäuscht, aber gleichzeitig auch froh, dass ich diese superschwere Etappe überstanden habe. Armstrong wollte, dass sein Team-Kollege Landis die Etappe gewinnt. Das klappte nicht, vielleicht ist er mir deshalb hinterhergefahren", sagte Klöden. "Die letzten 15 km waren von taktischen Spielen geprägt. Ich wollte, dass Floyd Landis heute gewinnt. Aber als er attackierte, ist Ullrich hinterher und es ging nicht", sagte Armstrong. "Ich habe eine Super-Kondition. In diesem Jahr ist keine Zeit für Geschenke", wiederholte Armstrong die Meinung seines Teamchefs.

Ullrich auf Rang drei in Le Grand Bornand und Klöden verpassten am Donnerstag die vorletzte große Chance, bei der Tour de France Boden auf Armstrong gutzumachen. Vor den letzten 384,5 km der 91. Frankreich-Rundfahrt veränderte auch die schwerste Alpen-Etappe nichts Grundsätzliches an der Spitze. Armstrong lässt sich auf dem Weg zu seinem Rekordsieg durch nichts und niemanden beirren und führt weiter mit 4:09 Minuten vor dem Italiener Ivan Basso, der am Samstag beim Zeitfahren über 55 km in Besancon mit einem Großangriff der Doppelspitze von T-Mobile rechnen muss.

Sowohl der 3:59 Minuten hinter Basso auf Rang vier liegende Ullrich, der am Samstag in Besancon noch dazu auf seinen ersten Etappensieg spekuliert, als auch der deutsche Meister Klöden (1:02 zurück) auf Platz drei haben einen Tag vor dem Tour-Finale auf die Champs Elysees viel vor. Ihr Hauptgegner ist der italienische CSC- Fahrer, der Schwächen im Kampf gegen die Uhr hat. "Mein Tipp fürs Podium in Paris lautet: Armstrong vor Ullrich und Klöden", meinte T-Mobile-Team-Manager Walter Godefroot, der in Le Grand Bornand vergeblich auf den ersten Tageserfolg in diesem Jahr hoffte.

Die 17. Etappe am Donnerstag, die über das "Dach" der Tour, den 2000 Meter Col de la Madeleine, führte, stand lange im Zeichen ungeduldiger Ausreißer. Fünf Fahrer, unter ihnen Richard Virenque (Frankreich), der bisher im Tour-Abseits stehende, zweifache Giro-Gewinner Gilberto Simoni (Italien) und Rolf Aldag (Ahlen) rissen nach der ersten Renn-Minute aus. Virenque, Etappensieger von St. Flour, machte bereits am Donnerstag das siebente Bergtrikot seiner Karriere perfekt. Ihn kann keiner mehr von der Spitze dieser Wertung verdrängen, womit der umstrittene Franzose für einen Tour-Rekord sorgte.

Erst am letzten der fünf Anstiege der anstrengenden Alpen-Passage wurden die Ausreißer gestellt. In ihrem Rücken hatten sich die Favoriten um Armstrong, Basso, Ullrich und Klöden in einer anfangs 20 köpfigen Verfolger-Gruppe formiert. Dieses Fahrerfeld verkleinerte sich, 13 Fahrer überholten Simoni, Virenque und den Franzosen Christophe Moreau, die Übriggebliebenen der Ausreißer-Gruppe, vier Kilometer vor dem Gipfel.

Auf dem letzten Anstieg auf den 1477 m hohen Col de la Croix Fry, dessen Gipfel 13 km vom Ziel entfernt lag, "zuckte" keiner der Favoriten, mit einer Ausnahme: Basso versuchte kurz wegzukommen, stellte sein Unternehmen aber sofort wieder ein.

Andreas Zellmer und Heinz Büse / DPA / DPA

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